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Schönheitsoperationen sind in einer Zeit von Instagram, in der Stars den Followern so nah sind wie ihre Katze, gefragter denn je. Junge Frauen in ihren besten Jahren lassen sich trotz glatter, unporöser Haut ohne jegliche Anzeichen von “Alter”, also Gelebtem und Erlebtem, Säure ins Gesicht spritzen. Grund dafür ist zum Einen der Social Media Star, zum Anderen auch die inflationäre Verwendung der Hyaluronsäure. Jeder Kosmetikerin ohne jeglicher Ausbildung ist es erlaubt, zu spritzen. Die Kosmetikdienste, die zuvor nur von Ärzten, oder Heilpraktikerinnen ausgeführt werden durften, sind heute günstiger denn je. Während in den Anfangsphasen des neuen Schönheitstrends die Ergebnisse so ungewöhnlich und teuer waren, dass sie an Lächerlichkeit grenzten, sind heute die Preise und leider auch Resultate lächerlich schön geworden.

Der Grund aber, warum dem nachgegangen wird, kann gar nicht sein, noch jünger aussehen zu wollen oder schöner, sondern die eigene Persönlichkeit unsichtbar zu machen. Frauen, die als schön gelten, sind da nicht die besten Vorbilder oder Beispiele, wenn es darum geht, für ein positives Frauenbild und einer eigenen Persönlichkeit einzustehen. Hollywoods Frauen wie auch Bollywoods und der Filmindustrie des Nahen Ostens, die häufig für das stehen, was wir als ‘schöne Frauen’ wahrnehmen, lassen sich meist die Nase für die Leinwand fixen, oder irgendeine Rolle, die sie groß raus bringen sollen oder weiterhin Jobangebote schaffen soll, die sie in Charakteren der attraktiven, lustvollen Frau darstellen wird. Genau diese (Hollywood-)Rollen aber sind es, die stigmatisierend sind und sich für Schauspielerinnen nicht immer als Vorteil entpuppen können. Für die Verfügbarkeit, in jede, attraktive Rolle adaptiert werden zu können, ist es die operierte Nase vielleicht wert, aber nicht für das eigene Selbstwertgefühl.

Denn eine Nase mit Charakter, genauso wie ein Gesicht, individuell und einzigartig wie es ist, ist das eigentlich Schöne an jeder Frau. An unserem Gesicht, und gerade an unserer Nase wird so sehr ein Hauch, zumindest plastisch, davon sichtbar, wer wir in unserem Wesen sind. Ob wir zart sind, leicht verwundbar oder eigensinnig und mutwillig unserem eigenen Sinn folgend.

Diese Unsicherheit, die jeder in sich inne hat, muss auch von jedem einmal überwunden werden. Das ist machbar. Es gehört zum Erwachsenwerden dazu, und zum Ich-werden und Ich-sein. Viele Frauen haben den Wunsch, selbstbewusster zu sein, selbstsicher oder weniger angreifbar. Wenn man seine Stärken findet, und Vorbilder, die es mehr wert sind, nachgeahmt zu werden, ist das schon eine große Sache. Aber in den Spiegel zu sehen, und sich selbst zu erkennen, am meisten mit seinen Schwächen und Stärken, äußerlich und innerlich, das ist wahre Schönheit, oder zumindest eine Interpretation von dem, was schön sein kann. Das neue, andere Gesicht radiert unsere Unsicherheiten nicht aus dem Gesicht. Das merken wir spätestens dann, wenn wir nicht in den Spiegel sehen, und uns starke, andere, selbstbewußte Frauen gegenüberstehen, die so viel mehr sind als ihr Äußeres. Es ist unser Recht, schön aussehen zu wollen, als Frauen, aber es ist genauso sehr unser Recht, mehr zu sein als unser Aussehen, und vor allen Dingen nicht nur an unserem Äußeren zu basteln, sondern unserem Inneren.

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