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roshi porkar portrait

Ihre erste Kollektion für Frühjahr Sommer 2015 durfte Roshi Porkar, Gewinnerin des Chloe Preises des diesjährigen Hyères Fashion Festivals, vergangenen Donnerstag auf der Mercedes Benz Fashion Week Berlin zeigen. Die gerade erst 25-jährige Absolventin der Wiener Universität für angewandte Kunst wurde im Rahmen des Nachwuchsförderungsprogramms von Mercedes Benz und Elle gewählt. Ausgestellt wurde eines ihrer Entwürfe zudem gemeinsam mit denen von Steven Tai und Satu Maraanen im Bikini Berlin unter der Leitung Haider Ackermanns. Letzterer kam zur Vernissage, um die ebenfalls ausgestellten Kampagnenbilder vorzustellen, für die er als Stylist arbeitete. Dort traf Roshi ihn auch zum ersten Mal. Aufmerksam und zugleich verlegen hört sie einem der großen Avantgardisten der Modewelt zu, den sie als sehr netten Menschen beschreibt. Nervös war sie vor Allem, weshalb man ihr erst zur letzten Minute vor der Show verriet, dass er gemeinsam mit Tilda Swinton im Publikum saß, um sich die Show anzusehen wie sie mir im anschließenden Gespräch erzählte.

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Die Entwürfe ihrer ersten Kollektion betrachtet sie selbst viel mehr als Kunstobjekte als dass sie die Teile getragen an einer Frau betrachten könnte. Sie sehe sie nur an der Frau auf dem Laufsteg. Von der Kunst selbst ließ sich die Künstlerin für ihre erste Kollektion inspirieren. Auf der Documenta in Kassel letztes Jahr stieß sie bei einer Ausstellung auf die 4000 Jahre alten Statuen baktrischer Prinzessinnen.

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Die junge Wienerin wirkt in sich gekehrt mit großen Augen und weicher Stimme dabei selbst fast schon wie eine iranische (Disney-) Prinzessin. Ihre iranischen Wurzeln jedenfalls sind nicht weit entfernt von denen der Baktrischen Prinzessinnen: das ehemalige Baktrien ist das heutige Afghanistan. Sie stimmt zu, dass Prinzessinnen heute im Zuge des Feminismus negativ konnotiert sind, auch deshalb tue sie sich damit schwer. Die Prinzessin sei aber nur Ausgangspunkt der Kollektion. Sie baue nicht durchgehend darauf auf und sei viel mehr ein Experiment mit dem Körper, eine Auseinandersetzung mit weiblichen Proportionen. “Mode ist nur dazu da, dass man sich anzieht, sehr oberflächlich. Alles andere muss man selbst beweisen. Jede kultivierte Frau weiß das auch.” Sie hat nichts dagegen einzuwenden, wenn Frauen sich wie Prinzessinnen fühlen möchten, jedoch nur, solange es nicht zu negativ betont werde.  Schließlich sei die Kollektion, die eine Weiterführung der in Hyères gezeigten ist, an die Chloe-Frau angelehnt. Und die beschreibt sie als starke, freie, softe Frau genauso wie ihre Models, die sie selbst gecastet hat. Dass sie stark waren sah man vor Allem an dem festen, zielstrebigen Gang der Models. Die Chloe-Frau jedenfalls trage Elemente, die sie auch selbst interessant fände. Sie habe die DNA der Marke jünger und cooler machen wollen. Genau dafür erhielt sie den mit 15.000 Euro dotierten Chloe Preis des Hyeres Festivals, das als Avantgarde gefeiert wird. Wie in einem Artikel auf der Zeit beobachtet wird, habe sich das Festival aber mit der Wahl der Kenzo Creative Directors in eine kommerzielle Richtung entwickelt. Einen Konflikt, wie er viele Künstler und Designer beschäftigt, sieht Roshi Porkar jedoch zwischen Avantgarde und Kommerz für sich selbst nicht. “Ich entwickle mich langsam in eine Richtung, in der es mir wichtiger wird, dass es von vielen getragen werden kann. Nicht von jedem, aber ich bin nicht jemand, der nur experimentieren will und Avantgarde sein möchte.” An der Uni sei sie experimenteller gewesen so wie jeder es an der Uni ist, meint Roshi. Dabei habe sie aber auch Sachen gemacht, auf die sie überhaupt nicht stolz ist. Doch das gehöre dazu. Ihr Studium an der Universität der Angewandten, wo sie unter Bernhard Wilhelm lernte, beschreibt sie als einen Ort, der sie gefördert habe, selbst zu lernen. Die Universität sei offen und habe ihr anders als an anderen Unis ohne Stress, Zeit zum Entwickeln gegeben. “An der Angewandten hat man eine sehr große Freiheit, vor allem sehr viel Zeit, Platz und Raum, seinen Weg zu finden.” Über die Zukunft macht sie sich noch nicht so viele Gedanken, weder über eine mögliche Arbeit als Creative Director für eine Firma, noch über das Einkleiden von Persönlichkeiten, genauso wenig über die Arbeit anderer Designer. Andere Designer habe sie in Berlin bedauerlicherweise auch nicht sehen können, doch die Stadt wirke sehr energetisch auf sie, weshalb sie sich auch gut vertreten fühle. Sie merke, wie hoch die Nachfrage sei, vor Allem bei Jungdesignern und das findet sie gut. Einmal im Jahr besuche sie Berlin, und sei dabei oft in Neukölln, wobei sie sich dabei nicht sicher sei, denn die Stadt empfindet sie als riesig, deutlich größer als Wien. Die Modeszene in in Wien hingegen sei relativ klein. Zwar gäbe es sehr viele talentierte, junge Designer, die dort arbeiten, aber es sei alles noch ein bisschen kleiner und langsamer. “Wien ist keine supergehypte Modestadt.”

Supergehypt hingegen is zurzeit Pharrell und Eminem, die ja doch mittlerweile zu Ikonen aufsteigen könnten, wenn sie es nicht sogar schon sind. Die Rapper begleiteten im Remix eines Freundes zur klassischen Melodie ihre Kollektion. Die Musik spiegele ihre Kollektion wieder: Klassisch, aber durchbrochen. Sportlich, feminine Elemente wollte sie dabei in ihrer Kollektion haben. Da entwarf sie ganz nach den aktuellen großen Kollektionen, wo Sportlichkeit eine immer größere Rolle spielt. Ihre Kollektion ist nicht geleitet von einem künstlerischen Gedanken, sondern viel mehr von den äußerlichen Codes der DNA wie auch aktuellen Trends in ihrer eigenen Sprache, und vor Allem Technik des neudefinierten Raumes des weiblichen Körpers. Aber über ihre eigene Kollektion möchte sie gar nicht so viel sprechen, denn die müsse so gut wie möglich werden, dass sie für sich selbst sprechen kann. Und das kann sie.

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