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Zur Istanbul Fashion Week dominiert nach der türkischen Kultur noch immer das stark überfeminsierte Bild der Frau für die Moderne. Seit dem osmanischen Reich gilt zudem das Erbe der französischen Monarchie als größtes Vorbild. Zur Berlin Fashion Week wählt Istanbul Next-Gründerin Gülriz Egilmez jene jungen Hoffnungen Istanbuls aus, die eine neue fortschrittliche Vision präsentieren und aus ihrem eigenen Fundus Kreativität schöpfen. Eine von ihnen ist Ece Gözen. In ihrer designten Kleidung, die sie selbst als „Sportcouture“ definiert, möchte sie die Frau selbstbewusst sexy sehen ohne ihre weiblichen Reize einsetzen zu müssen. Ausgezeichnet wurde sie bereits für ihre Abschlussarbeit  „Illusional Harmony“ mit dem MUUSE x VOGUE Talents Young Vision Award. Für ihre Kollektion, die sie diesen Sommer in Berlin zeigte, ließ sie sich von dem Material Graphen inspirieren. Die Erfindung des graphischen Wabengitters, das 2010 den Nobelpreis erhielt, ermögliche biegsame Handys und Laptops.

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Die 23-jährige überlegte noch wenige Tage vor der Präsentation, die übrigens von dem türkischen Ministerium für Kultur und Tourismus gefördert wird, den GEZI Park in ihrer Show zu thematisieren. Gegen eine Demonstration auf dem Catwalk hat sie sich entschieden, mit ihrer futuristischen Mode jedoch hat sie für das neue junge Türkei bereits ein Statement gegeben. Sie hat als junge Türkin einer neuen Bewegung zeigen können, wie sie sich die Zukunft vorstellt: eine moderne Kleidungskultur, die sich an den Fortschritt der Wissenschaft bindet. Mit Ece Gözen habe ich über den Gezi Park gesprochen, ihre Definition von Weiblichkeit und die jungen Modestädte Berlin-Istanbul.

 

Ece Gözen is a Turkish designer based in Istanbul. She was born in 1989 and studied Textile and Fashion Design at Mimar Sinan Fine Arts University. Since 2009, she has worked with well-known Turkish designers, such as Ezra-Tuba Çetin and Hakaan Yıldırım. She has developed her professional career by working for the brand Hakaan Yıldırım as a senior designer since 2009 and actively participated in many collections created for Istanbul, London and Paris Fashion Weeks.In 2012, she received 3rd place in the 20th IHKIB Koza Young Designers Contest with her collection entitled ‘Reflection’. That same year, her graduation project ‘Illusional Harmony’ brought her the MUUSE x VOGUE Talents Young Vision Award.She defines her style as ‘sportcouture’ and imagines very confident women, open to fresh styles, hiding their femininity in their sportive looks. She designs for inspiring and mysterious women. She always harmonizes culture, art, innovative ideas, science and technology in her collections.Currently, she is focused on her own brand ‘Ece Gözen’ and is creating capsule collections for MUUSE & local boutiques. She is also planning her personal runway show at London Fashion Week. All of these plans bring her closers to her big dream of being a designer who will be able to have told all the tales in her mind. – See more at: http://istanbul.mbfashionweek.com/designers/ece_gozen#sthash.MmDuaJqj.dpuf

 Ich habe gelesen, dass du so ziemlich jeden Tag an den Protesten im GEZI Park teilgenommen hast. Es haben sich Menschen sehr unterschiedlicher Gruppen der Bewegung angeschlossen. Als wer hast du daran teilgenommen? Als Designerin? Studentin? Kreative? 

Wie du sagst waren im Gezi Park sehr unterschiedliche Menschen mit unterschiedlichen Meinungen und Ideen. In erster Linie habe ich als türkische Bürgerin, als junge Türkin, aber natürlich auch als Designerin teilgenommen und jeden unterstützt. Ich war von Anfang an dabei, seit ich am ersten Tag davon gehört habe. Bereits bevor es zu den gewaltigen Ausschreitungen kam, und die Aktion noch sehr friedlich war.

Turkish Airlines hat um das Image zu verändern die Kleidung der Stewardessen in einem osmanischen Stil neu entworfen. Hast du als Designerin auch Ängste, öffentlich deine politischen Ansichten zu teilen? 

Als Designerin ist dies ja etwas sehr Risikoreiches. Manche denken, dass sie sich nicht zu sehr einmischen wollen, da dies sie in ihrem Weg hindern könnte. Eigentlich hat es eine sehr wichtige Balance. Man sollte nicht zu politisch sein, aber auch nicht zu passiv sein, weil man ein Designer ist. Um ehrlich zu sein, versuche ich als Designerin in der Mitte dieser Dinge zu stehen. Denn schließlich ist es meine Marke, die meine eigenen Ideen und Ansichten spiegelt. Turkish Airlines hatte diesen Wunsch. Wenn ich so einen Wunsch bekäme, hätte ich es nicht angenommen. Denn wenn ich eine Designerin bin, muss auch ich ihnen etwas geben. Was sie wollen ist klar. Ich ziehe es vor, mit denen zusammen zu arbeiten, die auch meinen Ansichten entsprechen.

Was deine Designs betrifft: Hast du auch die Angst, dass man sich einmischen würde, wenn zu viel nackte Haut gezeigt werden würde… 

…Ich entwerfe auch nicht sehr offene, sexy Kleidung. Ganz im Gegenteil. Viel maskuliner, viel mehr, was im Alltag getragen werden kann, was auch die Vision von Mode und Design in sich trägt, ist das, was ich entwerfe. Entblößte Brüste oder Extravagantes gibt es in meinen Kollektionen nicht zu finden. Miniröcke und Kleider gibt es aber natürlich schon. Das hat viel mehr etwas mit der Zielgruppe zu tun.ece gözen1

 

Weltweit gibt es viele Frauen, die sich sehr feminin und sexy einkleiden. 

Die gibt es auch in der Türkei.

Sie definieren sich sehr über ihr Geschlecht als Frau. Du hingegen hast einen maskulinen Stil entwickelt, der als Frauenkollektion an Frauen verkauft wird. Warum hast du dich dafür entschieden? 

Es ist sowieso so, dass das, was als Frau definiert wird, schon sehr sexy ist durch den Besitz an femininen Linien. Wir Frauen sind eigentlich im Besitz von einer sehr Aufmerksamkeitserregenden Linie. Aus diesem Grund möchte ich nicht diese offensichtliche Femininität und Sexyness, sondern dass man als Frau auch in maskulinen Kleidungen sich sexy fühlen kann. Meine Mode ist designt für Frauen, die dabei ihre feminine Seele weiterhin tragen können. Sexy sein bedeutet nicht, dass man seine Brüste zeigen, offenherzig oder einen kurzen Rock tragen muss. Beim Designen denke ich immer genau daran. Die Haltung in männlicher Kleidung halte ich für sexier und vollkommener.

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Kann man als Frau in maskuliner Kleidung auch an Selbstbewusstsein und Stärke gewinnen? 

Das denke ich schon. Wenn ich maskulin sage, meine ich nicht ganz maskulin. Mehr auch als Sport Couture stelle ich meine eigenen Kleider vor. Vielmehr in versteckten sportlichen Details empfinde ich die Frau als stark, denn wie ich schon sagte, nicht, mit dem, was sofort ins Auge fällt, sondern dem sportlich femininen. Ich fühle mich nicht so sexy, wenn ich etwas offenes anziehe.

Auch langes Haar ist in der Türkei sehr beliebt. 

Das kann jeder für sich selbst entscheiden. Ich selbst habe in meinem Leben noch nie meine Haare noch nie gefärbt und denke auch nicht daran, es zu tun. Ich bin nämlich von Natürlichkeit überzeugt. Das ist aber von jedem der eigene Stil.

Was gibt Berlin als offene Stadt für Möglichkeiten? 

Berlin ist meiner Meinung nach neben den klischeehaften Modestädten wie Paris, London Mailand und New York die Stadt, die viel alternativer ist. Was den Aufstieg Berlins betrifft, sehe ich Istanbul an gleicher Stelle, denn in Istanbul wurde die Fashion Week beispielsweise kürzlich nun auch von Mercedes Benz übernommen. Die Leute möchten jetzt neue Talente entdecken und aus diesem Grund halten sie Ausschau nach Alternativen. Aus diesem Grund ist Berlin sehr wichtig.

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Aus welchem Grund genau ist es wichtig für dich, deine Kollektion in Berlin zu zeigen? 

Ich sehe das als Tür, die sich zum internationalen öffnet. Denn der Blick der Leute ist nun auf Berlin gerichtet. Und gleichzeitig auf Istanbul. Wenn man sich die Zahl der jungen Leute in Berlin anschaut, sieht man, dass sie sehr viel mutiger, kontroverser, herausfordernder und selbstsicherer sind. Sie haben einen anderen und unterschiedlichen Stil. Aus diesem Grund denke ich, dass das sehr richtig für mich ist.

Der Stil deiner Kollektion trägt futuristische Elemente. Sie atmet die Luft der Zukunft. Heute gibt es viele Ängste, was das Morgen betrifft. Angefangen mit Klimawandel. Wie blickst du auf die Zukunft? 

Wenn Designer an einer Kollektion arbeiten, haben sie unterschiedliche Inspirationsquellen. Zum Beispiel sagen sie, sie seien inspiriert von den 90ern oder den 890ern beeinflusst. Statt nach hinten zu blicken, möchte ich auch meine eigene Zeit erschaffen. Etwas zeitlos und meine eigene Zeitart möchte ich integrieren. Ich spreche nicht von den 80ern oder 90ern. Ich mache das, was ich möchte.Die Technik verfolgend, bereite ich meine Kollektionen vor. Mich beeinflussen auch insbesondere Dokumentationen und Wissenschaftler. Wenn die Technik sich fortschreitet, können wir auch überlegen, was wir besser machen können. Was wird passieren, wie werden sich die Stoffe entwickeln? Und da ich die Technik verfolge, läuft alles parallel.

Bezüglch des Gezi Parks – Was denkst du, wie wird es verlaufen? 

Der Gezi Park hat sehr unschuldig und sehr friedlich begonnen. Aber das Ziel hat sich verändert, indem sich verschiedene Gruppen angeschlossen haben. Es ist, als wäre die Gewalt wegen dieser Menschen vom Staat nun zu rechtfertigen. Der Gezi Park ist meiner Meinung nach nicht eine Tat, die angefangen hat und enden wird. Der Gezi Park ist eine Zeit der Aufklärung der türkischen Jugend. Es hat sich eine unglaublich wichtige Seele entwickelt. Das nur als Gezi Park zu bezeichnen wäre falsch. Wir könnten uns auch wieder in einem andern Park versammeln und diesen Geist leben lassen. Der Gezi Park ist nur ein Ort, der die Aufklärung in Gang gebracht hat. Dies hat ein neues Bewusstsein und eine neue Seele in den Menschen erschaffen, die niemals vergessen wird.

Was genau ist dein Wunsch, als Designerin, oder junger Mensch? Es wird über den Alkohol gesprochen. Was für einen Lebensstil wünschst du dir? 

Den Lebensstil, den ich mir wünsche ist, ist einer, der erlaubt, dass sich jeder so verhalten kann, wie er möchte und wirklich frei sein Leben fortführen kann. Ich möchte, dass wir nicht vergessen, dass wir in einer universellen Welt leben, und damit nicht zu unterscheiden haben zwischen Türken, Kurde, Deutschen, Engländern. Im weiten Universum sind wir auf einem winzigen Fleck der Erde Insekten so groß wie Punkte. Ich erwarte eine Welt, in der Menschen ohne voneinander getrennt zu werden, ihr eigenes Leben leben können und dafür respektiert werden.

Bilder: Istanbul Next, vogue.it

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