Menu
menu

Vergangenen Samstag fand die Schirn at Night zur Ausstellung “Poesie der Gossstadt, die Affichisten” in der Frankfurter Schirn Kunsthalle statt. Gilt die Abendveranstaltung mit Clubatmosphäre bereits zu den Frankfurter Institutionen, so war die Schlange vor der Abendkasse vermutlich so lang wie noch nie, Grund dafür: Der Auftritt der Großstadtpoeten Celo & Abdi.

11080917_10153221366400972_3354565000689126444_n

Auch wenn manchen der Besucher in der Schlange Celo & Abdi kein Begriff war, so konnte die Kunsthalle mithilfe der Rapper so viel Aufmerksamkeit auf sich ziehen, dass viele bereit waren über eine Stunde in der Kälte zu warten. Ein großes Verkehrszeichen mit der Aufschrift Frankfurt verwies am Eingang nicht nur auf die jeweiligen Schlangen für Gästeliste und Abendkasse, sondern lud zunächst getreu der Ausstellung auch gleich zum neuen Lokalpatriotismus Frankfurts ein. Für den sind mitunter keine geringeren verantwortlich als die Frankfurter Azzlack Rapper Haftbefehls Celo & Abdi, die von ihrer “unzensierten Innenstadt” zwischen Kriminalität und Kanacks Frankfurts erzählen. Zwischen Werken der Künstler wie Mimmo Rotella und Wolf Vostell, die in den 1950er und 1960er Jahren die Straßen Paris und Roms plakativ reflektierten, waren es mit den Frankfurter Rappern die Straßenkünstler unserer Zeit, die auf der Empore des Foyers das Publikum zu unterhalten wussten.

10305072_10153221368690972_7728857820460704004_n10338733_10153221366365972_2846285223833782647_n11075302_10153221367595972_8193754102062849112_n10984099_10153221367815972_5136151024050793589_n11042690_10153221368420972_1017136255391121971_n11051807_10153221368890972_7080842604364923960_n

“Mit welchem Background waren Celo & Abdi denn in der Schirn?”, fragte ein Bekannter im Darmstädter P2 Store, als über den Abend gesprochen wurde. “Ich hab’ gehört, dort hat man mit einem Rotweinglässchen dem Konzert von Celo & Abdi zugehört, ” bemerkte er ungläubig.

Es war in der Tat ein Zusammentreffen wie man es so vermutlich in der Bankenstadt Frankfurt nicht erwartet hätte. Man stelle sich vor Straßenrapper in den sauberen Räumen des Museums. Dabei ist es keine neue Idee, Rapper in eine Kunsthalle zu holen. Vorbild Amerika ist natürlich einen Schritt voraus: performte Jay-Z für den Videodreh des Songs “Picasso, Baby” mit Künstlerin Marina Abramovic bereits 2013 in der New Yorker Pace Gallery, erhielt  das Genre Rap damit die Anerkennung Amerikas als zeitgenössische Kunstform. Und erst diesen Monat trat Kanye West in der Louis Vuitton Foundation in Paris vor seinem französischen Publikum auf, womit ihm auch der Segen der elitären Modewelt, die sich mit der Kunst auf einer Ebene sieht, gegeben wurde.

Auch Deutschland hat mit dem Feuilleuton der Zeitungen von FAZ bis Die Zeit dem Rap und Hiphop große Anerkennung zuteil werden lassen: darauf hat die Schirn Kunsthalle Frankfurt vermutlich als erste reagiert wie kein anderes Museum. Und Museumsdirektor Max Hollein war nicht der Einzige, der ziemlich cool zu den Lines der Jungs mitnickte: selbst der auf den ersten Blick erzkonservative Student mit blondem zurück gegeltem Haar und dickem runden Brillengestell filmte den Auftritt der Jungs mit, während er zu den Zeilen mitrappte. Aber vermutlich haben die Jungs (in ihrer Männlichkeit) mehr gemeinsam, als man annehmen würde.

Doch so offen der klassische Museumsbesucher war, ein eigentliches Publikum fehlte: nämlich die großen Fans des Rap-Duos, die ihr eigenes Leben erzählt sehen. Es wäre eine gute Möglichkeit gewesen, junge Menschen ohne Zugang zur europäischen Kunst und Kultur mit in jene Welt einzubeziehen. Obwohl Rapper wie Celo & Abdi zu einer Veranstaltung wie dieser als Brücke gelten, blieb es damit bei der Parallelwelt wie es die Jungs selbst in einem ihrer bekanntesten Liedern “Parallel”  kritisieren. 1901426_10153221366100972_7031346987031728586_n10338733_10153221368350972_71779038053223570_n11076179_10153221368085972_7647523184203106551_n10671318_10153221365665972_2696572863494920100_n

Gefeiert wurden die Jungs vom Publikum dennoch ausgiebig! Doch es wurde nicht wie angekündigt auf der Straße, nämlich der Rotunde der Kunsthalle gerappt, jedoch noch zu Schluss zum eigens installierten Kiosk Yokyok geführt: noch so eine innovative Idee. Der Kiosk, der alles hat (yok yok, türkisch für “Gibts nicht, gibts nicht”) hat sich im Bahnhofsviertel mit Hilfe von kreativen Köpfen und dem offenen Besitzer Nazim neben dem Plank als Kultcafé etabliert. So sehr Frankfurt sich an diesem Abend selbst gefeiert hat, auf die Hilfe von Berlin wurde dennoch nicht verzichtet: VJ Paul Barsch lieferte die visuellen Bilder zum Set des DJs Sad.  Mögen die meisten zur Schirn at Night vorrangig kommen, um sich zu gesellen. Wer der Ausstellung wegen kommt, könnte enttäuscht werden: die Ausstellung selbst hat eine beeindruckende Auswahl an Werken, jedoch viel zu wenige. So viel zu trinken und zu hören angeboten wird, so sollte es für jene Tage, an denen die Schirn at Night nicht stattfindet, für den Besucher auch genügend zu sehen geben. 10995103_10153221367895972_5369592992029068411_n

Bilder: Presse Schirnkunsthalle Frankfurt

  1. Ich mag Deinen Schreibstil sehr…. great job, keep writing :)

Leave a reply