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Nicht nur etwa, weil ich einen türkischen Migrationshintergrund habe, oder Frau bin, werde ich diskriminiert, sondern auch aufgrund der Tatsache, dass ich zusätzlich dabei (kritisch) denke.

Migranten ja, aber bloß keine kritischen. Kritik wird in dieser Gesellschaft ja ohnehin ungern gesehen. Doch mit Migrationshintergrund im kritischen Frauendasein ist Intersektionalität angesagt und eingetroffen. Der Mainstream will konsumieren, daher nicht hinterfragen. Und, wenn das Hinterfragen von einer weiblichen, “migrantischen” Stimme kommt; unerhört! Und dann noch in Gefilden, in denen es sich die “alt-deutschen” Herren gemütlich gemacht haben.

Es wird in Deutschland nicht gern gesehen; Frauen, die ihre Meinung laut aussprechen, kritisch denken und sich stark für sich machen. Noch weniger, wenn sie einen Migrationshintergrund haben. Denn dankbar, stumm, und passiv sollen sich Menschen mit Migrationshintergrund zeigen, adrett die Frau. Ganz besonders dabei die kritische, nicht-deutsche Frau.

Viele Frauen und Männer sind frauenfeindlich, oder frauenfeindselig. Was sie auszeichnet – ob Frau, ob Mann, ist ihr Verhalten dem weiblichen Geschlecht gegenüber. Frauen behandeln andere Frauen ebenso herablassend, unfreundlich und abwertend. Denn in ihren Augen ist das weibliche Geschlecht weniger wert, und leider auch weniger Mensch. Wenn also von oben Frauenfeindlichkeit produziert wird, zieht sich das hierarchisch bis in die untersten Rangreihen einer Firma.

“Dann formte Gott, der Herr, eine Frau aus der Rippe, die er Adam entnommen hatte” (1. Mose 2,22). Diese Geschichte durchzieht sich durch die christliche. Sie besagt, dass die Frau aus dem Manne entstanden wurde, und nur an zweiter Stelle steht. Erst der Mann wurde kreiert, dann die Frau. Besonders in der christlichen Kultur herrscht auch deshalb Frauenfeindlichkeit und ebenso keine Gleichberechtigung und Gleichwertigkeit. Sexismus.

Die Ansichten, dass Männer das bessere und überlegenere Geschlecht ist, teilen ebenso viele Frauen an der Spitze wie Männer. Sie sind anderen Frauen gegenüber voreingenommen, und nehmen sie nicht ihrer würdig. Wie das möglich ist? In dem sie sich den männlichen Attributen hingeben und den männlichen Habitus annehmen. Kurzes Haar, Vernunft über Emotionalität und Rücksichtslosigkeit wird geliefert. Von der Frau wird noch heute – ob in Führungsposition oder nicht – abverlangt, männlich auszusehen und sich auch so zu geben. Denn sonst wird ihre Kompetenz in Frage gestellt. “Wir erlauben es uns nicht, Weiblichkeit und Autorität zusammen zu denken” wie Prof. Dr. Barbara Vinken bereits attestierte.

Dies gilt für Frauen immer dann, wenn sie sich auf dem Arbeitsplatz auf ein männerdominiertes Feld begeben. Sie mögen das Sagen haben, aber keineswegs sind sie bereit, anderen Frauen Platz zu machen. Männer sind dabei aber auch in ihrer Welt nur Anhängsel, und die schlechteren Männer. Der Übermut und die Männerfeindlichkeit lebt auch in Deutschland insbesondere noch nach Alice Schwarzer, und der Feminismus-Bewegung seit den 60-ern und 70ern. Gleichzeitig ist nicht sicher, ob sie sich heimlich noch danach sehnen, so richtig Frau-sein zu können, oder längst die Weiblichkeit wie sie sie gerne ausleben würden, abgehängt und aufgegeben haben.

Diese Frauen, die sich in den höchsten Spitzenpositionen niedergelassen haben, sind in einem Ruhestand, nach vermutlich vielen Geschlechterkämpfen. Sie haben sich in dieser Zeit auch einer neuen Identität angenommen, lehnen alles Weibliche ab, besonders Frauen, die ihre Weiblichkeit nach wie vor leben, und sie sprechen sich die Eigenschaften zu, die in unserer Gesellschaft den Männern zugeordnet wird; Intellekt, Allwissen, Erhabenheit, auch sonst: Distanz, Geniekult und Entschlossenheit sowie Durchsetzungsverögen. Allesamt Führungsqualitäten, die heutzutage angepriesen und mitunter verlangt werden. Sowohl Männer als auch Frauen wissen es dabei, andere Frauen, die nicht versuchen, sich den Erwartungen hinzugeben, zu unterdrücken.

Während Männer und Frauen in der Arbeitswelt besonders andere Frauen erniedrigen, verstehen sich die Frauen, die sich als Frauen betrachten wollen, emotional, schwach und gleichzeitig empathisch. Diese Eigenschaften sind in der Arbeitswelt selten gefragt. Und so kommt es zum Ausfechten. Frauen an der Spitze stechen an der Spitze andere Frauen aus. Das tun ihnen auch Männer gleich, obwohl Männer nach einem Konkurrenzdenken im Gefilde mit anderen Männern üblicherweise konkurrieren.

Wenn also Männer, im klassischen Sinne, mit Frauen konkurrieren, ist das nicht nur Frauenfeindlichkeit, sondern auch gegen die Natur. Konkurrieren Frauen mit Frauen, so bedeudetet dies, dass sie sich so verhalten, wie wir es von Männern erwarten: konkurrenzfähig (Barber, Watson 1991) Ebenso unüblich.

Frauen werden auch zu diesem eher “männlich” konnotierten Verhalten gebracht, da Frauen nur als Hahn im Korb bestehen können. Menschen werden nicht nach Kompetenz eingestellt, sondern nach geschlechtlichem Wesen. Kommt also eine weitere Frau in das Revier einer Frau, endet es nicht sehr frauenfreundlich. Die Frauenquote ist ein Erzeugnis all dessen, und sie fördert die Frauenfeindlichkeit unter Frauen. Denn den Platz bekommt nicht, wer gut ist, sondern frau. Was dagegen getan werden kann? Kompetenz statt Geschlechterdiskriminierung – und positivierung als Qualifizierung für einen Job.

Und zuguterletzt auch das Aufrollen einem so tabuisierten Themas: Frauenfeindlichkeit unter Frauen in Deutschland. Das hilft nämlich weder den Männern, und ganz besonders kaum einer Frau. Ganz besonders nicht in der Arbeitswelt. Frauenquote hin oder her, auch in der Chef-Etage.

Literaturangabe: Jill Barber/ Rita Watson “frau gegen frau – Rivalinnen im Beruf”, 1991, Rowohlt Verlag GmbH