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Beiden Schwestern liegt eine Ausstrahlung zugrunde, aber nur Beyonce ist es, die im Vordergrund steht. Trotz des hohen Erfolges, der Kunst und dem Risiko, neue Wege eingeschlagen zu haben, ist Beyonces jüngere Schwester Solange erst mit einem Video einer breiteren Masse bekannt geworden. Jenes Video, das von einem Mitarbeiter aus dem Abteil der Sicherheitsverwaltung ungefragt veröffentlicht wurde, zeigt eine Schwester, die die Wut vor dem Ehemann der eigenen, älteren Schwester nicht zurückhalten kann. Über die Tritte jener Auseinandersetzung wurde die ganze Welt informiert, wer diese beiden Schwestern zusammen aber sind, weniger. Beyonce Knowles geboren 1981 im texanischen Houston wurde gerade wegen ihres Talents darauf getrimmt, ein Superstar zu werden, wie Britney Spears und viele ihrer Generation. Bevor es mit ihrem ersten Album „Dangerously in Love“ 12 Mio. Platten werden sollten, die sich unter ihrem eigenen Namen verkauften, war sie Teil der erfolgreichen Girlband Destiny’s Child. Mit Hits wie „I‘m a Survivor“, „Bills, Bills, Bills, oder „Independent Women Pt. 1“ schafften sie den Durchbruch, steuerten dabei aber insbesondere in den USA zu einem positiveren und emanzipatorischen Frauenbild bei, das von Unabhängigkeit der afro-amerikanischen, amerikanischen, wenn nicht universalen Frau geprägt werden sollte.

Einene ähnlichen Ansatz verfolgte Queen B wie sie derweil genannt wird auch in ihrer Solokarriere. Starke Tanzeinlagen paarten sich mit einer verletzbaren Weiblichkeit. Zum Auftakt diente ihr erster Song “Crazy in Love” im Jahr 2003, ein Song, den sie mithilfe ihres jetzigen Ehemanns Jay-Z aufnahm. Ihr erster Auftritt zeigte sie bereits als Powercouple. Doch zehn Jahre später sollte “Bow Down Bitches” ihren selbstverdienten Erfolg einmeißeln mit dem Ausruf, nicht die kleine Ehefrau eines Megastars zu sein. Die größte Zeit, sich selbst zu entdecken, stand ihr also noch bevor. Zuvor nämlich erklärte sie in einem der raren Interviews mit Talkmasterin Oprah Winfrey noch; “bevor sie die Frau eines Mannes sein wolle, wolle sie ihr eigenes Leben haben.” In ihrer Musik fand der Feminismus nochmal in “Lemonade” seinen Höhepunkt.

So sehr der sogenannte „Beyonce-Feminism“ kritisiert wurde – selbst von jener Dame, die von Beyonce in ihrem Konzeptalbum zitiert worden war, nämlich Schriftstellerin Chimamanda Ngozi Adichie- so erreichte Beyonce mit ihrem Feminismus selbst die vordersten Reihen des Modehauses Dior. So unfeministisch er auch empfangen wurde, so wirkungsvoll war er. Denn Zu Zeiten von Destiney’s Child nämlich hatten Michelle Williams, Kelly Rowland mit Beyonce Knowles Massen an jungen Frauen und Mädchen in der ganzen Welt für sich gewonnen. Die vom Vater des Megastars gemanagte Gruppe schaffte es, strahlende Gesichter vor die Fernseher zu bewegen. Beyonces jüngere Schwester, Solange Knowles, geboren 1986, muss damals noch in Kinderschuhen gesteckt haben. Und dennoch war der Startschuss ihrer Karriere, die sie mit gerade einmal mit 17 Jahren begann, ein Soloalbum, das „Solostar“ hieß. Das Cover zeigt die junge Frau mit jamaikanischer Rastacappy. Und obwohl ihre Musik anfangs nie die Wellen hat schlagen können, die von ihrer Schwester in Kraft gesetzt wurden, so schien Solange doch einen eigenen Weg eingeschlagen haben zu wollen. „Losing you“ beispielsweise zeigte sie an der Seite ihrer Freunde an einem kleinen Ort in Südafrika, dessen „vibe“ sie habe einfangen wollen, nachdem sie die Arbeit eines Fotographen gesehen hatte, der die kongolesischen Sapeurs zeigte wie sie 2012 dem Musikmagazin The Fader erzählte. Die sogenannten Sapeurs, die ihren Ursprung im Kongo haben, sind eine Subkultur, die modisch dem Stil der französischen Dandys nachsagt. Dem Bild von einem armen, kulturlosen Afrika konnte sie trotzen.

Auch als ihr Haar 2017 von einer britischen Lifestyle-Zeitschrift schlicht wegretuschiert wurde, reagierte die Künstlerin empört: „Dont touch my hair“, rief sie aus. Die Frisur, die angelehnt an die schwarze Madonna war, sollte eine Odé an die schwarze Erzählung der Bibel darstellen, die ja doch selbst in amerikanischen Büchern häufig zu kurz kommt und afro-amerikanische Kinder daran hindert, etwas über ihre eigenen Wurzeln wie auch die Migration und Sklavarei vollständig zu lernen. Aus dem Gedanken, ihre Geschichte selbst erzählen zu wollen – ob sie denn nun visuell gefiel oder nicht – wurde ein blondierter Buzzcut, womit er nur noch wenig gemein hatte mit eben jener ursprünglichen Idee. Und so passiert es, dass sie zur Met Gala ihr Haar erneut in jenem Stil präsentierte. Auch Beyonce schien auferstanden zu sein. Als der schwedischen Marke H&M ein großer Fauxpas unterlief, reagierte die Welt erneut empört. Das Shirt, für das ein dunkelhäutiges Kindermodel warb, hatte die Aufschrift: “”coolest monkey in the jungle”. Die Firma musste sich aufgrund einer unsensiblen Marketingkampagne der Verantwortung unterziehen. Denn erneut wurde nach all’ den Jahren der Sklaverei, Verschleppungen und Anfeindungen ein Rassismus reproduziert, der selbst heute noch unter einer “White Supremacy” gelebt wird.

“Apeshit” entstand. Ein Lied des Paars eines gemeinsamen Albums namens “The Caters”, dem ersten Studioalbum des Ehepaars Beyonce Knowles und Jay-Z. Und auch dann schien die Reise nicht beendet. Nach den politisch behafteten Alben „Lemonade“ und „The Carters“ bot sich die Gelegenheit, “The Gift” aufzunehmen, ein Album, das angelehnt an die Neuverfilmung des Disneyklassikers „König der Löwen“ ist. Der Protagonistin Nala lieh Beyonce ihre Stimme für den Film, an ihrer Seite Donald Glover in der Stimme des Hauptcharakters Simba. Glover, der auch auf dem Album „The Gift“ zu hören ist, nachdem er mit „This is America“ unter seinem Rap-Pseudonym “Childish Gambino“ bereits alle Blicke der afro-amerikanisch geprägten Musikindustrie – und szene auf sich zog und damit auf den aktuellen Stand der amerikanischen Polizeigewalt und schwarz-weiß Rassismen aufmerksam machte. Beyonce aber, und inzwischen war ein Jahr vergangen, wollte noch einen anderen Beitrag leisten. Politisch wie sie ist sollte „The Gift“ mehr sein als alles andere, was sie bisher gemacht hatte. Ziel war es, die Herkunft ihrer, und damit aller afro-amerikanischer diskreditierter und jahrelang durch die Geschichte hindurch gefolterter Bürger in ihrem Reichtum, ihrer Phantasie, ihrem Einfall und ihrer Lebenskraft zeigen und einen neuen Standpunkt zu setzen und bewirken. Über die Grenzen hin hat Beyonce mit ihrem eigenen Team, Musiker wie Burna Boy mit “J ara” oder Tekno „Dont Jealous me” ein Forum für Contemporary African HipHop, Rap und Pop geboten, und ein wenig mehr Aufmerksamkeit verschafft. Die eigene Berührung aber mit den Wurzeln schien ein weiterer Grund gewesen zu sein, dieses Album aufzunehmen wie die Dokumentation zum Album “The Gift” zeigt.

Es scheint, der Einfluss der jüngeren Schwester bleibt nicht unverkennbar. Und so verneinten künstlerisch-intellektuelle Aufrtritte der Solange Knowles in der Hansestadt Hamburg für eine selbstproduzierte Show in der Elbphilharmonie wie auch der Sydney Opera keineswegs ihren Stil. Beyonce Knowles wie auch Solange Knowles sind ein Teil jener Bürger Amerikas, denen über öffentliche Institutionen selten etwas über die eigene Kultur gelehrt wird. Und somit wollen sie ihr einmal selbst Ehre zuteil kommen lassen. Denn weder im amerikanischen Kontext noch in Geschichtsbüchern wird aufgezeigt, wie die Kultur der afro-amerikanischn Bürger Amerikas aussieht, woher sie kommt, wohin sie fuhr. Und ein Teil ihrer eigenen Identität als Teil des Königshauses zu sehen, scheint ein Herz zu erfüllen.
Denn mit Freude überströmt umarmte vergangenes Jahr Beyonce Meghan Markle, die Hollywood-Schauspielerin mit afro-amerikanischen Wurzeln, die zur bekanntesten Prinzessin aufgestiegen war, und rief dabei ohne Erlaubnis „my princess“ aus. Als hätte man ihre Wunde versalbt. Nicht nur Stolz, sondern vor allem Respekt und ein Aufatmen scheinen da bei jenem Treffen der berühmtesten Ehepaare des Jahrhunderts aufeinandergetroffen zu sein, nachdem jene Premiere des Films „The Lion King“ in London ein Zusammentreffen veranlasste. Zuvor hatten Jay-Z und seine Gemahlin statt einen britischen Preis persönlich abzuholen, eine Videobotschaft zur Übergabe ausstrahlen lassen, die sie vor einem Porträt der damaligen Prinzessin von Duchess zeigte. Dem größten Superstar-Paar ist trotz und gerade des Erfolges nicht weniger wichtig, jene Message zu versenden. Und dies könnte, ist es doch zu einer Art Familienangelegenheit, – und dummerweise nebenbei gesagt zu dem selbstverständlichen Recht jedes amerikanischen Bürgers afroamerikanischer Wurzeln inbesondere zu Zeiten von Trump – geworden, die jene, die sich so sehr im Fahrstuhl zankten, wieder einander näher gebracht zu haben, wenn auch nur innerlich mit selbiger Agenda. Denn Rap und Musik, was auch den Erfolg des HipHops heute noch erklären mag und rechtfertigt, sind nach wie vor das Mittel als politisches Medium, das eingesetzt wird, wenn die eigentliche Politik versagt. Beyonce und Solange Knowles wollen sich ihre Identität nicht nehmen lassen. Da sind sich die Schwestern einig.

Bilder: Sony Music, instagram.com/saintrecords

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