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Das Museum Angewandte Kunst in Frankfurt gewährt in der Ausstellung “The Weather Diaries” der dritten Nordic Fashion Biennale Einblicke in die die Kultur des hohen Norderns anhand ausgewählter Designer bis zum 21. September 2014.

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Die dritte Nordic Fashion Biennale findet seit dem 21.März im Museum Angewandte Kunst Frankfurt statt, nachdem sie in Reyjkavik und Seattle ausgetragen wurde. Veranstaltet wird sie vom Nordic House Iceland, das mit dem Austragungsort Frankfurt die eigene Kultur einem breiterem Publikum in Europa bekannt machen möchte. Zwölf augewählte Designer aus den Ländern Grönland, Island und den Faröer Inseln zeigen ihre teilweise spziell für die Ausstellung erarbeiten künstlerischen Arbeiten in den “The Weather Diaries”. The Weather Diaries wurde die diesjährige Ausstellung betitelt, da in dieser Region der gewaltige Einfluss des Wetters die Kultur und damit auch die Ästhetik und Funktionalität der Kleider bestimmt. Kuratiert wurde die Ausstellung von den Künstlerinnen Sarah Cooper und Nina Gorfer, die auch als Photographinnen die Designobjekte in den Landschaften des Hohen Norderns fotographierten.  Die Ausstellung reagiert auch in seiner Form mit der Wahl der Kuratorinnen auf die Entwicklung der digitalen Kunst. Von den Wänden blicken sie hinunter und umrahmen dabei die Designstücke, die unmittelbar davor zu bewundern sind. Entstanden sind gemäldegleiche Fotographien, die über die Exponate hinaus Mythen und Geschichten einer traditionsreichen und zugleich zeitgeistigen Kultur wahren. Ihre eigene Kultur wahren ohne dabei den Anspruch an das jetzige Geschehen zu verlieren, ist auch der ausstellenden Designerin Bibi Chemnitz wichtig. Die aus Grönland stammende Designerin ist im jungen Alter mit ihren Eltern nach Kopenhagen gezogen, wo sie zuletzt auch ihre urbane Kollektion zur Kopenhagen Fashion Week zeigte: Freizeitkleidung, die sich an die Kleiderordnung verschiedener Sportarten anlehnt wie sie zurzeit bei Chanel bis H&M zu sehen ist. Die Kultur ihrer Wurzeln möchte sie jedoch nicht aus den Augen verlieren. Entstanden ist in Zusammenarbeit mit Cooper & Gorfer das Bild “The Fifth Daughter”. Auf dem Bild sind die Freundinnen der Designerin zu sehen, die von der Kleiderkultur der Inuits inspirerte Anuraks aus Robben-und Fuchsfell tragen. (Verwendet wird für ihre Kollektion nur solches Fell, dass als Abfallprodukt entsteht.) Womit die schwarz-weiße Landschaft verschmilzt ist das traditionsreiche Nationalkostüm der Grönländer, das aus Kolonialzeiten verbliebenen Perlen besteht. Der Titel erzählt einen Ritus, mit dem wir uns im Hinblick auf die Erziehung der Kinder in der Debatte der Geschlechterkategorien auch heute auseinandergesetzt sehen. Hat eine Familie vier Töchter, werden der fünften Tochter, die in Folge zur Welt kommt, die für den Jungen bestimmten Aufgaben übergeben. Erzogen zum Jungen wird sie, indem sie die Verantwortung über das Fischen und Jagen übernimmt. Die Kultur sieht sich gezwungen eine eigene Geschlechterordnung zu entwerfen, um die Familienstruktur und -organisation in Takt zu halten. Die junge Designerin selbst möchte mit Geschichten wie diesen aus Grönland den Facettenreichtum ihrer eigenen Herkunft darstellen. Auch die Designerstücke und Bilder der weiteren elf Designer erzählen von einer Kultur, die abgeschieden und isoliert ihre eigenen Lebensformen entwickelt haben. Haben die Designerinnen ihren Geburtsort verlassen oder sind sie zurückgekehrt: Im Zuge der Globalisierund und Auswanderung haben sie sich in dieser Ausstellung mit den Schönheiten ihrer ursprünglichen Kultur befasst. Mögen sie auch nicht auf den Schauenplanen der großen Designerstädten von New York bis Mailand erscheinen, unter ihnen sind welche, die bereits erfolgreich für große Marken gearbeitet haben aber auch jene, die in dieser Landschaft ihren eigenen Weg gehen möchte fern des Massenkonsums. Die Ausstellung zeigt darüber hinaus die verwendeten traditionellen (wie auch nachhaltigen) Materialien, aber auch die farblichen Lichteinflüsse. The Weather Diaries bietet einen Einblick in eine Landschaft fern der Medien, die aus extentiellen Bedürnissen Kunst schafft, die als Kulturgut ins Museum gehört.

Mit Ausstellungsleiterin Mahret Kupka wird sich das Museum auch in Zukunft vermehrt den Themen der Mode und Designs unter “Performativem” auseinandergesetzt sehen.

Einmal im Monat führe ich durch die Ausstellung. Am kommenden Sonntag, den 22. Juni um 15 Uhr. Der zweite Termin im Juli wird bald über Facebook bekannt gegeben.

Mit Arbeiten von Mundi Vondi (IS), STEiNUNN (IS), JÖR by Guðmundur Jörundsson (IS), Kría (IS), Hrafnhildur Arnardòttir a.k.a. Shoplifter (IS), Guðrun & Guðrun (FOE), Barbara í Gongini (FOE), Rammatik (FOE), Bibi Chemnitz (GL), Najannguaq Lennert (GL), Nikolaj Kristensen (GL) and Jessie Kleemann (GL)

Bild. Cooper & Gorfer “The fith Daughter”, mit Designerstücken von Bibi Chemnitz

aktualisiert am 20.06. um 14:20 Uhr

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