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„Paparazzi! Fotografen, Stars und Künstler“ in der Schirn Kunsthalle Frankfurt

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Die Fotographie „Antonia+yellow cab“ William Kleins aus dem Jahr 1962 zeigt eine mondäne Frau vor dem Taxi posierend auf den Straßen New Yorks, zu sehen seit gestern in der Schirn Kunsthalle Frankfurt in der Ausstellung „Paparazzi! Fotographen, Stars und Künstler“. Resultiert die Ästhetik jener konzeptualisierten Modefotographie aus früheren meist ungewollten Paparazzibildern, so ist es heute Gang und Gäbe, dass sich Gäste der großen Modestädte von New York bis Mailand selbst auf den Straßen in Szene setzen, ja gar davon abhängig sind, fotographiert zu werden. Wer als Mode-Journalistin hinter der Kamera stand, steht heute im Rampenlicht, denkt man dabei nur an Miroslava Duma oder Anna Dello Russo. Sie lieben die Inszenierung wofür sie von Suzy Menkes bereits Kritik einbüßen mussten. Doch genießen sie die Blicke, die Aufmerksamkeit für ihre Präsenz und ihre Kleiderauswahl wie sie sonst nur den Models vorbehalten war. Für etablierte Stars wie Kanye West verhält es sich ähnlich, wenn sie die Modewoche besuchen. Doch es geht darüber hinaus. Die Mode reicht der Masse solcher großen Stars nicht, sie sind an ihrem Leben interessiert. Stellvertretend sind es meist Männer, die waffenähnlich Kameras mit sich tragen. getarnt Voyeur spielen, um das richtige Bild zu schießen, werden sie von dauerhaften Verfolgungen nicht müde. Sie verfolgen Stars auf Schritt und Tritt, und dabei kommt es nicht selten zu gewaltigen Auseinandersetzungen zwischen Jäger und Gejagtem. Genau diesen Interessenkonflikt wie auch Intention und Profil jener Beteiligten stellt die Ausstellung vor.

Der Name Paparazzi, der auf Federico Fellinis Film La Dolce Vita zurück geht, ist ein negativer Doppelgänger, während der Reporter als Held gefeiert wird wie Camille Lengloi auf der Pressekonferenz am Donnerstag mitteilte. Die Ausstellungsassistentin des Museums Centre Pompidou, welches die Ausstellung konzipierte und bereits in Paris zeigte, erklärt auch die Spiegelung des Geschlechterkonflikts. Ist der Jäger männlich, ist das Opfer meist die Frau. Um dieses Phänomen zu zeigen, wurde der Fokus auf insbesondere weibliche Stars gelegt, die in den letzten Jahren in ihren intimsten Lebenssituationen abgelichtet wurden: zu sehen ist Britney Spears wie sie sich die Haare rasieren ließ. Bilder der Jackie Kennedy Onassis nackt beim Sonnenbaden am Strand geschossen von Settimio Garritano sind dem Playboy 50.000 Dollar wert. Auch die längst aus den Medien versperrte Paris Hilton ist Thema der Ausstellung. Wurde sie bekannt mit einem Sextape, war sie in den folgenden Monaten in den Medien omnipräsent, bevor Kim Kardashian sie mit einer ähnlichen Geschichte ersetzte. Auch Liv Tyler, Brigitte Bardot und Lady D. werden in ihrer Privatsphäre als öffentliche Person auf den Präsentierteller gesetzt. Die Kioske sind neben den Zeitungen und Magazinen dabei als Akteure keineswegs unbedeutend. Man erinnere sich nur an Kate Moss Kokain-Skandal abgedruckt vom englischen Boulevardblatt „Daily Mirror“.

Unter der Direktion Max Holleins zeigt die Schirn Kunsthalle über 500 Exponate, darunter nicht nur Fotographien, sondern auch Kunstwerke u.A. von Andy Warhol und Gerhard Richter, die jene Dokumente kritisch hinterfragen. Dabei wird der Frage nachgegangen, inwiefern Paparazzibilder Kunst sein können und die Ästhetik wie auch letztlich das Verhalten der Menschen durch intime und gestellte Einblicke in das Leben öffentlicher Menschen beeinflussen können.

Im eigens errichteten „Café“ können aktuelle Zeitschriften wie die Gala betrachtet werden, mag auch die eine Verfolgungsjagd in Deutschlandnicht annäherend wie in den USA exisitieren .Zu Essen und Trinken, ganz wie es sich in den Ausstellungshallen eines Museums gehört, wird jedoch nichts angeboten. Auch eine Fotobox wurde im Foyer aufgestellt, in der man sich im Motiv des Plakats fotorafieren kann und das Bild zugeschickt bekommt. Ein Fotoautomat, bei dem man das Bild direkt noch ausgedruckt bekäme, wäre da sehr viel cooler gewesen. Die Ausstellung  beantwortet weder den Ursprung des Phänomens der Paparazzi, noch den Charakter und die Zeit jener Menschen und Gesellschaft, die diese Welt zulässt und konsumiert. Auch fehlt der aktuelle Bezug, die Bebilderung zu sozialen Medien wie Instagram, Facebook und Twitter „normale „Menschen zu Stars inszenieren und gleichzeitig Paparazzi spielen lässt. Mag sie ihrem soziologisch wissenschaftlichen Anspruch damit nicht ganz genügen und gerecht werden, so ist sie dennoch sehenswert. Die über 500 Exponate zeigen eine Typrannei und Sucht wie sie in Deutschland noch kaum ausgesprägt ist und bringen damit eine entfernte Welt näher. Durch ihre Auswahl dient die Schirn dem wachsenden Interesse in Deutschland an Popkultur, Stars und Glamour und wird allein mit Kate Moss auf den Plakaten gewiss wieder tausende Besucher zu sich ziehen.

Zu sehen ist die Ausstellung bis zum 12. Oktober, Eintritt: 9 €, ermässigt 7 €

Bild: Presse Schirn „Antonia+yellow cab“, New York von  William Klein 1962

nachträglicher edit: 29.06.2014 11:25

 

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