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bild2 Zur Verleihung des Masterzertifikats meiner Schwester habe ich mir einfach einen Secondhand-Mantel übergezogen. Er ist im 90s-Look, groß und lang, man fühlt sich in ihm gut aufgehoben. Er hat eine schützende Funktion, vor allem in Großstädten braucht man sie. Mein Make Up ist dezent, etwas Foundation von Armani Silk, den klassischen Eyeliner ober und unterhalb der Augen, die Wimpern getuscht mit L’oreal Vulimnous in Kombination mit “get BIG Lashes” von Essence. Meine Haare tragen noch einen Hauch von Aubergine-farbener Tönung.

Ich brauche nicht lange, um mich vorzubereiten. Weder nehme ich mir die Zeit, noch habe ich sie. So kommt dieser Look zustande. Auf der Haut trage ich wenig, aber guten Stoff, den ich gemeinsam mit meiner Mutter letztes Jahr in Bonn gefunden haben. Er ist von Valentino. Der ungemachte Saum ist eine bewusste Entscheidung, in seiner Form wird der pastellfarbene Stoff dadurch viel mehr zur zweiten Haut. Mit einem Bustier-Oberteil können besonders die Schultern betont werden. Die Veranstaltung fand in einem großen Auditorium im Barbican Centre London statt, in dem man selbstverständlich die Jacke ablegen darf. Das Rückenende des Oberteils verläuft in die Länge.

Ich liebe es, Bleistiftröcken zu tragen, denn sie kaschieren und schmeicheln zugleich. Die hohen Schuhe, auf die man bei einem solchen Outfit nicht verzichten sollte, sind von Zara. Sie verleihen dem Gang das stärkste und zugleich schwächste Gefühl der Weiblichkeit: die Fragilität. Besonders zu den Schuhen wäre ein schwarzer Mantel farblich sehr abgestimmt, aber wer die Ordnung nicht mag, zieht eben das Chaos vor. Das Outfit ist eines dieser Outfits, die den Körper betonen, die aber ständig mit den Fingern zurecht gezupft werden müssen. Das ist eben die bittere Wahrheit über schöne Kleider: sie erfordern besonderen Umgang beim Tragen. Man hat auf seine Haltung, seinen Gang und die Art und Weise der Bewegung, des Sitzens und Aufstehens zu achten. Kleider ohne Halt neigen besonders dazu, zu verrutschen, aber jede Katastrophe muss man mit Humor nehmen. Denn Kleider wie diese verschaffen unserem Körper Aufregung. Der wenige Stoff lässt unserem Körper, den wir meist im Alltag überdecken, eine angenehme Form der Freiheit. Gerade in Bildern, in denen wir uns inszenieren, spüren wir unseren Körper anders, intensiver, mit all’ unseren Stärken und Unsicherheiten, gleichzeitig sind wir fähig, in diesem einzig kurzen Moment unser Inneres nach Außen zu tragen. Diesen wertvollen Moment erwischen wir nicht immer im Alltag, zumal wir uns meist in Berufskleidung befinden.
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Die Bilder von diesem Outfit wurden mit meiner Spiegelfrexlexkamera, der 450d von Canon aufgenommen, mit der sich schnelle Schnappschüsse machen lassen. Für meinen Instagram-Account mache ich zusätzlich meist noch Bilder mit meinem Handy. Das geht schneller, zumal ich die verpixelte Qualität meiner Handykamera für Instagram ästhetischer finde. Doch es passiert, dass sich auf meiner Kamera und meinem Handy unzählige Bilder von mir ansammeln. Der Druck der sozialen Medien ist hoch, es wird die ständige Präsenz im Internet erwartet, von Frauen die permanenente Schönheit. Dabei besteht das Leben nicht nur aus Bildern, die wir über soziale Medien konsumieren. Vorallem besteht Schönheit nicht nur aus Bildern. Zurzeit entstehen auf Instagram wie auch über andere Medien viel zu viele Bilder. Dabei vernachlässigen wir all’ jene Momente, die es sich nicht festzuhalten lohnt, während wir Bilder machen. Gespräche am Tisch beim Essen, die Freude am Ereignis, das Glück am Gegenüber und selbstverständlich: unsere Umwelt zu beobachten und sich selbst beobachten lassen zu dürfen.
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