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“Sie sind bestimmt zur Fashion Week da oder?”, werde ich gefragt, als ich einen Vintage Laden in Berlin-Mitte betrete. “Ja, das bin ich”, antworte ich der Dame. “Zur Modewoche sieht man immer so gut gekleidete Menschen.” Ich nehme das Kompliment dankend aber nüchtern an. Den rosa Mantel, den mir meine Mutter an nur einem Tag nähte, trage ich selbstverständlich mit Stolz und großem Glück. Er war meine schönste Begleitung während der Berliner Modewoche mit Gedanken an meine Mutter. Das Tulpenmodell aus Kaschmirwolle stammt zudem aus der letzten wunderschönsten Kollektion Raf Simons für Jil Sander. Ich träume noch immer von ihr, wenn ich an weibliche Schönheit denke.

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Aber ich bin erneut verwundert über die Unlust in der deutschen Modestadt, klassisch schön aussehen zu wollen. Das Wetter lässt nicht viel zu könnte man meinen. Doch in Frankfurt ist meine Euphorie des Schönmachens und zugleich mein in deutschen Augen größtes Manko, die Eitelkeit und Sehnsucht nach Schönheit, bloß ein durchschnittlischer Habitus. Vermutlich bei all’ der orientalischen Schönheiten, zu denen ich auch “deutsche” Mädchen zähle, ein ganz klassisches Ideal in Tradition der alten Griechen. Schließlich gibt es das derzeitige Teil bei Zara im Sale, das in Frankfurt so stark besucht ist wie kaum eine andere Kette. Diese ist hingegen im kommerziell jungen Berlin, nämlich in Mitte, neben American Apparel und &other stories nicht einmal vertreten. Das Schicke findet sich in einem Bezirk, indem sich mehr Touristen finden als Einheimische: in Charlottenburg.

Die stilvoll gekleideten jungen Männer und Frauen finden sich in Mitte, aber der Hauch des außergewöhnlichen, freiheitsliebenden, und ausgestoßenen Charakters mischt sich selbst in dieser kommerziellen Gegend unter. Einzig in Kreuzberg und Neukölln ist noch der “arme” Secondhand-Look zu beobachten. Dass es den noch gibt, spricht für die Stadt. Denn für ein armes Aufreten hat die Bankenstadt Frankfurt leider alles andere als Verständnis. Nur München toppt sie, wenn es um einen Dresscode geht, der teure, saubere Kleidung verlangt. Die Münchner Frauen der Maximilianstraße gehören wohl zu den wenigen zur Berliner Modewoche, die auf ihre weiblichen Reize setzen. Aber ist der Sex & the City Stil nicht auch viel zu gewollt glamorös, unkreativ und künstlich? Er passt zu der pompösen Innenstadt Münchens, doch der Glam Berlins muss bereits vor 100 Jahren verstorben sein. Der Rest dieser Stadt pocht auf Individualität ohne zu merken, dass ein selbstbestimmtes Leben, selbstausgesuchte Restaurants, Kleidung und Galerien lediglich Wohlstand und Weltgewandtheit simulieren. Ob schön aussehen heute in Deutschland nicht individueller ist?

IMG_9729Um meine eigene Kreaitivität herauszufordern, kaufe ich selbst auch gerne mit kleinem Budget bei Secondhandshops wie Oxfam ein. Dort fand ich die Tasche, ein Modell aus den 50-ern nach der mich bereits Frauen jedes Alters beneidenswert gefragt haben. Um einen Einheitslook vergangener Zeiten zu vermeiden, aber Individualität zu wahren, ist die Kombination aus alt und neu vollkommen. Dazu trage ich passende Handschuhe von Roeckl. Die schwarzen Galahandschuhe von Roeckl reichen bis zum Ellenbogen. Für Winterjacken mit kurzen Ärmel sind die Handschuhe aus Nappa und gefüttertem Woll-Kaschmir gegen die Kälte und für die Eleganz ein großartiges Accessoire. Der Schal ist von meiner Freundin geliehen. Wie meine Schwester trage ich ihn gerne wie er an den wunderschönen pakistanischen Mädchen zu beobachten ist.  Sie tragen das schwarze Kopftuch in stilvollster Variante, indem sie es leicht über ihr Haar legen, wobei der Ansatz immer sichtbar ist. Das dunkle schwarze, es wirkt sehr mystisch. Zudem erinnert es an die Mode der 50-er Jahre. Eine Zeit, die nach dem Krieg die kommerzielle oberflächliche Mode so sehr benötigte wie noch nie. Eine Zeit, in der Filmdiven Schönheitskönniginnen waren, und zuletzt auch eine Zeit, in der (Haus-)Frauen für ihre Weiblichkeit verehrt werden mussten.IMG_9779Die Berliner Modewoche ist vorbei. Es dauert also auch bis sich wieder die Gelegenheit bietet, Galahandschuhe und hohe Overkneestiefel hervor zu kramen, bevor sich Staub auf Accessoires legt, die doch anstrengend zu tragen sind, aber eben dazu verhelfen, als schöne weibliche Kreatur wahrgenommen zu werden, und sich selbst so zu fühlen. Bis dahin muss man im Alltag selbst lernen, sich so zu akzeptieren wie man ist, an sich selbst seine Arbeit zu schätzen und den eigenen Charakter. Aber mit der wenigen Zeit sich dennoch selbst nicht zu vernachlässigen. Denn was die Mode in ganz Deutschland anbelangt,  wünsche ich mir von Frauen wie auch mir selbst: mehr Mut, klassich schön aussehen zu wollen.

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