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Wer Mia Kang auf Instagram begegnet, wird erst einmal übermannt von ihrer Haut sein. Das 1988 geborene Topmodel mit britisch-südkoreanischen Wurzeln beherrscht Hasthag Skincare wie vermutlich kein anderes Model und It-Girl, das zwischen Hong Kong und New York lebt.

Interessanter aber an dem Model: ihre Geschichte. Denn in ihrer neu erschienenen Biographie “Knockout” erzählt sie von ihrer Zeit als Mobbingopfer im Kindesalter, einer stürmischen Karriere in der Modelindustrie und dem eisernen Weg zu einer kämpferischen Mua Thai-Sportlerin in Phuket.

In ihren Memoiren erkennt die junge Autorin wie ihre Mobbingerfahrung als vermeintlich Übergewichtige ihre Esstörung in der Modelindustrie beförderte. Auch den Drogenkonsum tabuisiert sie dabei keineswegs. Ihr Buch ist eine Aufklärung, gleichzeitig aber auch eine knallharte Abrechnung. Junge Menschen, die dem in der Gesellschaft vorherrschendem Magerwahn, aber auch einem Alkoholmissbrauchsfall in der Familie und weiteren unannehmbaren Schwierigkeiten ausgesetzt sind, werden Mia Kang’s Worte helfen können, sich selbst zu verstehen, und dabei auch mit der nötigen Distanz und gleichzeitigen Nähe der Erfahrung ein Stück mehr zu sich selbst finden zu können.

Triggerwarnung: Die beschriebenen Situationen könnten allerdings ungeahnte, alte Wunden aufreißen. Für Jugendliche, die gerade in einer Therapie oder Behandlung sind, ist das Buch nicht empfehlenswert. Für Erwachsene, die das Dahinter jener Schlagwörter, die so sehr das Leben junger Frauen dominieren, erfahren möchten, eine lesenswerte, und gleichzeitig auch unterhaltende Lektüre, bei der die Autorin mit Ehrlichkeit, Kritik und einer außergewöhnlichen Hingabe zum Schreiben hin offenkundig in die Welt einer Frau einführt, die es besser machen will. In aller Jugendnostalgie mit einer großen Portion Selbsterkenntnis für das eigene, jüngere Ich.

“Knockout” von Mia Kang, Erstveröffentlichung in Englisch, Oktober 2020, erschienen über Abrams Press, 21,99 Euro

Im Buch “Das ist auch unser Land” stellt Journalistin Cigdem Toprak eine Reihe verschiedener Persönlichkeiten und Betroffene vor, die dieses Land zu ihrigem zählen. Die aufstrebende Journalistin hat sich dabei auch einem 4-er Gespann angenommen, dass Deutschland noch auf sich warten lässt. Die Dulatov-Brüder.

Wie aus dem starken Namen schon hervorgeht: es handelt sich um vier Kämpfer, die allesamt nicht nur Kampfsportler in Mixed Martial Arts sind, sondern auch ihre Umwelt in ihre eigene persönliche Welt mitnehmen.

Einer interessanter als der andere, erzählen Tamerlan, Sulumbek, Djibril und Islam Dulatov in “Das ist auch unser Land” von ihren Erfahrungen als Geflüchtete, die aus Tschetschenien nach Deutschland kamen.

Obwohl sie gemobbt und diskriminiert wurden – sowohl von der eigenen Community, als auch der Mehrheitsgesellschaft – haben sich die Dulatov-Brüder ihren eigenen Weg erkämpft. Sie sind alle vier zu Profisportlern und Models herangewachsen.

Islam Dulatov ist dabei nicht nur Sinnbild gegenüber aller Vorurteile hinsichtlich Religion, Herkunft und Potentiale, die diese vier Jungs in sich vereinen, sondern auch jener, der einen Exklusiv-Vertrag mit Versace hat, und dabei sogar mir als Teil jener Community ein – wenn ich so “schreiben” darf – stolzes Lächeln auf die Lippen zaubert.

Bild: htttp://superbe.co/talent/islam-dulatov/