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Als Frau von John Lennon wurde sie gehasst, als Avantgarde-Künstlerin und Ikone gefeiert und geehrt. Die Schirn Kunsthalle Frankfurt widmet Yoko Ono zum 80.Geburtstag die Retrospektive “Half-a-wind Show”, welche vom 15.Februar bis 12.Mai laufen wird.

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Wer ihr bereits mit dem Video “Cut Piece” begegnet ist, indem sie sich bei der Partizipations-Performance Stück für Stück von Besuchern die Kleidung vom Leib zerschneiden lässt, wird im Museum mit einem Euvre bestehend aus nahezu 200 Objekten konfrontiert, das einen Blick auf eine der vielseitigsten Künstlerinnen unserer Zeit werfen lässt. 1933 als Tochter eines Pianisten und Enkelin eines wohlhabenden Bankiers in Tokyo geboren, wuchs sie zwischen Japan und Amerika auf. Sie besuchte die Jiyu-Gakuen-Musikschule,wo sie das Klavierspielgen und Komposition lernte. Sie war die erste Frau, die an der Gakushūin-Universität als Philosophie-Studentin zugelassen wurde, führte das Studium jedoch in New York fort, wo sie auch Musik am Sarah Lawrence College neben klassischen deutschen Liedgesang studierte.

Hatte sich die Fluxus-Künstlerin in New York und Tokyo bereit mit Solo-Ausstellungen und Performances einen Namen gemacht, führte sie in London “Cut Piece” auf. Liebe auf den Blick war es, als John Lennon Yoko Onos Ausstellung in London im Jahre 1966 besuchte. Ihre Popularität nutzte das Künstlerpaar fortan aus, um Massen politisch zu ambitionieren und mit Songs wie “Give Peace a Chance “, der Bed-in Pressekonferene nach der Eheschließung am Bett gegen den Vietnam-Krieg oder Plakaten mit der Aufschrift “Fly” oder “War is over” gemäß dem Credo “make love, not war” für Liebe und den Weltfrieden zu kämpfen. Gemeinsam mit dem Song “Women is the Nigga of the world” setzten sie ein Statement in die Welt, das damals zwar sehr kontrovers behandelt wurde, jedoch selbst bei einigen Schwarzen Zustimmung fand. Die Schirn lässt auch auf ihre feministische Arbeit einblicken. Der 1970 entstandene Underground-Kurzfilm “Fly”, der als Anti-Hollywoodästhetik verstanden werden kann, zeigt die Performerin Virginia Lust wie sie nackt auf einem weißen Bettlaken liegt und aus Sicht einer Fliege erkundet wird. Ihre Sehnsucht nach Freiheit offenbare Yoko Ono mit dieser Inszenierung, kritisiere gar dass das 1970 erwünschte weibliche Verhalten der Gesellschaft noch immer der nackte und bewegungslose Frauenkörper” sei. Schirn Direktor Max Hollein Kuratorin Dr. Ingrid Pfeiffer und Kurator Jon Hendricks lassen auf ein Schaffen von 60 Jahren blicken, das in Yokos Worten bei der gestrigen Pressekonferenz jeden Besuchern zum Künstler machen. Werke der Literatur, Konzept- Film-Performance und Musikkunst nehmen den Betrachter mit in die Friedens- und Frauenbewegeung, lassen an der Vorstellungskraft, den Mut und der Poesie an einer der bedeutendsten Künstlerinnen der Kunstgeschichte teilhaben.

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Water Talk by Yoko Ono

Water Talk by Yoko Ono

 

Freedom by Yoko Ono

Freedom by Yoko Ono

Als die 80-jährige Dame vor mir saß, fragte ich mich selbst, wie werde ich die nächsten 58 Jahre füllen können? Vor allem ihre feministische Arbeit beeindruckte mich sehr. Mit “Cut Piece”, “Fly” und “Freedom” hinterfragte sie die manifestierten Rolle der Sexualität einer Frau. Bilder ihrer Jugend zu sehen, ließ mich wünschen, in den vergangenen Zeiten sein zu wollen. Wir sollten zufriedener als je zuvor sein. Wo auch immer wir her kommen, unsere Eltern wünschen sich für uns ein gutes Leben. Aber ist noch etwas auf der Welt übrig geblieben, wofür wir kämpfen könnten? Können wir denn also mit dem zufrieden sein, was wir schon ganz selbstverständlich haben? Es ist ein “mind game”, das man nur verlieren kann. Ich habe beschlossen, dass etwas zu tun, manchmal besser ist, als zu denken. Man muss versuchen aus der Blase, in der man sich befindet, zu befreien.

Schirn Frankfurt: 15th february – 12th may 2013, Louisiana Museum of Modern Art, Humlebæk: 1st June – 15th September

Danke, Yoko.

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