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Der türkische Superstar Wilma Elles im Gespräch

Es gibt wenige Menschen, die eine so faszinierende Aura und Ausstrahlung haben wie Wilma Elles.  In Deutschland erkennt sie außer den Deutsch-Türken kaum einer, doch in der Türkei ist die blonde Schauspielerin unter dem Namen „Carolin“ mit gerolltem R so ziemlich jedem der 73 Mio. Einwohner bekannt. In Düren aufgewachsen, studierte sie neben der Teilnahme an einer Schauspielschule Islam- und Politikwissenschaften. Gelandet ist sie in der Stadt am Bosporus und funkelt dort im wahrsten Sinne des Wortes als Superstar. Ihren Namen Wilma hat sich mittlerweile jeder gut eingeprägt. In der Serie „Öyle Bir Geçer Zaman Ki“ („So wie die Zeit vergeht“) spielt Wilma Elles die Hauptrolle der holländischen Schönheit, die in den 1960-ern eine Liason mit dem verheirateten Kapitän Ali beginnt. 20 Millionen Zuschauer verfolgen die dramatische Serie jeden Mittwoch Abend gespannt. Und mittlerweile gehört die Türkisch-Deutsche, wie sie sich selbst nennt, zu den beliebtesten Schauspielerinnen und Models der gesamten östlichen Welt. Zur Berlin Fashion Week ist sie vergangene Woche gekommen, um für die Istanbuler Designer nicht nur in dem einstigen byzantinischen Zentrums zu laufen, sondern auch für die Kollektionen von Burce Bekrek, Günseli Türkay und Zeynep Erdogan im Rahmen der Show ISTANBUL NEXT. Mit einzigartiger Klasse, Grazie und Ausstrahlung einer talentierten Schauspielerin hat sie während der Fashionweek ihre Eleganz als Model bewiesen. Nachdem sie in der türkischen Elle und Vogue erschienen ist, hat die 25-jährige für das große türkische Modehaus Adil Isik nun die Kollektion „Maya“ entworfen, für die sie auch selbst gekonnt posiert. In einem kurzen Gespräch konnte ich mit ihr über ihre Kollektion, Istanbul und die deutsch-türkische Mentalität sprechen.

Wilma Elles muss man sich übrigens als ununterbrochen lächelnden Menschen in Gesprächen vorstellen. Ob vor der Kamera im türkischen Fernsehen oder vor mir während Interviews, trägt sie ihr Lächeln mit ganz natürlicher Art, als sei es ein Teil ihrer selbst.

Du läufst für türkische Designer der Istanbul und Berlin Fashion Week, aber du hast auch selbst eine Kollektion erst kürzlich entworfen.

Wilma: Jaaa. (ganz euphorisch)

Vielleicht magst du uns etwas dazu erzählen.

Wilma: Also das ist zum Beispiel ein Teil von der Kollektion. (zeigt ihr Outfit)

Das sieht wunderschön aus.

Wilma: Danke. Es ist eine Feng-Shui-Kollektion, die wir gemeinsam mit der Firma Adil Isik machen. Ich interessiere mich seit meiner Kindheit für Feng-Shui, Aura, Energien. Ich habe zum Beispiel festgestellt, dass ich immer nur nach Westen oder Norden schlafen kann, und nicht nach Süden oder Osten. Auch habe ich festgestellt, dass ich Anderthalb Jahre nur Schwarz getragen habe und als ich in die Türkei gekommen bin, plötzlich Rosa, Orange. Und da habe ich mir überlegt, woran das liegen könnte. Und so kam das Interesse, Feng-Shui-Kleider zu entwerfen, die nach den Himmelsrichtungen ausgerichtet sind, Hypnosezeichen tragen, und subliminale Botschaften abgeben.

Also in Kooperation mit Adil Isik. Und wann gibt es die zu kaufen?

Wilma: Genau. Die Teile aus der Kollektion sind zurzeit auf dem Markt. Adil Isik hat 300 Geschäfte weltweit, und wir machen jetzt die Sommerkollektion, die es auch online zu kaufen gibt. Die Kollektion besteht aus 26 Teilen, die jede Woche um 10 neue Teile erweitert wird. Wir haben Badeanzüge, Abendkleider, Bürokleidung, aber vor allen Dingen Abendkleider, weil ich auch sehr gerne Kleider anziehe. Und lange Röcke! Ich liebe im Moment lange Röcke, wie du!

Ja, es steht dir auch sehr gut. Du wirst es sicher öfter gefragt, aber wie ist es für dich als „Deutsche“ in der Türkei?

Unglaublich.

Ja, das merkt man, dass es dir gefällt!

Wilma: Man sag ja hier in Deutschland gibt es „Deutschtürken“ und ich fühle mich mittlerweile als „Türkisch-Deutsche“. Ich bin total beeindruckt von der Stadt,den Menschen und ich habe mich sofort wie zu Hause gefühlt. Es war ein so harmonisches Einleben mit den Leuten, mit denen ich mich prima verstehe. Ich liebe zum Beispiel den Verkehr in Istanbul. Bisschen spontan, flexibel – ich bin genauso! Und der Bosporus! Wo gibt es eine schönere Stadt allein von der Landschaft und den Wetterbedingungen? Und das Essen ist so gesund! Hier gibt es auch gutes Essen, keine Frage, es ist eben mehr für eine kältere Gegend gemacht, aber in Istanbul gibt es so viel Gemüse.

Ja, das stimmt. Und wie haben die Türken die türkische Deutsche aufgenommen? Mit der Mode hat sich die Kooperation auch sehr schnell ergeben. 

Wilma: Ja, sehr gut. Istanbul ist ja auch eine Modestadt. Alles wird dort produziert, mittlerweile wird ja auch in Asien produziert, aber hauptsächlich in Istanbul und deswegen lag es für mich auch auf der Hand, diese Kollektion zu machen. Denn ich habe ganz viele Schneider kennengelernt, und hatte Mode-Shootings mit der Vogue und Elle und dann habe ich bei der Fashionweek mitgemacht. So habe ich mich dann immer mehr dafür interessiert. Istanbul hat mich wirklich auf den Trichter gebracht. Hier in Deutschland wäre es viel schwieriger gewesen, so eine Kollektion zu entwerfen. Denn dort sind alle Stoffe der Welt, denn die kommen da ja über die Seidenstraße.

Genau, so hat man viel mehr Möglichkeiten.

Wilma: Genau. Ich rate allen immer, nach Istanbul zum Shoppen zu kommen! Allein die Shoppingcenter sind so groß, Istinye Park zum Beispiel, das habe ich nirgendwo gesehen. Dort ist auch eine meiner Boutiquen.

Toll! Wie genau kann man sich die Boutique vorstellen?

Wilma: Adil Isik ist ja sehr groß, und darin gibt es einen Teil, also eine Boutique für die Maya Kollektion. Die heißt übrigens Maya-Kollektion, da dieses Jahr 2012 das Maya-Jahr ist. Alle Planeten werden in einer Reihe sein und man sagt, dass sich die Frequenz der Welt erhöht und zu Wetterunruhen führen. Alle Menschen müssen ihre Energie nach oben ziehen, um mit dem Tempo des Universums mitzuhalten. Und dafür ist die Kollektion gemacht.

Das ist sehr schön. Du bist ein Mensch, der die Harmonie liebt?

Wilma: Ja, auf jeden Fall.

Sagen die Türken zu dir eigentlich noch „die Deutsche“? In den Medien weniger oder?

Wilma: Manchmal sagen die zu mir „yenge“, dann bin ich am glücklichsten, weil ich das so sympathisch finde, und dann freu ich mich immer total.

(Als die Pr-Agentin von Wilma fragt, was yenge bedeutet, antwortet Wilma: So wird die Freundin vom Freund genannt. Also füge ich noch hinzu: Wortwörtlich ist die „yenge“ die Frau vom Onkel, aber das benutzt man auch so im Alltag ganz gern.)

Wilma: Die entfernte Familienangehörige. Aber manchmal sagen die auch „abla“ (Schwester) und dann bin ich ganz beglückt.

Aber die erkennen dich immer auf der Straße, stimmts?

Wilma: Sofort.

Weil ich einen deutschen Akzent habe, wird mir gesagt „du redest wie Carolin“.

Wilma: Wirklich?

Jaaa. Meine Tante findet dich auch ganz toll. Alle finden dich ganz toll.

Wilma: Danke.

Meryem ist ja halbdeutsch. Aber bei dir ist es so, dass beide Elternteile deusch sind und du mit deinem blonden Haar auch so aussiehst.

Wilma: Bist du ganz türkisch?

Ja, beide Elternteile kommen aus der Türkei.

Wilma: Aber bei dir ist es ja genau das gleiche.

Es ist auf jeden Fall sehr ähnlich.

Wilma: Ah ja, du bist ja hier geboren und ich bin dort erst seit zwei Jahren.

Aber willst du für immer da bleiben?

Wilma: jaa, das könnte ich mir schon vorstellen. Aber da, wo die interessanteste Arbeit ist, da bin ich glücklich.

 Genau, du bist ja Schauspielerin. Du warst ja auch vorher am Theater. Aber „Öyle bir zaman gecerki“ feiert sogar internationalen Durchbruch.

Wilma: Genau. Die Serie wird jetzt ausgestrahlt in Aserbaidschan, Algerien, Kuwait, Iran, Iraq, Saudi Arabien, Zypern, in so vielen Ländern. In Mazedonien ist es gerade ein großer Hit. Da muss ich unbedingt hinfahren.

Kivanc Tatlitug gilt als Brad Pitt des Osten und du bist neben ihm auch eine der größten Stars, die man in jedem der östlichen Ländern kennt. Und hier in Deutschland bekommt das kaum einer mit.

Wilma: Viele wissen das, aber sie können mich nicht sofort erkennen. Die wissen, dass eine deutsche Schauspielerin in der Türkei in einer Serie mitspielt, aber wenn ich denen das sage, „aah ja, habe ich gelesen“.

Aber wie war das für dich, als feststand, dass du in die Türkei gehen wirst. Was hattest du für ein Bild und wie hat sich das verändert?

Wilma: Ich wusste halt, dass Istanbul eine Weltstadt ist. Wenn man von Köln, einer 1 Mio. Stadt in eine 20-Mio Stadt zieht, ist das in jedem Fall sehr schön.

Und was für ein Bild hattest du von der Mentalität?

Wilma: Ich wusste natürlich, wie die Mentalität sein wird, aber ich war nur positiv überrascht. Aber es ist so, dass mir meine Familie sehr nah ist. Ich habe vier Geschwister, und der Familienzusammenhalt ist bei uns ganz groß geschrieben.

Wie lange geht die Serie, in der du spielst, noch?

Wilma: Eine Saison. Aber man weiß es noch nicht genau.

Und hast du schon neue Projekte?

Wilma: Ich beginne jetzt mit einem türkischen Kinofilm für den Sommer.

 Da bin ich echt gespannt. Darfst du schon verraten, worum es geht?

Wilma: Nein, leider nicht. Aber es ist eine Komödie. Zum ersten Mal spiele ich in einer Kömodie mit.

Um es aus der Perspektive einer Schauspielerin betrachten zu können: Wie unterscheiden sich die türkischen Serien von deutschen?

Wilma: Die sind viel hochwertiger produziert. Es sind Wochenserien, die ins Ausland verkauft werden. Wir haben für eine Massenszenen mit 300 Komparsen, das gibt es eben in Deutschland nicht. Wir drehen in Locations mit Schiffen, Helicopter. Es hat auch einen Riesenbudget. Deutsche Serien sind auch gut, aber auf eine andere Art und Weise, es sind Tagesserien.

Und im Vergleich zum Theater, hast du da manchmal das Gefühl, das du durch die Serie künstlerisch eingeschränkt wirst?

Wilma: Nein, überhaupt nicht.

In der Serie „yalan dünya“ wird genau das immer kritisiert. Da stellen die genau die als Karikatur dar, die von sich selbst behaupten Künstler zu sein, aber in billigen Serien mitspielen.

Wilma: Ja, ich liebe die Serie.

Du kannst mittlerweile so gut türkisch, dass du das alles verstehst, das ist echt toll!

Wilma: Ja, Witze verstehen, das war auch immer das Wichtigste für mich.

Bilder: Van Anh Le Thi (danke!) und Meltem Toprak

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6 Comments

  1. […] Istanbul nach Berlin kam, um für die Designer im Rahmen von ISTANBUL Next zu laufen, durfte ich ein Interview führen, um sie besser […]

  2. marcy aguilar- haschle says:

    ich würde gerne einen katalog!! oder in intermet eine adresse
    ich lebe in berlin… danke!!!
    tolle kleidung… wunderschön…

  3. Karen Westermann says:

    Ich habe Wilma Elles zum ersten Mal in der NDR-Talkshow gesehen – eine tolle, inspirierende Frau! Ich wüsste auch gern, wo ich die Maya-Kollektion bestellen kann! Für eine kurze Nachricht wäre ich sehr dankbar!

    1. Meltem says:

      Liebe Marcy und Karen,
      Wilma Elles ist wirklich eine tolle Frau, die ganz spezielle Kleidung entworfen hat. Zurzeit sind die Kleider nur über die türkische Seite http://www.adilisik.com/adl-maya_urunler-70 zu bestellen. Die Teile werden leider nur innerhalb der Türkei versendet. Jedoch habe ich die Firma Adil Isik diesbezüglich kontaktiert und gefragt, welcher Service für Kunden aus Deutschland angeboten wird. Sobald ich eine Antwort erhalte, verkünde ich die Nachricht unter diesem Artikel und gerne noch einmal per E-Mail.

      Viele Grüße,
      Meltem

  4. absolut eine wunderschöne brett frau ! charme , charisma , ausstrahlung ! da wird jeder türke schwach ! plus …… sie ist keine naive sondern gebildet ! bin gespannt welcher türke sie heiraten wird !

  5. hedi nannen says:

    Frau Elles,
    sie sind eine schöne frau. ich möchte ihnen aber trotzdem nahe legen, doch ihren deutschen pass abzugeben, wenn sie sich so sehr mit dem diktator erdogan identifizieren, durch den sie sicherlich viele privilegien und vorteile haben, die ihnen schmeicheln.
    aber dann bleiben sie doch bitte in der türkei und nutzen nicht noch die privilegien, die ihnen deutschland als demokratisches land bietet. Sind sie soooo blind bzw. verblendet, dass sie die auswirkungen dieser diktatur, die so viel unermessliches leid für andersdenkende in der türkei mit sich bringt, nicht sehen?
    Ich muss leider sagen, ich kann sie nicht verstehen. Aber auch hitler hatte viele frauen, die die naehe zur macht faszinierte und sie hörig und gefügig machte.
    Ich bin rentnerin und im krieg geboren, den dieser deutsche diktator angezettelt hat, das muss ich nicht noch einmal auf europäischem boden erleben.
    Meistens haben diktatoren ein geringes selbstbewusstsein, deswegen schmücken sie sich auch gerne mit schönen frauen, und schöne frauen fühlen sich zu männern, die macht besitzen, hingezogen. Dies haben sie auch ausgestrahlt in der heutigen sendung von frank plasberg „hart aber fair“. Wie gesagt, dann könnten sie doch in der türkei bleiben. sie haben da ja nicht’s zu befürchten. Und die türkei ist ja ansonsten ein wirklich schönes land.
    hedi nannen

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