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Designer und Model Jean-Cédric Sow im Stilporträt „Paris ist nicht so frei wie Berlin“

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Vor über einem Jahr traf ich im Rahmen der Berlin Fashion Week zur Show des Designers Patrick Mohr Model und Designer Jean-Cédric Sow. Sein Stil fiel mir auf, als er sich gerade aufgeregt charmant im Eingang der ehemaligen Eisenwarenhandlung Lademann unterhielt. Er hatte ein Hemd, das an das Muster afrikanischer Traditionsgewänder erinnert, mit roten Springersptiefeln kombiniert. Als ich ihn ansprach, reagierte er sehr freundlich und lässig, und erlaubte mir gleich für meinen Blog ein paar Bilder von ihm zu machen, und ihn anschließend Fragen zu seiner Person zu stellen. Jean-Cédric war gerade zur Vorbereitung da, denn er sollte am gleichen Abend noch zur Show Installation als Model Teile der neuen Kollektion Patrick Mohrs vorstellen.

Sein original französischer Akzent ließ mich trotz dem flüssigen Deutsch, das er sprach, neugierig nach seiner Heimat fragen. Ursprünglich kommt er aus Paris, bevor er jedoch für ein Modestudium an der Esmod nach Berlin zog, lebte er bereits vor zehn Jahren in Stuttgart mit seiner Familie. Seine Eltern seien irgendwann berufsbedingt weiter gezogen, erst nach Holland, später in eine andere Stadt. Er selbst habe sich entschieden, in Deutschland zu bleiben statt mit den Eltern mitzureisen oder nach Paris zurück zu kehren. Die Atmosphäre sei nicht so gut wie man denkt. „Paris ist nicht so frei wie Berlin. Natürlich sagt man „die Stadt der Mode“, aber außerhalb der Modekreise spürt man das Modische weniger.“ Er habe einen extravaganteren Stil, und in Paris werde er dafür gemustert. Viel mehr als in Berlin oder in anderen Städten. Das stünde für ihn im Widerspruch zu dem Bild, das man von Paris als absolute Modestadt habe.

Auch was Diskriminierung als dunkelhäutiges Model betrifft, spüre er in Berlin nichts dergleichen. Er werde umgarnt von Fotographen. Ohne Modelagentur habe man den 24-jährigen, der bereits seit 5 Jahren modelt, ständig gebucht und angesprochen. Bei jeder Show sieht er selbst mindestens ein schwarzes Model, fügt jedoch hinzu, dass sie präsenter sein könnten.

cedric 2.Er empfindet nicht jede Art der positiven Diskriminierung als fraglich. Wenn Designer jedoch bewusst schwarze Models nutzen, um gut da zu stehen, kommt es Jean-Cédric einer Almose gleich. Dass das Thema der Show von Patrick Mohr die Diskriminierung thematisierte, und ausschließlich dunkle Models wie Papis Loveday oder Nikeata Thompson eingesetzt wurden, war ihm bis kurz vor der Show nicht bewusst. Es fühle sich besser an, wenn man gar nicht gebucht werde statt aus Mitleid. Manchmal passe man eben nicht rein, manchmal hingegen schon. Das Problem hätten auch hellhäutige Models.

Was Diskriminierung außerhalb der Modebranche in Berlin betrifft, findet er, müsse man sich anpassen. Es gäbe viele, die sich anpassen würden, gleichzeitig viele, die viel von außerhalb mitbringen. Das könne man an der Sprache, dem Ausdruck des Menschen erkennen.  Diskriminierung beginne meist, wenn man das Gefühl vermittelt, sich nicht anpassen zu wollen. Dann finde eine gewisse Abgrenzung statt.

Da er selbst Deutsch sehr schnell gelernt habe, und durch das viele Reisen gelernt habe, sich anzupassen, sei es ihm noch nie passiert, dass er wegen seiner Hautfarbe diskriminert wurde. In Frankreich hingegen sei die soziale Atmosphäre alles andere als gut. Das erzählte er mir bereits vor über einem Jahr. Ihn hat es mit der Stadt Berlin an einen Ort gezogen, dessen Mentalität seiner gleich kommt.

Allem voran kam er der Mode wegen. Denn Berlin ist für ihn eine Modestadt auch wenn sie sich noch nicht gefunden hat. Bei der Paris Fashion Week habe man direkt einen Stil im Kopf. Auch bei der Londoner oder New Yorker. So wichtig Berlin auch geworden ist, einen eigenen Stil hat sie noch nicht  „Sie probiert viel aus, und alles ist etwas wirr. Für einen Modestunden ist es toll, sich finden zu können durch all die verschiedenen Ideen und Einflüsse, die man bekommt. Mittlerweile arbeitet Jean Cédric bei der äußerst talentierten Marina Hoermanseder als Designer und PR-Berater. Sie gibt ihm die Möglichkeit, vieles seiner Kreatitivität in die Tat umzusetzen. Es sei fordernd, aber auch erfüllend für sie zu arbeiten, „weil sie eine unglaublich energetische, freundliche Person ist!“ Sie verlangt viel, aber achte darauf, dass es dem Team jederzeit gut geht. Nach einem Jahr kann er mir erzählen, dass er sich schon ein Stück weit gefunden hat. Auch wenn es an der Esmod eine schwere Zeit gewesen sei, war es eine tolle Erfahrung, die sich gelohnt hat. Für seine Abschlusskollektion hat er einen Preis erhalten, die Show wurde bei Arte ausgestrahlt. Das zeige ihm, dass er auf dem richtigen Weg ist. „Kreativ ist man nie wirklich angekommen. Man darf nie stehen bleiben.“

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