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Wo die Liebe hinfällt…

…zeigte neulich die Dokumentation „Ein Tag in Teheran: Der Schönheitssalon“ (2018) auf arte. Begleitet wurde eine Kosmetikerin in ihrem Alltag. Neben all‘ ihrer Tätigkeiten im Beautysalon, sieht man sie also dabei, wie sie sich auf der Suche nach dem richtigen Mann macht. Sie scheint sich auch umzuhören; Angebote und Arrangements ihrer Kundinnen lehnt sie allerdings ab, und das obwohl die 36-jährige Protagonistin insbesondere in jenem Kulturraum als zu alt zum Heiraten gilt. Vor Dates kann sie sich aber und gerade auch deshalb kaum retten. So zum Beispiel vor dem des Herrn, der vergeblich versucht, sie davon zu überzeugen, ihm eine Chance zu geben. Er bettelt, sie lehnt ab.

Grund dafür ist die Tatsache, dass er schon einmal verheiratet war. Erneut in diesem Kulturraum ist es ein fauxpas, verheiratet gewesen zu sein, doch trifft dies im Grunde oft eher auf die Frauen zu. Dass sie daher so stark ablehnt, verwundert. In europäischen Ländern wie Deutschland ist dies eher geläufig; und selbst in der Türkei arrangieren sich oft ältere Frauen (auch eigenständig), um den Bund der Ehe einzugehen, um nicht „evde kalmis“ zu sein. Was auf Deutsch mit so viel wie „du bist zu Hause geblieben, wie bestellt, aber nicht abgeholt und uninteressant bzw. bemitleidenswert ledig“ übersetzt werden kann, wird häufig scherzhaft oder beleidigend dann benutzt, wenn eine Frau keine Interessenten hat, oder im heiratsfähigen Alter, insbesondere im fortgeschrittenem zu Hause bei den Eltern wohnt, und damit zu Hause geblieben ist.

Die selbständige Masume, die im Fokus dieser Geschichte steht, wäre in diese Kategorie gefallen, wenn sie nicht das zweite Mal vermutlich aus eigener Entscheidung heraus, ablehnte und durch Misstrauen gegenüber der stigmatisierten Zweitehe sich für Autonomie entschieden hat. Für sie ist der Familienstand des interessierten Mannes ein Ausfallkriterium wenngleich sein Interesse doch im Grunde ein – wenn nicht das wichtigste – Kriterium für das Kennenlernen ist, das erfüllt wird.

Aber es bleibt offen, denn solange sie bei der Liebe das tut, was das Gefährlichste sein kann, das eine Frau tun kann, nämlich verhandeln, bleibt ihr für die Zukunft aus Angst und Stigmation, genau das verwehrt, wovon sie nicht einmal zu träumen wagt: die liebevolle Zweisamkeit.

Den gesamten Beitrag gibt es zurzeit hier, besagte Szene ab Minute 24:30. Bilder: Screenshots des Films „Ein Tag in Teheran – Der Beautysalon“

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