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Die deutsche Parfümeriekette Douglas teilte vergangenes Jahr in einer Pressemitteilung mit, sie werde 70 Filialen aufgrund des stockenden Handels schließen müssen. Betroffen seien darunter auch Geschäfte in deutschen Innenstädten. Dies mag kaum verwundern. Denn in der heutigen Zeit konsumieren Jugendliche anders.

Sie interessieren sich für Markenprodukte, sicherlich, aber sie achten darauf, wo sie hergestellt werden, wie sie hergestellt werden und vor allen Dingen, ob und was sie bewirken. Chemische Zusatzstoffe, die in Zeiten von Tschernobyl ringsumher gereicht wurden, Plantagen, die ausgeraubt wurden von Herkunftsländern, die seit jeher von Jugendlichen während und nach dem Abitur besucht werden, und zu guter letzt auch hinsichtlich der durch die Musikwelt des RnB und HipHop veränderten Schönheitsideale werfen bei jungen Menschen große Fragen auf. Wieso sollte man also jenes Produkt konsumieren, wenn es besser sein müsste?

Die Pressemitteilung von Douglas erklärte ebenso, sich mehr auf den Online-Handel fokussieren zu wollen, gleich einem der erfolgreichsten der Welt: Amazon. Douglas scheut nicht vor Experimenten zurück, indem in eines der Filialen, der größten, europäischen an der Frankfurter Einkaufsstraße Zeil, technische Geräte für den Verkauf und den Erwerb auszustellen und damit auch auf andere Produkte, die vermeintliche Jugendliche interessieren könnten, zu setzen und somit den Umsatz zu steigern.

Fakt ist jedoch, dass junge Menschen ganz genau wissen, wer ihnen was schmackhaft zu machen versucht. Sie kennen ihre Altersgenossen, die über soziale Medien für diverse Produkte Werbung machen. Deshalb entscheiden sie selbst. Genau das ist es, worauf Sephora, jene berühmte französische Drogeriekette setzt, die gleich eines Musiksenders daherkommt. Das amerikanisch-französische Konzept hat die Idee; “come in and find out”, ein Slogan der über Jahre hinweg die deutsche Parfümeriekette Douglas beschreiben sollte.

Doch während Douglas auf fachkundige, aber altbackene Angestellte, Verkaufsmaschen und werbebeladene Verkaufskonzepte setzt, ist es Sephora, das seine jungen Kunden wahrlich ernst nimmt. Verkaufsberatung? Nicht nötig. Überbepinseln, ebenso wenig, und schon gar nicht; das Werben um Produkte, die nichts, schon gar nichts versprechen oder können. Können, das ist ungemein wichtig in dieser Generation.

Keine andere Marke wie Nyx weiß dies so gut. In einer ihrer Werbekampagnen, die über Youtube läuft, erklärte die Marke ihren potentiellen Kunden und Fans, dass die Entscheidung darüber, was sie als schön und hässlich empfinden, in ihrer Hand liegt, weil sie ihr eigener Pro-Artist sind. Und beim Aussehen bleibt es nicht.

Ob sie schwul sind, oder pansexuell, ob sie ihre Schuhe in der Farbe Lila möchten, oder Blau, ob sie ihr Make Up natürlich oder vulgär tragen, es ist ihnen überlassen. Mit diesem Verständnis ist diese Generation aufgewachsen, und dieses zeigen Marken wie Nyx auch mit ihren vielfältigen Testimonials und Beauty-Bloggern. Und heute ist es eine Billie Ellish, die mit ihren 18 Jahren das neue Erwachsensein darstellt. In einer Rnb-melodischen Musik mit türkispastelligen Farben, gestylten Augenbrauen und Wimpern eingekleidet in einer IKEA-Tüte als ebenso marketingfähiges Testimonial der japanischen Marke MCM ruft sie dazu auf, vegan zu leben und gegen den Klimawandel zu streiken. Sie tritt damit wie all ihre Altersgenossen, die während der Fridays for Future protestieren, stark und autark in der Öffentlichkeit auf. Währenddessen shoppen und bewegen sich jene Altersgenossen ebenso zumindest in Frankfurt auf der Zeil lieber zwischen Nyx, Bershka, dem Label mit dem Billie Ellish auch eine Kollaboration hatte, und Parfümeriegiganten Sephora. Denn Sephora lädt ein, sich selbst zu entdecken, währenddessen übernimmt das Unternehmen Douglas das Ruder aus einer längst vergangenen Zeit, von der man sich einfach nichts sagen lassen will. In einer Zeit wie dieser ganz besonders unrentabel.

Bild: Universal.de

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