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In Deutschland gibt es ja die weit verbreitete Annahme, Neid sei legitim und brauchbar. Nicht aber der Neid, der gefühlt wird, oder der, der sich äußert mit “Ich bin so neidisch auf dich”, sondern der, der Missgunst hervorruft. Da werden dann nicht wie in der türkischen Kultur etwa Fluche oder Verwünschungen ausgesprochen, gelästert oder Gerüchte in die Welt gesetzt, sondern von Angesicht zu Angesicht, böse Blicke hin- und hergeworfen, geschwiegen oder doch – ironischerweise, da in Deutschland ja kaum über Gefühle gesprochen wird- alles schlecht geredet, da man ja selbst schlechte Erfahrung gehabt habe oder sehe, dass das alles einfach nicht so passieren könne. Das ist demotivierend. Aber weil in Deutschland jeder alles haben will, infantil wie das so ist, ohne ein wenig Empathie oder Respekt entgegen zu bringen, wird dann aus Neid sabotiert, ignoriert und die kalte Schulter gezeigt. Selbst bei der eigenen Familie, Freunden oder weiteren Bekannten und Arbeitskollegen.

Sneaky wie Neid dann auch sein kann breitet er sich aus, und taucht plötzlich da auf, wo er längst nicht erwartet wird. “Wie machst du das?”, heißt es dann von Frenemies in geselliger Atmosphäre bei Smalltalks. Es tauchen Fragen wie “Deine Eltern sind schon reich, oder? Weil, wie könnte man sich das sonst leisten.” auf, und urteilende Kommentare werden abgegeben: “Ja, aber diese couples sind doch nur so erfolgreich, weil die gut aussehen. Ist doch wissenschaftlich bewiesen, dass Gutaussehende es einfach leichter haben im Leben.”

Es handelt sich aber auch nicht immer um Erfolg, wenn es ums Neidischsein geht. Oft sind es doch die privaten Gefühle, die Menschen neidisch machen. Gefühle wie Glücklichsein, Neugier oder eine positive Weltanschuung. Der Neid um Eigenschaften, die andere ausmachen oder wofür gekämpft wird, machen blind für Wertschätzung.

Und deshalb leiden nicht nur Einzelpersonen unter Neid und dem daraus resultierendem Verhalten, sondern ganze Gesellschaften. Warum etwa sonst dürfen junge Männer, die sich erfolgreich in der Wirtschaft betätigen, nicht oder zumindest selten aufsteigen? Weil 50-Jährige häufigst noch davon überzeugt sind, selbst noch in ihren besten 20-ern zu sein, und deshalb boykottieren. Unterstützt und investiert wird auch in die jungen Heranwachsenden schon gar nicht. Von den weiblichen Anwärterinnen sei schon gar nicht die Rede. Das ist non-produktiv. Denn gerade die Wirtschaft, die in Deutschland doch so erfolgreich ist, lebt davon, sich zu verbessern und weiterzuentwickeln, auch mit jungen Menschen, die es braucht wie den Motor eines Rennwagens.

Fatal wird es, wenn beleidigende Kommentare zur Regel werden. Doch auch hier gilt: Nur wer beleidigt, wagt und mitmacht, kann überleben.

Für manche mag dies in dem Kriegschaos der überwiegend wirtschaftlichen Abspaltung der deutschen Arbeitswelt und der Anerkennungsdogmen familiärer Verhältnisse die eigentliche Anerkennung und Bestätigung für den Erfolg und das wohlverdiente Siegertreppchen sein. Racheartig rufen sie dann aus: “Dein Neid ist mein Sieg.” Selbst antike Zitate wie die der Deutschen Wilhelm Busch (“Der Neid ist die aufrichtigste Form der Anerkennung.”) und Arthur Schopenhauer (In Deutschland ist die höchste Form der Anerkennung der Neid.) zeigen diese kulturelle Gepflogenheit, sodass “Beneidet-Werden” gar zu einer Art “Musthave” geworden ist, wenn es darum geht, sich erfolgreich zu fühlen. Doch deutsch ist auch der Spruch: Es (dein Neid) ist nicht mein Bier!

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