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Der türkische Superstar Wilma Elles im Gespräch

Es gibt wenige Menschen, die eine so faszinierende Aura und Ausstrahlung haben wie Wilma Elles.  In Deutschland erkennt sie außer den Deutsch-Türken kaum einer, doch in der Türkei ist die blonde Schauspielerin unter dem Namen „Carolin“ mit gerolltem R so ziemlich jedem der 73 Mio. Einwohner bekannt. In Düren aufgewachsen, studierte sie neben der Teilnahme an einer Schauspielschule Islam- und Politikwissenschaften. Gelandet ist sie in der Stadt am Bosporus und funkelt dort im wahrsten Sinne des Wortes als Superstar. Ihren Namen Wilma hat sich mittlerweile jeder gut eingeprägt. In der Serie „Öyle Bir Geçer Zaman Ki“ („So wie die Zeit vergeht“) spielt Wilma Elles die Hauptrolle der holländischen Schönheit, die in den 1960-ern eine Liason mit dem verheirateten Kapitän Ali beginnt. 20 Millionen Zuschauer verfolgen die dramatische Serie jeden Mittwoch Abend gespannt. Und mittlerweile gehört die Türkisch-Deutsche, wie sie sich selbst nennt, zu den beliebtesten Schauspielerinnen und Models der gesamten östlichen Welt. Zur Berlin Fashion Week ist sie vergangene Woche gekommen, um für die Istanbuler Designer nicht nur in dem einstigen byzantinischen Zentrums zu laufen, sondern auch für die Kollektionen von Burce Bekrek, Günseli Türkay und Zeynep Erdogan im Rahmen der Show ISTANBUL NEXT. Mit einzigartiger Klasse, Grazie und Ausstrahlung einer talentierten Schauspielerin hat sie während der Fashionweek ihre Eleganz als Model bewiesen. Nachdem sie in der türkischen Elle und Vogue erschienen ist, hat die 25-jährige für das große türkische Modehaus Adil Isik nun die Kollektion „Maya“ entworfen, für die sie auch selbst gekonnt posiert. In einem kurzen Gespräch konnte ich mit ihr über ihre Kollektion, Istanbul und die deutsch-türkische Mentalität sprechen.

Wilma Elles muss man sich übrigens als ununterbrochen lächelnden Menschen in Gesprächen vorstellen. Ob vor der Kamera im türkischen Fernsehen oder vor mir während Interviews, trägt sie ihr Lächeln mit ganz natürlicher Art, als sei es ein Teil ihrer selbst.

Du läufst für türkische Designer der Istanbul und Berlin Fashion Week, aber du hast auch selbst eine Kollektion erst kürzlich entworfen.

Wilma: Jaaa. (ganz euphorisch)

Vielleicht magst du uns etwas dazu erzählen.

Wilma: Also das ist zum Beispiel ein Teil von der Kollektion. (zeigt ihr Outfit)

Das sieht wunderschön aus.

Wilma: Danke. Es ist eine Feng-Shui-Kollektion, die wir gemeinsam mit der Firma Adil Isik machen. Ich interessiere mich seit meiner Kindheit für Feng-Shui, Aura, Energien. Ich habe zum Beispiel festgestellt, dass ich immer nur nach Westen oder Norden schlafen kann, und nicht nach Süden oder Osten. Auch habe ich festgestellt, dass ich Anderthalb Jahre nur Schwarz getragen habe und als ich in die Türkei gekommen bin, plötzlich Rosa, Orange. Und da habe ich mir überlegt, woran das liegen könnte. Und so kam das Interesse, Feng-Shui-Kleider zu entwerfen, die nach den Himmelsrichtungen ausgerichtet sind, Hypnosezeichen tragen, und subliminale Botschaften abgeben.

Also in Kooperation mit Adil Isik. Und wann gibt es die zu kaufen?

Wilma: Genau. Die Teile aus der Kollektion sind zurzeit auf dem Markt. Adil Isik hat 300 Geschäfte weltweit, und wir machen jetzt die Sommerkollektion, die es auch online zu kaufen gibt. Die Kollektion besteht aus 26 Teilen, die jede Woche um 10 neue Teile erweitert wird. Wir haben Badeanzüge, Abendkleider, Bürokleidung, aber vor allen Dingen Abendkleider, weil ich auch sehr gerne Kleider anziehe. Und lange Röcke! Ich liebe im Moment lange Röcke, wie du!

Ja, es steht dir auch sehr gut. Du wirst es sicher öfter gefragt, aber wie ist es für dich als „Deutsche“ in der Türkei?

Unglaublich.

Ja, das merkt man, dass es dir gefällt!

Wilma: Man sag ja hier in Deutschland gibt es „Deutschtürken“ und ich fühle mich mittlerweile als „Türkisch-Deutsche“. Ich bin total beeindruckt von der Stadt,den Menschen und ich habe mich sofort wie zu Hause gefühlt. Es war ein so harmonisches Einleben mit den Leuten, mit denen ich mich prima verstehe. Ich liebe zum Beispiel den Verkehr in Istanbul. Bisschen spontan, flexibel – ich bin genauso! Und der Bosporus! Wo gibt es eine schönere Stadt allein von der Landschaft und den Wetterbedingungen? Und das Essen ist so gesund! Hier gibt es auch gutes Essen, keine Frage, es ist eben mehr für eine kältere Gegend gemacht, aber in Istanbul gibt es so viel Gemüse.

Ja, das stimmt. Und wie haben die Türken die türkische Deutsche aufgenommen? Mit der Mode hat sich die Kooperation auch sehr schnell ergeben. 

Wilma: Ja, sehr gut. Istanbul ist ja auch eine Modestadt. Alles wird dort produziert, mittlerweile wird ja auch in Asien produziert, aber hauptsächlich in Istanbul und deswegen lag es für mich auch auf der Hand, diese Kollektion zu machen. Denn ich habe ganz viele Schneider kennengelernt, und hatte Mode-Shootings mit der Vogue und Elle und dann habe ich bei der Fashionweek mitgemacht. So habe ich mich dann immer mehr dafür interessiert. Istanbul hat mich wirklich auf den Trichter gebracht. Hier in Deutschland wäre es viel schwieriger gewesen, so eine Kollektion zu entwerfen. Denn dort sind alle Stoffe der Welt, denn die kommen da ja über die Seidenstraße.

Genau, so hat man viel mehr Möglichkeiten.

Wilma: Genau. Ich rate allen immer, nach Istanbul zum Shoppen zu kommen! Allein die Shoppingcenter sind so groß, Istinye Park zum Beispiel, das habe ich nirgendwo gesehen. Dort ist auch eine meiner Boutiquen.

Toll! Wie genau kann man sich die Boutique vorstellen?

Wilma: Adil Isik ist ja sehr groß, und darin gibt es einen Teil, also eine Boutique für die Maya Kollektion. Die heißt übrigens Maya-Kollektion, da dieses Jahr 2012 das Maya-Jahr ist. Alle Planeten werden in einer Reihe sein und man sagt, dass sich die Frequenz der Welt erhöht und zu Wetterunruhen führen. Alle Menschen müssen ihre Energie nach oben ziehen, um mit dem Tempo des Universums mitzuhalten. Und dafür ist die Kollektion gemacht.

Das ist sehr schön. Du bist ein Mensch, der die Harmonie liebt?

Wilma: Ja, auf jeden Fall.

Sagen die Türken zu dir eigentlich noch „die Deutsche“? In den Medien weniger oder?

Wilma: Manchmal sagen die zu mir „yenge“, dann bin ich am glücklichsten, weil ich das so sympathisch finde, und dann freu ich mich immer total.

(Als die Pr-Agentin von Wilma fragt, was yenge bedeutet, antwortet Wilma: So wird die Freundin vom Freund genannt. Also füge ich noch hinzu: Wortwörtlich ist die „yenge“ die Frau vom Onkel, aber das benutzt man auch so im Alltag ganz gern.)

Wilma: Die entfernte Familienangehörige. Aber manchmal sagen die auch „abla“ (Schwester) und dann bin ich ganz beglückt.

Aber die erkennen dich immer auf der Straße, stimmts?

Wilma: Sofort.

Weil ich einen deutschen Akzent habe, wird mir gesagt „du redest wie Carolin“.

Wilma: Wirklich?

Jaaa. Meine Tante findet dich auch ganz toll. Alle finden dich ganz toll.

Wilma: Danke.

Meryem ist ja halbdeutsch. Aber bei dir ist es so, dass beide Elternteile deusch sind und du mit deinem blonden Haar auch so aussiehst.

Wilma: Bist du ganz türkisch?

Ja, beide Elternteile kommen aus der Türkei.

Wilma: Aber bei dir ist es ja genau das gleiche.

Es ist auf jeden Fall sehr ähnlich.

Wilma: Ah ja, du bist ja hier geboren und ich bin dort erst seit zwei Jahren.

Aber willst du für immer da bleiben?

Wilma: jaa, das könnte ich mir schon vorstellen. Aber da, wo die interessanteste Arbeit ist, da bin ich glücklich.

 Genau, du bist ja Schauspielerin. Du warst ja auch vorher am Theater. Aber „Öyle bir zaman gecerki“ feiert sogar internationalen Durchbruch.

Wilma: Genau. Die Serie wird jetzt ausgestrahlt in Aserbaidschan, Algerien, Kuwait, Iran, Iraq, Saudi Arabien, Zypern, in so vielen Ländern. In Mazedonien ist es gerade ein großer Hit. Da muss ich unbedingt hinfahren.

Kivanc Tatlitug gilt als Brad Pitt des Osten und du bist neben ihm auch eine der größten Stars, die man in jedem der östlichen Ländern kennt. Und hier in Deutschland bekommt das kaum einer mit.

Wilma: Viele wissen das, aber sie können mich nicht sofort erkennen. Die wissen, dass eine deutsche Schauspielerin in der Türkei in einer Serie mitspielt, aber wenn ich denen das sage, „aah ja, habe ich gelesen“.

Aber wie war das für dich, als feststand, dass du in die Türkei gehen wirst. Was hattest du für ein Bild und wie hat sich das verändert?

Wilma: Ich wusste halt, dass Istanbul eine Weltstadt ist. Wenn man von Köln, einer 1 Mio. Stadt in eine 20-Mio Stadt zieht, ist das in jedem Fall sehr schön.

Und was für ein Bild hattest du von der Mentalität?

Wilma: Ich wusste natürlich, wie die Mentalität sein wird, aber ich war nur positiv überrascht. Aber es ist so, dass mir meine Familie sehr nah ist. Ich habe vier Geschwister, und der Familienzusammenhalt ist bei uns ganz groß geschrieben.

Wie lange geht die Serie, in der du spielst, noch?

Wilma: Eine Saison. Aber man weiß es noch nicht genau.

Und hast du schon neue Projekte?

Wilma: Ich beginne jetzt mit einem türkischen Kinofilm für den Sommer.

 Da bin ich echt gespannt. Darfst du schon verraten, worum es geht?

Wilma: Nein, leider nicht. Aber es ist eine Komödie. Zum ersten Mal spiele ich in einer Kömodie mit.

Um es aus der Perspektive einer Schauspielerin betrachten zu können: Wie unterscheiden sich die türkischen Serien von deutschen?

Wilma: Die sind viel hochwertiger produziert. Es sind Wochenserien, die ins Ausland verkauft werden. Wir haben für eine Massenszenen mit 300 Komparsen, das gibt es eben in Deutschland nicht. Wir drehen in Locations mit Schiffen, Helicopter. Es hat auch einen Riesenbudget. Deutsche Serien sind auch gut, aber auf eine andere Art und Weise, es sind Tagesserien.

Und im Vergleich zum Theater, hast du da manchmal das Gefühl, das du durch die Serie künstlerisch eingeschränkt wirst?

Wilma: Nein, überhaupt nicht.

In der Serie „yalan dünya“ wird genau das immer kritisiert. Da stellen die genau die als Karikatur dar, die von sich selbst behaupten Künstler zu sein, aber in billigen Serien mitspielen.

Wilma: Ja, ich liebe die Serie.

Du kannst mittlerweile so gut türkisch, dass du das alles verstehst, das ist echt toll!

Wilma: Ja, Witze verstehen, das war auch immer das Wichtigste für mich.

Bilder: Van Anh Le Thi (danke!) und Meltem Toprak

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„Jeder Rechtschreibfehler verrät einen Wunsch…“

Als ich Dienstag früh, dem 3.Juli,  in eine meiner drei Schreibmaschinen das feine Papier, das ich am Tag zuvor in der Münchnerstraße kaufte, eingespannt habe, dachte ich darüber nach, wem ich wohl alles meine Visitenkarte geben darf, nachdem danach gefragt wird, ja welche Persönlichkeiten ich in Berlin kennenlernen werde.

Da Töne in Pastell für mich die schönsten sind, habe ich mich für Mintgrün und einem blütigen Pfirsischton entschieden.

Alle Visitenkarten sind von mir handgefertigt, also selbst mit der Schreibmaschine geschrieben. Besonders schön ist das Gefühl des dünnen Papiers zwischen den Fingern. Denn durch den Druck der Tasten werden bei festen Griffen die Formen der Buchstaben eingeprägt. So werden den Buchstaben, die oft flach und formlos mit dem Papier zu eins werden, reliefartig ein Profil verliehen. Man kann die Buchstaben, die sich zu Worten zur Vorstellung meiner Person und meinem Schaffen zusammenschließen, wahrlich fühlen.

Zu den Rechtschreibfehlern antworte ich gerne wie Stanley Buchthal und Bernard Comment  zu Monroes Rechtschreibfehlern mit Marcel Prouts Worten: „Jeder Rechtschreibfehler verrät einen Wunsch…“

Ich freue mich über jeden Menschen, mit dem ich in Kontakt bleiben kann. Denn das Leben wird durch Begegnungen erst lebenswert. Diese Visitenkarten sind eine Einladung zu einer zweiten Begegnung, dem Anfang aller Dinge.

In dieser Woche haben mich übrigens Christiane Arp und die Presse-Agentin von Wilma Elles nach meiner Karte gefragt, womit ich wohl niemals gerechnet hätte.

Wem ich im alltäglichen Leben niemals en face begegne, der soll sich nicht zieren, mir zu schreiben. Das Internet ist da, um Sehnsüchte zu stillen und jeden zu verbinden, der geistig zusammengehört.

Meltem

 

 

 

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Levis 100yards Frankfurt – Hiphop Legende Nas

„I know I can,

be what I want to be,

if I work hard at it,

I´ll be where, I wanna be.“

Das sind die Worte von Hiphop-Legende Nas, die er in seinem Song  „I can“ von unzähligen Kindern singen lässt und damit alle Kinder der Welt in der englischen Sprache anspricht und dazu motiviert, dass sie alles schaffen können, wenn sie nur daran arbeiten und ihre Ziele verfolgen. 2002 erschien dieser Song. Zu diesem Zeitpunkt war ich gerade mal 12 Jahre alt und es war tatsächlich eines der Lieder meiner jungen Jahre, die mich eine gewisse Zeit lang jeden Tag vor und nach der Schule dazu motiviert haben, dass ich alles schaffen kann.

Ob Architekt, Arzt oder Schauspieler, mit viel Übung kann man werden, was auch immer man möchte, schreibt er. Auch auf die Schattenseiten und Gefahren macht er aufmkerksam.In diesem Song rät er wie kaum ein anderer Hiphop-Rapper jedem Kind und Kindgebliebenen fern von den falschen Menschen und Drogen zu bleiben, und sich nicht von denen Ablenken zu lassen, die für die „Drogen kommen“ und nicht zum Singen.

„Nobody says you have to be gangstas, hoes
Read more learn more, change the globe
Ghetto children, do your thing.“

Da in den USA noch immer starke Ungerechigkeit gegen Menschen mit dunkler Hautfarbe herrscht, sind dies gewiss Worte, die gerade für die Kinder unterdrückter Minderheiten von einer glaubhaften und bewundernswerten Person, die für viele zum Vorbild-und Identifikationsmodell wird, ermutigend und bewegend sind, zu werden, etwas zu Sein.

Nas ist einer der Wenigen, die wirklich die Musik retten vor das, was sie auch sein kann: nämlich nichts als eine Geldmaschinerie. Unzählige Darsteller der Musikszene, die sich gerne als „Künstler“ titulieren, sind nicht nur der Spiegel eines orientierungslosen Heranwachsens, sie verstärken in ihrer Vorbildrolle den Werteverfall nur, indem sie selbst keine vermitteln. In vielen der Songs geht es letztlich nur darum, eine attraktive Person zu gewinnen. Wie das am leichtesten gelingt, wird auch erklärt: Geld, gutem Aussehen, möglichst aufreizender Kleidung.

Nas‘ Discographie ist auch nicht ganz frei von solcher Lyrik. „Hate me now“ featurin Puff Daddy von 1999 ist auch nicht mehr, als eine Darstellung ihrer selbst als Gucci-Träger, Models-Dater, reicher Rapper, die sich den Pulitzer-Preis für seine Werke voll Kritik selbst verleihen, und anders als viele anderen wirklich nicht mehr, vom Thron wegzustoßen sind. Das sind Songs, um sich selbst zu erklären, Stärke zu beweisen, Neidern und Hatern gegenüber. Vorallem der Kleinkrieg zwischen Jay-Z und Nas, der zwischen 2001 und 2005 stattfand, signalisiert die starke Konkurrenz der Großen des Business. Nach einem gemeinsamen Auftritt auf dem Konzert Jay-Zs‘ „I declare War“ wurde jeodch nach langen dissenden PingPong- Songs die Versöhnung bekannt.

Für das Album „Hiphop is dead“ gab es dann auch das Featuring zwischen Nas und Jay-Z mit dem Titel „Black Republican“. Mit dem Song „Hip Hop is dead“, den er auch in Frankfurt performte, kritisiert Nas unfassbar scharf das, was aus dem eigenen Genre geschehen ist. „Werte, und Moral wie Freundschaft, Liebe und Respekt werden in der Gesellschaft immer mehr vernachlässtigt.“ Dass es eine kleine Gegenbewegumg gibt, beweisen jedoch unzählige gegenwärtige Künstler wie Frank Ocean, Emanon, Common, Jay-Z.

Etwas Neues ausprobieren, über die Grenzen wachsen und sich selbst interdisziplinär neu erfinden ist für jeden guten Künstler eine Herausforderung, die er annimmt. Ob elektronischer Hiphop,neue Themengebiete oder die Zusammenarbeit mit Künstlern anderer Genres. Doch Snoop Dog, T-Pain, Rihanna und P.Diddy (der eher ambivalent ist), haben wir bereits ganz aufgegeben.

Dass viele Menschen Musik nicht zur Unterhaltung, zum Nachdenken, hinterfragen und fühlen hören, sondern zur Feier am Ende des Tages konsumieren, ist bloß ein repräsentatives Bild der Menschheit.

Das Festival jedenfalls, dass ich neben den Mädels von artschoolvets,VOGUE, GLAMOUR und Anna und Corinna von der PR-Agentur Haebmau mit meiner Schwester und unserer gemeinsamen Freundin Sana besuchte, war jedenfalls viel mehr eine kleine Auferlebung von Nas als Legende. Das Umfeld eines kritischen Hiphops war in Frankfurt vergangenes Wochenende vor der Fashionweek sehr angenehm. Es gab nach Nas großartigem Auftritt erst eine, dann die zweite und letztlich die dritte Aftershowparty mit sehr gutem Hiphop. Geblieben sind wir im Levis Hotel 25Hours, das mit dem Restaurant „Chez Ima“ für sehr gutes Essen gesorgt hat. Auf der Dachterrasse hatte man zwar keinen Blick auf das Blockfestival, doch die Köche grillten ein köstliches Barbecue-Buffet. Eine Etage tiefer gab es nochmals einen speziellen Bereich mit Drinks und Food,indem man auf der Terrasse einen guten Blick auf die Stage hatte. Die Besucher waren sehr unterschiedlich, aber alle sehr locker. Das ist eben das großartige an unseren Interesseren: Wir werden aufgrund einer Leidenschaft mit den unterschiedlichsten Menschen verbunden und konfrontiert. Und das erste, was gewisse Menschen (Drummer von Nas‘ Band) übrigens sagen, um zu beeindrucken, wenn sie sich selbst vorstellen: hast du den Drummer gesehen? Er war der Süsseste. So viel zum Thema Bescheidenheit von Künstlern Frauen gegenüber. (;

Vielen Dank an dieser Stelle Levis, die das Ganze überhaupt möglich gemacht haben und den Veranstaltern: Yves Hofmann, Tiho Sablic, James und David Ardinast. Die Idee, in Frankfurts Hauptbahnhofviertel mit Skyline im Hintergrund an einem sonnigen Juni-Tag, das erste Blockfestival Deutschlands mit Hiphop-Legende Nas zu veranstalten, war eine sehr große. Und ich freue mich jetzt schon auf das nächste Jahr und kann es jedem nur empfehlen! Es ist das beste Festival, das ich bisher besucht habe.

Bilder: Meltem Toprak

 

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Lala Berlins Vermeer im The Grand

Leyla Piedayesh erklärt im Interview mit dem Tagesspiegel, warum sie verganene Woche keine Kollektion im Rahmen der Mercedes Benz Fashion Week zeigte. „Der frühe Zeitpunkt der Berliner Fashion Week ist ja immer schwierig gewesen. Mit der Größe meiner Firma und meiner Verantwortung für die Kollektion setzt mich das immens unter Druck. Deshalb habe ich diesmal beschlossen: Ich mache das nicht. Den Druck brauche ich nicht, ich muss eher Druck rausnehmen, um meine Struktur sauber hinzubekommen. Beim Wachstum einer Firma kommst du immer in eine Wellenbewegung. Das heißt, du musst einen Schritt zurücktreten, um zu gucken: Wie läuft alles, sind deine Mitarbeiter glücklich? Sind sie nicht – du bist ja eine Furie geworden.“

Dafür unfassbar positiv, entspannt und glücklich sah sie aus, als sie im „The Grand“ die Seidentücher in Kombination ihrer Entwürfe in kleiner Gesellschaft zeigte, die in Kooperation mit dem Champagnerhaus Veuve Clicquot entstanden sind. Da mich die Inszenierung sofort an Jan Vermeers „Das Mädchen mit dem Perlenohrgehänge“ aus dem Jahre 1665 erinnerte, bat ich das Model in dieser Pose für mich zu stehen, um den direkten Vergleich herstellen zu können.

Die rötlichen Lippen, das leichte, sehr natürliche Makeup und der umrahmende Turban erinnern sehr stark an den Ausdruck des Modells aus dem Goldenen Zeitalter der Niederlande. Während die Komposition des Bildes, die sich aus dem blauen Turban und der dunklen Jacke zusammensetzt, von orientalischen Kultur aufgrund der Türkenkriege beeinflusst ist, erinnern Leylas Modelle an Prinzessinnen des Okzident in weißem Gewand mit blassem Teint, blondem Haar und hellen Augen.

Die Tücher jedenfalls sind großartig zu den wunderschönen Roben und Anzügen der Unschuld, die sich mit Eleganz auszeichnen, kombiniert. Auch die Location, The Grand, das seit 1842 bestehen geblieben ist, eignete sich hervorragend zu den leicht zerbrechlichen Modellen.

Auch ohne Schmuck und Perlen, war Lala Berlins „Mädchen mit dem Perlenohrgehänge“ war eine klasse Neuintepration des Meisterwerkes von Vermeer.

Leyla Piedayesh hat sich glücklicherweise nicht vermissen lassen und wir freuen uns umso mehr, ihre Entwürfe demnächst in Paris vorgeführt, zu sehen.

 

Bilder: Meltem Toprak

Schumacher – Virtual Romance
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Schumacher – Virtual Romance

Dorothee Schumacher bleibt ihrem Stil erneut treu. Für den kommenden Sommer sind ihre auserwählten Farben Khaki, Königsblau und Beige, die sich im Verlauf der Kollektionspräsentation in ihren Nuancen hin und her bewegen. Eine Frau, die Schumacher trägt, ist klassisch und klug, die Silhouette wird kaum betont, ein selbstbewusstes Auftreten ist die Haltung, die zu diesem Statement gehört. Die Stoffe sind fest, kaum aus ihrer gegebenen Form zu lösen. Selbst das Königsblau ist ein zurückaltendes Blau. Die zielstrebige, ehrgeizige Frau, die emanzipiert ihren Weg zu gehen weiß, möchte in der Kleidung von Schumacher die eigene Person und das Können nicht mit schillerndem Stoff untermalen und verdecken.

Ob Hose, Rock oder Trenchcoat, für einen lauen Sommerabend oder zur Arbeit sind die einzelnen Entwürfe der Kollektion für diesen Typus Frau angenehm zu tragen, wirke er bei den Models auch ein wenig unbeweglich und angespannt.

Nach der Show ludt Dorothee Schumacher zum ganz entspannten „Virtual Romance“ Picknick im Tiergarten. Mit Anna von Reigen genossen wir die angenehme paradiesische Atmosphäre jenseits des hektischen Zeltes.

 

 

 

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federner Diamantenkörper – Dawid Tomaszewski

Dawid Tomaszewski.

Ein Duft so zart wie eine Feder, ein Stoff so leicht wie ein Kleid fliegender Kreaturen.

Die Kleiderfedern von Dawid Tomaszewski sind wie die zweite Haut, die zum Fliegen verleitet, wenn das Mannequin tapst. Corsagen, die mit Steinen besetzt sind, mögen nicht ganz den deutschen Gesellschafts-Geschmack treffen, und doch sind sie zum Träumen schön. Die Entwürfe, die einen Hauch von Haute Couture vermitteln, sind geprägt durch Transparenz, Betonung der Brust und Beine, ohne Eleganz zu verlieren.

Die Beine sind eingehüllt in transparentem Stoff, die Corsagen sind mit Perlen und Steinen besetzt und bestickt, die Schleppe unkonventionell lang.

Dawid Tomaszewskis Kleider sind zum Fliegen entworfen.

 

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Augustin Teboul – ein impressionistisches Gemälde der gegenwärtigen Mode

Augustin Teboul erfinden den Begriff der Installation im Kontext des modischen Charakters immer wieder neu. Nicht umsonst werden sie von Vogue-Chefredakteurin Christiane Arp intensiv unterstützt und auf ihrem steilen Weg begleitet. Wie ein bewegliches Gemälde der Romantik zur malerischen Porträtierung wartend sitzen die Models umrahmt von schönsten Blumen. Der unschuldige Ausdruck, das leichte Makeup unterstreichen eine sanfte mädchenhafte Seele. Der Farbe Schwarz, dem Nichts, können die tiefgründigen Designerinnen nicht widerstehen, niemals verzichten. Sie bleiben ihrem eigenen Stil treu. Jede Kollektion ist wie eine Erweiterung. Gehäkeltes, Drappiertes, Plissiertes – filigran wird der Körper der Frau begleitet. Klassische Musik galt zur melodischen Umrahmung der Inszenierung. Der transparente Stoff sowie dünnes Leder schmiegt sich an den Körper. Verziert werden die Beine mit extravaganten Strumpfhosen. Besonder das schwarze Tüll auf der dunklen Haut wirkt sehr anmutig. Die Haut an ausgesuchten Stellen zu zeigen wirkt wie Augustin Teboul verwirklicht haben, wie ein leichter Geschmack auf die Reinheit des Körpers. Auf eine zarte Art wird sie entblößt, mit ihren eigenen Kreationen verfeinert.

Den Modebegriff erweitern Augustin Teboul wie kaum ein anderer Designer. Augustin Teboul begreifen und definieren die formale Ästhetik wie kaum ein anderer Designer der Berlin Fashionweek. Annelie Augustin und Odély Teboul haben sich vom Werk „Les fleurs du Mal“  des großartigen Dichter Charles Baudelaire, dessen Sprachkunst filigran wie die Empfindung ist, inspireren lassen . Ästhetisch gesehen vollkommen und tragbar zugleich. Von so viel Feinsinn für das Auge, die Ohren und das Herz bin ich selten begeistert. Augustin Teboul durchlaufen in ihrem Schaffen verschiedene Strömungen der Kunstgeschichte und entwerfen dabei neue Ströumgen in der Mode zugleich. Während die Kollektion von letztem Sommer surrealistischen Charakter hatte, der Winter eine Art Konzeptkunst mit griechischer Mythologie inne hatte, sehen wir mit diesem Vier-Dimensionalen Kunstwerk für alle Sinne eine Gegenwartsmode des Impressionismus. Welche Epoche uns als nächstes erwartet?

Wie eine Neugeburt der Frauen im Garten von Claude Monet. Ganz unbeschwert umgeben von Natur, die Frau wird verglichen mit den schönsten Pflanzen, die eine gleichermaßen unschöne Welt zu bieten hat.

 

Bilder: Meltem Toprak