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Zur jährlichen Ausstellung der renommierten Frankfurter Städelschule öffneten dieses Wochenende Schüler ihre Ateliers. Hunderte Besucher strömten zurechtgemacht in die Kunsthochschule, um in aufgeräumten Arbeitsräumen Werke zu betrachten, deren Urheber schon bald für die Documenta oder Biennale auserwählt werden könnten. Eine Auswahl an Werken und Menschen

bild1style2Kunstwerke – von Fleisch über Textilien bis Moodboards 

Als ich den Eingangsbereich der Städelschule betrat, war ich überrascht über die Unmengen an Fleisch, die zu dieser Jahreszeit gegrillt wurden. Erwartet man noch dazu  in einer Ausstellung einer Kunsthochschule Fleischfresser? Was mich im ersten Moment verwirrte, stellte sich wenig später im Portikus der Schule als Teil einer Performance heraus. „BBQ Cooking Show“ der Künstler Mike Bouchet und Paul Mccarthy hatte das Ziel, unser Verhalten in einer Dimension zu kritisieren wie sie lange in der gegenwärtigen Kunst (von mir) vermisst wird. Eine Tonne Rippchen wurde von den Künstlern bestellt, um sie in der Küche in Barbecue Sauce aufzubereiten und verzehren zu lassen.

Gerade die Kunst ist bestrebt, sich vom Tier zu distanzieren. Vom Tier im Menschen wie auch von der unterlegenen Spezie möchte sich der intellektuelle Mensch abheben. Wegen dieser Weltanschuung war ich so verwundert, als ich im Portikus der Städelschule unzählige Menschen aus Pappbechern Fleisch ohne Besteck essen sah. Zugegebenermaßen war ich schockiert, und angeekelt davon. Selbst feine Herren mit Hornbrillen zierten sich nicht, mit ihren Fingern in KFC ähnlicher Manier das Fleisch vom Knochen zu entreißen. Diese menschliche Art, die selten in Kunsthäusern gesehen wird, war mir zugleich aber sehr sympathisch.  Beim Anblick mancher Menschen könnte man meinen, sie tun diese abstößigen Dinge wie „essen“ und“auf Toilette gehen“ nicht. Ganz zu schweigen vom Fleischverzehr. Kunst, der materielle Geisteszustand, der sich mit ethischen Fragen des Lebens auseinandersetzt, beinhaltet in der Moderne auch die Frage nach angemessenen Fleischkonsum. Was am Ende entstand, entlarvte den Besucher. Das Ergebnis war grotesk und widerlich. Wie mir mein Kommilitone, der vorerst nicht widerstehen konnte, später seine Tat bereute, versicherte, schmeckte es, wonach es aussah. Die ganze Szenerie erinnerte mich an einen Film, den ich aus ähnlichen Gründen nicht zu Ende sah „Das große Fressen“.

Die Frage nach dem Fleischkonsum, vom übermäßigen bis vegetarischen Verhalten, füllt die Zeitungen unserer Zeit. Ob man Fleisch essen mag, oder nicht, sei jedem selbst überlassen. Vergessen wir jedoch nicht, dass Tiere Schmerz empfinden können, und zu viel Fleisch nicht gesund für den Menschen ist. Zum Nachdenken scheint es die vielen Besucher jedenfalls angeregt zu haben. Besonders spannend fand ich neben dem gesellschaftlichen Thema des Fleischkonsums den Übergang zu Textilien und Mode. In diesem Sinne spiegelte die Arbeit der Städelstudenten die derzeitige Überschneidung von Kunst und Mode. „Tiffany“ von Anna Zacharoff zeigte Wandschmuck vom gleichnamigen Lampenklassiker inspiriert, „Inside Out“ präsentierte eine Krawattencollage vo Helena Hasson, „Amateur Dramatics“ von Victoria Colmegna zierten textil mit Poolnudeln ausgestopft die Wände, während ihre sehr stark an derzeitige Urban-Wear erinnernde Kollektion aus Seide folgenden Wunsch zwischen Musik und Mode hatte „I want to get excited in the music industry.“ Auch Hiphop spielte eine Rolle. „Charade“ von James Gregory Atkinson und Helen Demisch zeigte gestikulierende Hände wie sie mit gelblackierten langen Fingernägeln hätten Nicki Minajs sein können. Als Accessoire zur Videoinstallation diente das Klassikercappy „Thug Life“. „Hold on“ von Ana Vogelfang schien mit unterschiedlichen Perücken Identitäten darzustellen. Das verlorene Gefühl einer Generation wurde von Taslima Ahmed spielerisch aufgegriffen. „Life without plants, I don`t think so.“, eine Arbeit aus Zwiebeln kommentiert die Verlorenheit mit Witz. Die schönen C-Prints der Negativen von Tomas Nervi erinnerten an Moodboards wie wir sie auf Tumblr, Pinterest und anderen Blogs sehen, um uns inspirieren zu lassen.

bild2tiffanytifffan2helenahelena2victoriavictoria2ana vogelfangthug lifeplebsmoodDie Studenten und ihre Werke

Die Architektur-Studentin Sabina Eivazova präsentierte ihr Werk, das in Kooperation mit der Skulpturensammlung des Liebighauses entwickelt wurde. Im Rahmen der Präsentation ihrer Skulptur nach Maria Immaculata (1688) war sie selbst wie viele der Studenten vor Ort. In Collegejacke, Nike Air Max und HBA Shirt präsentierte sich Städelstudent Graziano Capitto, viel zu müde die Hand vor das Gesicht haltend, (letztes Bild) ganz im Stil seiner poppigen Grafik. Brandon, der New Yorker, der mir mit seiner Jeansjacke auffiel, studiert derzeit wie viele andere aus dem Ausland an der internationalen Städelschule. Der leidenschaftliche Fahrradfahrer begleitete Fahrer in ganz Europa und verfolgte ihre Tagesstrecke, um die Route als Grafik auf den Schwarz-Weiß Fotographien anzubringen.

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Das Atelier des Schülers

Der Instaram Account des Künstlers Ryan Karlsson von dem das Werk „See you soon“ stammt, verrät wie ein Atelier vor einer Ausstellung aussehen kann. Mindestens genauso spannend wie die Werke, sind die Arbeitsräume der Schüler wie ich finde. Dort finden sich die absurdesten Dinge zusammen auf kleinem Fleck, womit das Atelier einen sehr intimen Einblick in die Innenwelt eines Kunstschülers gewährt.

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Die Besucher

Viel zu langweilig fand der Künstler Max Weinberg die Arbeiten der Kunststudenten und nutzte das Publikum dazu, um auf seine Ausstellung UEBERIRDISCH aufmerksam zu machen. Mit Neon-leuchtendem Pink, das sein Outfit dominierte, fiel er jedenfalls mehr auf als alle anderen Besucher. Doch wie es Kunstinteressierte so an sich haben, hatten viele unter den Anzugträgern im Frankfurter Preppy-Stil kreative Kombinationen zu bieten. Vor Allem gab es Sneaker zu sehen. Der weiße Reebok-Sneaker war neben dem New Balance und Nike Air Max der Beliebteste unter den jungen Kunstliebhabern. Dazu wurden lange Mäntel kombiniert, gerne auch von männlichen Besuchern in Fashionweek Stil auf den Schultern getragen. Die Kunst ist eben auch ein Ort der Inszenierung. Perfekter Ort, kommentierte die Blondine in Pferdeschwanz die Ausstellung als Ort meiner Suche nach interessanten Outfits. Leider erlaubte es mir nicht jeder, sich fotographieren zu lassen. Die hier präsentierten Besucher waren jedoch so offen dazu.

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