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Die Competition zwischen den deutschen Städten Berlin und München habe ich bislang nur über Medien wie ZEITmagazin und Vice verfolgen können. Dazu reicht die Ähnlichkeit Rosenheims, die ich öfter wegen meiner Verwandten besuchte, nicht aus. Als ich vor knapp acht Wochen das erste Mal zum Oktoberfest in München war, konnte ich mir noch kein genaues Bild machen. Die letzten Tage, die ich in der süddeutschen Stadt verbrachte, haben mich aber nun über die Motive des Wettbewerbs aufgeklärt. Alternative vs. Spießigkeit. Durch die Armut Berlins verhielt sich die deutsche Hauptstadt tatsächlich in weiten Teilen bisher sehr statusfrei, gesellschaftsunabhängig und unbemüht. Dass das heute 2013 noch so ist, mag ich zu bezweifeln. Dass sie hässlich und dreckig ist, stimmt durch die Gentrifizierung auch nicht mehr ganz. Doch vergleicht man jenseits vom Prenzlauerberg die Spießigkeit Mittes, die sich gerade weil sie von der Berliner Subkultur hat inspirieren lassen, mit dem Rivalen, so steht fest: die Spießigkeit ist bei Weitem nicht so ausgesprägt. München, eine reiche Stadt, die Berlin finanziert, zeigt, was sie hat, was mich doch sehr an den Habitus Italiens erinnert. Läuft man die Maximilianstraße entlang bis zum Bayrischer Hof, wo dieses Bild im Spiegelsaal des Hotels entstanden ist, begegnet man unzähligen Designertüten, gespritzten Lippen und toten Tieren. Das Pendant hierzu ist selbstverständlich nicht Mitte, sondern Charlottenburg. Und dennoch zeigt letzterer Stadtteil mehr Stil und Klasse. Dafür ist München sehr viel herzlicher. Zwar ist es spießiger, aber wem ist aufrichtige Spießigkeit nicht lieber als gewollte Offenheit. Berlin ist spießiger als es das alte Image möchte, so sehr es dies auch bestreiten mag. Menschen jedoch, die von sich selbst mit Witz und Charme behaupten können, spießig zu sein, sind ja doch meist offener, als erwartet.  mehotel

München jedenfalls ist nicht zu Unrecht vielleicht die schönste Stadt Deutschlands. In jedem Fall bin ich von der Schönheit dieser Stadt begeistert, da ich nach Städten wie Köln, Hamburg, Frankfurt und Berlin niemals eine Schönheit dieser Art erwartet hätte. Dass Deutschland, dieses ach so triste Land so großen ästhetischen Geschmack in Architektur beweisen könnte, hätte ich niemals gedacht. Die Herzlichkeit ist nicht vergleichbar mit der Herzlichkeit der orientalischen Südländer, und dennoch hat diese Stadt im Vergleich zu Berlin Wärme zu bieten. Gerade auch das Dörfliche, das viele aus Bayern nach München bringen, hat etwas sehr angenehm Familiäres und Geborgenes. In dieser Stadt macht es jedoch keinen Spaß, arm zu sein. Den Preisen in Berlin kann auch im Jahre 2013 keiner etwas vormachen. Im Bayerischen Hof, das auf Wunsch von Ludwig I von Bayern 1839 erbaut wurde, jedenfalls ist jeder Cent für dieses wunderschöne barocke Ambiente wert. Der Pina Colada und Tee ist klasse, wie die Bedienung auch! Vom Barkeeper habe ich mir erzählen lassen, dass der Spiegelsaal mit genau einem Spiegel sogar den zweiten Weltkrieg überlebt hat. Es war die Nacht vom 24. auf den 25. April, als der bayerische Hof von einem Bombenangriff zerstört wurde. Hermann Volkhardt, dessen Vater das Hotel für 2,8 Mio Goldmarken erwarb, glaubte jedoch an den Wiederaufbau. Gekauft wurde vom Enkel Falk das Nebengebäude Palais Montgelas 1969, welches drei Jahre später zur Eröffnung der Olympischen Spiele eröffnet wurde. Heute wird das Hotel in vierter Generation von Innegrit Volkhardt geführt. Nach der Idee eines 10 Jahresplans der Komplementärin, gibt es seit 2005 auf dem Dach sogar ein Schwimmbad und einen Wellnessbereich, was ich selbst beim nächsten Besuch unbedingt noch erleben muss.

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