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Philipp Bree stammt wie der Name bereits verrät von einem der traditionsreichsten und etabliertesten Taschenlabels Deutschlands ab. Mit seiner selbstgegründeten Linie PB0110 übersetzt er seine eigene Vorstellung in nächster Generation und schafft damit eine Verjüngung der Marke „Bree“, die nicht nur der neuen Zeit entspricht, sondern vor allem auch ihm selbst gerecht zu werden scheint.

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Nostalgisch: die Reisetasche von Christine Ahrens für PB0110 entstand aus der Idee, eine Bluse knitterfrei zu transportieren

Minimal, zeitlos und edel – so sehen die Taschen von PB0110 aus. Wenn Philipp Bree persönlich in dem Frankfurter Store The Listener seine Kollektion so sorgfältig platziert, kann man nur erahnen, mit wieviel Hingabe er sein eigenes Label aufgebaut haben muss. Von der Familie hat er die gute Qualität übernommen, hinzugegeben hat er seinen wunderbaren Sinn für Ästhetik. Die Taschen von Philipp Bree sind nicht nur jünger, und urbaner, sondern erfüllen sie die Sehnsucht nach Schönheit.

Nachdem er 10 Jahre lang das von seinem Vater gegründete Unternehmen gemeinsam mit seinem Bruder führte, scheint er sich neu erfunden zu haben. Er war auf der Suche nach etwas Neuem, also ist er den Schritt gegangen. Gegründet 2012 bietet er die Taschen bereits weltweit an. Zarte Pastelltöne, klassches Schwarz und Weiß. Die Umhängetaschen, Shopper und Tote Bags liegen mit feinstem Leder im höheren Segment, und werden nicht umsonst von der High Fashion anerkannt. Im Juli wurde er mit PB0110 bereits zum zweiten Mal zum Vogue Salon geladen, einer Initiative von Christiane Arp zur Förderung deutscher Designer.

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Klassischer Shopper von PB0110 gestaltet von der namhaften Designerin Ayzit Bostan

Ein Businessman mit selbstgewähltem Designteam  – ein einzigartiges Konzept

Dabei versteht sich der gelernte Betriebswirt nicht als Designer wie er bescheiden erklärt. Dafür aber schätzt er die Arbeit von ihnen. Für seine Kollektionen arbeitet er mit unterschiedlichen Namen zusammen, und holt sich Designer ins Team, die edle Taschen erschaffen: Ayzit Bostan aus München, Christine Ahrens aus London und Christian Metzner aus Berlin sind die ersten Designer, die ihre Antwort auf seine Vorstellung der Kollektion gegeben haben. Aus welchen Städten die Designer kommen, spielte bei der Auwahl keine Rolle, viel mehr aber ihre Arbeit. Jedoch sind sie „ästhetisch verwandt“, und noch ein Designer kommt aus Berlin: Mit New Tendency wurde eine Lederschaukel entwickelt. Damit wird sich PB0110 nicht nur auf Taschen beschränken, sondern wie von Anfang an geplant auch auf andere Produktgruppen übertragen.

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Selten so schön: eine Lederschaukel entstanden in Zusammenarbeit mit New Tendency

Aber auch, was seine Zielgruppe betrifft, schränkt er sich nicht ein. Einen bestimmten Lebensstil gibt es zu seiner Marke nicht, denn den wolle er seinen Kunden nicht diktieren. Im Ideal interessiert sich der Kunde natürlich für Qualität. Wenn er jedoch selbst an der Verkaufsteheke steht, lernt er seine Kunden kennen. Zwischen ihnen habe er eine stilvolle Frau mittleren Alters, die seine Marke zuvor nicht gekannt habe, überzeugt. Oder etwa eine junge Frau aus China, eine „Fashionista“, die wiederum auf einen weißen Rucksack zugerannt sei und ihn sofort mit den Worten „I like, I like, I take“ gekauft habe. Er erzählt euphorisch von den Begegnungen: ihm gefallen die gegensätzliche Profile seiner Kunden. Und zuletzt tut seine Weltgewandtheit auch seinem Unternehmertum gut.

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Ayzit Bostan für PB0110: Umhängetasche in Violett für 449 Euro, aus Leder hergestellt in Deutschland

Die Deutsche Qualität & das Familienunternehmen Bree

Sind Taschen aus Deutschland im Ausland auch aufgrund des Images von deutscher Qualität & Design so gefragt? „Grundsätzlich werden die Deutschen nach wie vor mit hoher Qualität assoziiert. Aber auch mit einer gewissen Geradlinigkeit, eine Facette deutschen Designs.“ Auch wenn es mehrere Facetten gäbe, schwingen die Grundwerte mit. „Und meine Produkte sind schon in dem Sinne sehr deutsch, aber haben eine ganz tolle internationale Resonanz erfahren.“ Er ist sichtlich stolz. Grund dazu hat er, denn mittlerweile ist er in Städten wie Moskau, Kuwait, London, New York, Paris, L.A. vertreten. Er sei überrascht, wie schnell man sich aus Deutschland heraus mit so einem Startup verbreiten könne.
Dem Fundament seiner eigenen Marke hat seine Erfahrung im Familieunternehmen Bree sicher nicht geschadet. Von Familienunternehmen, wie sie in Deutschland eine hohe Bedeutung haben, ist er selbst Fan, auch wenn er sich davon getrennt hat. „Familienunternehmen zeichnen sich durch eine hohe Loyalität aus, zwischen dem gesamten Team, egal auf welcher Position. Es sind kurze Entscheidungen, und langfristige Entscheidungen, nicht mit dem Gedanken an das morgen, sondern eher der Gedanke wie es sich übermorgen weiterentwickeln kann, zählt.“ Diese Grundwerte wurden beim Familienunternehmen Bree sehr geschätzt und diesen Ansatz hat Philipp Bree für seine eigene Firma übernommen. Emotional könne es im Geschäft natürlich auch werden, es sei eben wie in der Familie. Das Emotionale aber hat mehr positive Seiten als negative. Das sei gut, denn davon leben ja auch die Familienunternehmen. Trotz der Trennung spricht er positiv von der Erfahrung, doch er hört sich auch etwas bedrückt an, wenn er davon spricht. Nachdem der Vater, der das Unternehmen Bree gründete, verstarb, übernahm er es gemeinsam mit seinem Bruder aus einer bewussten Entscheidung heraus. Er hat sich letztlich dennoch entschieden, den gleichen Weg zu gehen, indem er ebenfalls sein eigenes Unternehmen gründete: und seinen Vater müsste es sicherlich stolz machen zu sehen, wie der Sohn mit Eifer und Enthusiasmus ebenfalls den Mut dazu hat, etwas Eigenes auf die Beine zu stellen.

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Tote Bag: Philipp Bree und Ayzit Bostan und ihr Sinn für Ästhetik für PB0110

die Liebe zum Objekt, die Liebe zum Vater

Entstanden muss seine Liebe zu Taschen durch seine Bindung zu seinem Vater. Er hält eine Tasche in der Hand, die er bereits seit 25 Jahren trägt, während er erzählt. Es ist ein Geschenk seines Vaters. Bree faszinieren Dinge, die eine Langlebigkeit haben, und die einem persönlich ans Herz wachsen. Es hört sich ganz und gar nicht nach einer ausgedachten Geschichte zum Produkt an, ganz im Gegenteil: wenn er davon erzählt, scheint er Erfahrungen vor Augen zu haben. „Sie nehmen mit der Zeit einen Charakter an.“ Dabei sei es ihm nicht besonders wichtig, wie sie aussehen oder ob sie wertvoll sind. Viel mehr zählt für ihn die emotionale Bindung, die er persönlich mit Dingen wie dieser Tasche in Verbindung bringt. „Das war für mich Inspiration, Dinge zu schaffen, die zumindest aus meiner ganz persönlichen Sicht die Qualität haben, zu geliebten Objekten zu werden.“ Auf der Internetpräsenz ist ein Bild der Tasche neben weiteren geliebten Objekten und ihren Geschichten gesammelt zu sehen.
Er erzählt vom deutschen Professor und Schriftsteller Tillmann Habermas, der über das Phänomen der geliebten Objekte schreibt oder Dinge, die einem im Laufe des Lebens begegnen. Durch die Auseinandersetzung mit Objekten kam seine Idee, selbst etwas anzufertigen.

Er sei lange Zeit durch Europa gefahren auf der Suche nach Materialien, die diese Eigenschaften haben. Bree arbeitet ausschließlich mit pflanzlich gegerbten Ledern, die mit der Zeit eine schöne Patina entwickeln. Nachdem er diese Materialien zusammen hatte, ging es um den ästhetischen Aspekt. Er vergleicht diesen Prozess gerne mit dem Kochen. Zu den wenigen Zutaten kommt zur Ästhetik die Zusammenarbeit mit den Designern hinzu, die diese unterschiedlich zu einem Thema interpretieren.

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die Oberfläche des Lederrucksacks von PB0110 reift mit der Zeit: erhältlich in 11 Farben

 Hochwertige Materialien & familiäre Manufakturen

Eines davon ist ein Rucksack. Er habe inen gewissen Kollektionsaufbau vor Augen gehabt, wobei bestimmte Typologien an Produkten abgedeckt werden sollten. Die Idee habe sich jedoch im Laufe der Zeit entwickelt, genau das sei das Spannende für ihn. Den Rucksack selbst trägt er auch, obwohl er gar nicht der Typ dafür ist. Privat und geschäftlich ist er viel mehr mit Tote Bags und Henkeltaschen untwegs. Aber mit dem eigenen Rucksack freundet er sich an.

Das verwundert bei der einzigartigen Optik keineswegs. Doch die hohe Qualität kommt nicht von ungefähr. Das Material Leder findet er faszinierend, da es wenige synthetische gibt, die diese Eigenschaften mit sich bringen. Im Onlineshop sind beispielhaft wie so selten äußerst umfangreich Informationen zu Leder und Herkunft angegeben ohne sich damit großartig selbst zu vermarkten.
Das Leder kommt aus Belgien. Leinen aus Italien, genauso wie die Beschläge. Hergestellt werden die Taschen in ausgesuchten Manufakturen in Tschechien und Polen. Er besucht sie häufig, da er überzeugt davon ist, dass Qualität auch durch ein persönliches Gespräch entsteht. Auch hilft es ihm zu sehen, wer hinter der Nähmaschine sitzt. Er schätzt ihre intensive Arbeit. Er kann mit gutem Gewissen sagen, dass es den Arbeitern gut geht. Es sind kleine Manufakturen und Familienbetriebe, in denen nicht so hektisch gearbeitet wird. Gestellt wird ihnen alles von Bree. Zusammen gesammelt hat er die Zutaten für seine Produkte alle selbst.

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Christian Metzner aus Brandenburg mit Accessoires im Designteam von PB0110

eine philosophische Tasche, die sich mit der Zeit verändert

Eine andere Zutat ist sein Alltag: die eigene visuelle Wahrnehmung davon, die ihn immer wieder inspiriert. Auch beschäftigt er sich gerne mit Kunst, Design, Architektur und der großen Mutter Natur. „Nichts Besonderes“, kommentiert er seine Interessen. Doch eben die sind es, die ihn zu einem jungen binationalen Kreativ-Studio nach Berlin geführt haben. Das Logo von PB0110 entwickelte er gemeinsam mit Haw-lin Services, die sich durch ihre Ästhetik auch mit ihrem Blog einen Namen gemacht haben. Entstanden ist die Klammer als Markenzeichen zur visuellen Umsetzung. Sie nennen es „becoming“: hinter dieser Idee steckt, dass die leeren Klammern sich mit der Zeit von der werdenden Tasche füllen. Und gemeinsam mit der Tasche ist es sicherlich auch der Träger, der mit der Zeit wird. Die Taschen führen vor, was der Mensch ist: mit der Zeit werden sie schöner, mit der Reife werden sie schöner. Philipp Bree muss nach der Abnabelung mit seinem Label auch zu etwas anderem geworden sein: jünger, strahlender und frischer. Seine Ausstrahlung zeigt sein Glück, und seine Lebenfsreude, während er davon erzählt. Als sei er damit wie neu geboren, mit seinem eigenen Label: PB0110 steht schließlich für nichts anderes als sein Geburtsdatum.

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PB0110 erhältlich online und u.A. in folgenden Stores: The Listener in Frankfurt, AM + / Alexander Murkudis in Berlin, SOTO in Berlin, Goldmarmor in Darmstadt

Bilder: SS15 & AW15: Haw-lin Services, http://christian-metzner.com, Porträt: Fabian Frinzel

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