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Als ich das erste Mal in Offenbach ankam, dachte ich, ich sei angekommen im Himmel. Im türkisch-alevitischen Glaubenssatz gibt es einen Spruch, der besagt, Paradies und Hölle seien nicht im Jenseits, sondern im Diesseits vorzufinden. Ich kam an in der wunderschönen Frankfurterstraße, war begeistert von einer Agentur, die so schick in ihrer Außenfassade ist, dass sie auch im sehr viel schickeren Soho Londons hätte stehen können. Warum der Standort der Foodmarketinagentur taste! mit knapp 60 Mitarbeiter nicht zumindest in Frankfurt dafür aber nur im kleineren Nachbarsort Offenbach seinen Sitz hat? Weil Agenturchef Günther Nessel an diese Stadt glaubt. Der Gründer und Geschäftsführer, der bereits seit über 60 Jahren in Offenbach zu Hause ist, erhofft sich, seine Heimatstadt eines Tages in einem ähnlichen Lichte erblühen zu sehen wie das einstige Arbeiterviertel Brooklyn, das zu einem hippen Künstlerviertel wurde. Nessel, der verschiedenste Kulturen pflegt und liebt, erkennt der Stadt ein Potential an, das ihn nicht enttäuschen dürfte. Offenbach, die einstige industrielle Arbeiter- und Lederstadt habe er zu einer bunten, multikulturellen Stadt heranwachsen sehen, was er als gebürtiger Offenbacher, begrüßt. Genau zu jener Zeit wuchs auch der jetzige Herr Oberbürgermeister Dr. Felix Schwenke auf. Der 40-Jährige Schwenke, der mit seiner Erscheinung an die eines Macron erinnert und zugleich die Ausstrahlung eines Obamas hat, gewann nach seiner Arbeit als Stadtrat mit knapp 67 % die Wahl zum Oberbürgermeister. Der ehemalige Lehrer, der promoviert ist, kennt die genaue Zahl nicht, weiß aber zu sagen, dass über 160 unterschiedliche Nationen friedlich zusammen leben. Und mit eben jenem Zusammenleben zeichne sich bereits heute schon ab, wie das Morgen von Deutschland aussehen werde. Über 90% der unter Dreijährigen hat einen Migrationshintergrund. Für Schwenke ist dies aber keineswegs Grund zur Beunruhigung. Die Debatten, die bereits seit den 90ern geführt wurden, um Schlagworte wie “Integration” oder “Ausländerpolitik” scheinen für ihn kein Thema zu sein. „Offenbach ist nicht Neukölln”, habe Schwenke bereits damals bei einem Treffen mit dem ehemaligen Neuköllner Bürgermeister Heinz Buschkowsky gekontert, der 2012 mit seinem gleichnamigen Buch “Neukölln ist überall” auf alle Gemüter geschlagen hatte und dabei die Aufmerksamkeit auf jene sogenannte Problembezirke mit einer hohen Dichte an Ausländer und Migranten zog. Geschafft habe man aber eben diese Friedfertigkeit, die für das hessische Pendant gilt,  mit eingeführten Sprachprogrammen wie „Mama lernt Deutsch“, weiß Schwenke zu erklären. Als Oberbürgermeister der Stadt vertritt er dabei nicht nur eine ausländerfreundliche Politik, sondern allem voran menschliche. Denn für ihn zählt nicht, welche Herkunft ein Mensch hat, sondern das Verhalten. Das zeugt von Tatkraft. Schwenke, der auch als Lehrer tätig war,  lässt Vorurteile, die über die Stadt in Umlauf sind, ungern unkommentiert liegen. Seiner Aufgabe als Oberbürgermeister wird er gerecht. Aber auch hinter dem Titel birgt sich ein “Underdog”, der seine Stadt ehrlich findet. Als der Geruch von Cannabis durch die Fenster des Büros des Oberbürgermeisters aufsteigt, reagiert Schwenke gelassen, während Jugendliche bei Capital Bra einen Joint rauchen. Pauschalisierende Kommentare wie “Migrantencity”, oder “Gangsterstadt” winkt Schwenke ab. Dass aber gedealt werde, oder Kriminalität vorherrsche sei wie in jeder anderen Stadt auch ein Thema. Dem Einfluss, den Rapmusik und Drogen auf eine marokkanisch-stämmige Jugend hat, erkennt er auch die Manieren der französischen Kultur an, die aus einem Schmelztiegel von Migration im Nachbarland entstanden ist. Der Oberbürgermeister selbst ist viel unterwegs. In Frankreich, vieler deutsche Städte, oder eben auch in seiner Wahlheimat. Am Wilhelmsplatz, dem beliebten, lebhaften Markt- und Ausgehplatz der bürgerlichen Offenbacher, schätzt der Oberbürgermeister die international, gutbürgerlich vorhandene Gastronomie. Neben mediterraner Küche ist auch die deutsche beheimatet. Aber neben der deutschen Kultur weiß auch die asiatische zu bestehen und ist gut besucht. Das Nagoya gehört zu jenen Restaurants, die von gutbetuchten Offenbachern aufgesucht wird, die auf der Suche nach mehr Lebensqualität sind.

Die ist bereits lange auch am Offenbacher Hafen zu finden, dessen Wind nicht nur weht wie in Hamburg, sondern auch dessen Preise. Ein Designer-Café wie die sogenannte OFOF Bar befindet sich dort in recht einfacher, aber zugleich interessanter Lage. Die Siedlung gelegen im Nordend wurde aufgewertet ohne dabei die Rechte der schlechter gestellten Offenbacher Bürger zu verletzen. Statt auf Gentrifizierung wie im Frankfurter Nordend, ist Ziel mit unterschiedlicher Schichten aus stadtpolitischer Sicht das Viertel zu verbessern. Auf Besserverdiener aus dem Umland und Ausland sowie jene so prophezeite Brexit-Aussteiger aus Londons Finanzsektor hatte man auch gehofft. Schwenke erklärt aber, dass die Stadtpolitik der Stadt Offenbach explizit darauf setze, weder den Umbau am Kaiserlai zu frankfurtisieren noch die Mietpreise durch neue Wohnquartiere wie das Goethequartier im Osten der Stadt in die Höhe schlagen zu lassen. Der sozialpolitische Kern des SPD-Politikers lebt in seiner persönlichen Führung auf. Doch dass kritische Stimmen Offenbach noch immer als kaputte Stadt bezeichnen ist kein Rückfall, sondern auch Tatsache. Die Innenstadt zeigt auf, dass die Stadt im Schatten Frankfurts ungepflegt ist. Nicht nur das Kulturangebot lässt zu wünschen übrig, sondern auch die Stadtarchitektur. Neuartige Projekte wie ein Einkaufszentrum sind bereits lange in Planung und in Bau, doch eine attraktivere Fassade steht dennoch nicht. Jene Architektur erinnert noch immer an jene des Berliner Alexanderplatzes der deutschen Nachkriegsarchitektur. Doch es erinnern auch positive Seiten an die deutsche Hauptstadt. In der Parallelstraße der Berlinerstraße, in der auch das Rathaus gelegen ist, befindet sich die Frankfurterstraße, die mit einem griechischen Imbissrestaurant namens Ovelos eine Miniatur Friedrichshains ist, das Studenten und Alternative anzieht. Selbiges gilt auch für das türkische Gözlemecim, das zu niedrigen Preisen Crepe ala turca anbietet. Neben L’afrique oder etwa dem Aomorie Sushi & Wok, ziehen verschiedene Esskulturen wie auch das Damaskus internationale und international denkende Menschen an. Sie verbindet die Wertschätzung anderer Kulturen wie sie so in der deutschen Kultur so beheimatet ist.  Ob Vergleiche mit New York, Paris, oder Kopenhagen – Offenbach hat Vielfalt zu bieten, ist aber dabei noch immer sehr günstig in seiner Lebensart und erschwinglich. So aufregend oder “undergroundig” es zugleich auch sein mag, von alteingesessenen Frankfurtern wird Offenbach aber noch immer gemieden und belächelt.
Schwenke, der dies selbst als Oberbürgermeister humorvoll zu spüren bekommt, versteht die Häme, die überwiegend über den Fußball oder die politisch-finanzielle Lage funktioniere, als leicht verdautlichen Gag. Dennoch – so bleibt dies fraglich – schaut das deutsche Großbürgerthum gerne abschätzig auf die Schwesterstadt Offenbach. Dabei herrscht in der ärmeren Stadt deutlich mehr Kreativität, auch durch die vielen jungen Studenten, die sich durch niedrige Mietspreise, einer guten Lage und kultureller Vielfalt angezogen fühlen. Denn Offenbachs Absonderheit ist nicht nur die Tatsache, dass mancherort besser gelegen ist als Ortsteile in der sehr viel exklusiveren Bankenstadt Frankfurt, sondern auch jene gelebte Multikulturalität, die Deutschland als Vorzeigestadt dienen kann. Toleranz, doch besonders auch Zusammenhalt, die im Entstehen von einer sozialistischer Politik, Interkulturalität und dem noch immer schlechter gestellten Ausländerstatus zu bestehen weiß, scheint durch und macht die Stadt zu einem besonderen Erlebnis mit Flair.

Mag die missliche Situation besonders die Jugendlichen der Stadt treffen, so ist sie doch auch ein Ort, der Trends schafft und eine gewisse Freilebigkeit erschaffen hat. Keine Kultur wird dabei auch über die Andere gestellt. Es wird gelernt und zusammen gelebt. Was Offenbach nicht nur anders, sondern ein Stück weit zukunftsweisender als Neukölln macht, ist die Tatsache, dass keine Kultur über die Andere dominieren kann. Die bosnisch, kroatisch oder serbische Diaspora ist gleichermaßen vertren wie auch die türkische und arabische wie auch islamisch-geprägte Kultur, und selbst die afrikanisch, italienisch und griechische Diaspora kommt in ihrer Vertretung nicht zu kurz. Schwenke erklärt, dass dies anders als in Neukölln sei. Und so werden auch Sprachen gesprochen, die auf den ersten Blick nicht ersichtlich sind. Als zwei Damen in der S-Bahn von Frankfurt nach Offenbach erst türkische Wörter, dann griechische und zuletzt russische Wörter benutzen, wird deutlich, diese Frauen sprechen eine andere Sprache, als die üblichen dreien. Welche Sprache sie denn nun sprechen? Griechisch erklären sie, und nach kurzem Zögern, die Herkunft ihrer Großeltern. Denn die seien als Rhomäer während der Türkenkriege aus ihrer Heimat am Schwarzen Meer vertrieben worden. Sie landeten über Umwege in Georgien, wo sie sich niederließen und gezwungenermaßen haben Heimat finden müssen. Als  Enkelinnen besuchten sie in dritter Generation in Georgien eine russische Schule, und so erlernten sie schlussendlich auch die russische Sprache, die neben dem Türkischen und Griechischen, das zu Hause gesprochen wurde, auch zu ihriger wurde. Heute in Deutschland nun dürfen sie alle drei Sprachen sprechen. Offenbach ist für viele Bürger in Deutschland Ankunfsort und – wie auch vom Direktor des deutschen Architekturmuseums Peter Cachola-Schmal mit der These des Journalisten Doug Sanders (“Arrival City”) belegt, jene “Arrival City”, die als exemplarische Stadt für Migration unter dem Titel “Making Heimat, Germany, Arrival Country” auf der Architekturbiennale in Venedig ausgestellt wurde. Exemplarisch für Offenbach, und damit Deutschland ist aber nicht nur das Ankommen und Ausleben der eigenen Kultur und Bedürfnisse, sondern auch, dass Anfeindungen innerhalb der Kulturen bestehen, aber gleichzeitig kein Grund zur Aufregung darstellen. Woher also jemand kommt, ist nicht von Bedeutung. Offenbach ist, so unverschämt die Menschen in jener Stadt auch sein mögen können – denn hier herrschen andere Regeln – sozial, besonders, wenn es um Hilfsbereitschaft geht. Wie ein Jugendlicher erklärt, helfe man hier “fünf Mal, wenn nur einmal geholfen werde.” Der 18-Jährige Auszubildende, der italienische Wurzeln hat, weiß sich auch mit Freunden zu solidarisieren, die einen nicht-deutschen Hintergrund haben. Wie marokkanische Freunde behandelt werden, von “Deutschen”, bekomme der angehende Koch häufig zu spüren, da man ihn fälschlicherweise häufig für einen Marokkaner hielte. Sein Freund wiederum, ein bosnischer Abiturient erklärt, Freundschaften mit Serbern sei in seiner Geburtsstadt möglich wie ihm sein Vater beibrachte. Offenbach zeigt, was Deutschland kann, und dass sich die Mentalität verändern können wird. Trotz der rechten Mitte, AFD oder dem islamischen Fundamentalismus hat sich mit der Migration innerhalb einer eher sozialistisch geprägten Arbeiterklasse ein Miteinander gebildet, das erstrebenswert friedlich miteinander lebt. Offenbach macht das zu einem harten Pflaster, das aber durchaus paradiesisch sein kann.

Mit Frankfurt können viele nichts anfangen. “Langweilig”, heißt es da, “kriminell” oder “konservativ” wird schnell geurteilt. Selbst nur zum Kennenlernen wird Frankfurt gerne mal gemieden. Dabei lohnt es sich, der Stadt einen Besuch abzustatten, wenn auch nur auf kurze Dauer. Hier einige, wenige Beispiele dafür, warum Frankfurt einen Kurztrip wert ist.

Frida Kahlo ist für einen Schub an Inspiration für das Frausein immer wieder ein Fest. Natürlich aber auch für männliche Feministinnen. Wie gut, dass ihre Werke mit denen von 33 weiteren, internationalen Künstlerinnen in der Frankfurter Schirn Kunsthalle unter dem Titel “Fantastische Frauen” ausgestellt werden. Ab dem 13. Februar ist die große Ausstellung zu sehen. Aber auch sonst hat das Museum am Römerberg immer wieder sehenswerte Ausstellungen im Programm. Zu einem der kreativen Hotspots Frankfurts zählt das mäßig gentrifizierte Bahnhofsviertel. Das raue Tagesleben, unterschiedliche Menschen wie auch Lokale sind hier das Thema. Angelpunkt der hippen Szene ist gefühlt seit über einem Jahrzehnt das Café Bar Studio Plank. Publikum ist hier neben der Fans des von Ata Macias mitgegründetem Technoclub Robert Johnson, eine buntgemischte Menschentraube, die das weltoffene Frankfurt feiert, und sich von dem auch angezogen fühlt. Abends ist es gleich neben dem Nachbarsspäti Yok Yok ein beliebter Ort fürs Trinken, Plaudern und Verabreden, tagsüber ein schönes Café mit kreativer Luft und sehr guten Kaffeegetränken. Selbst, wer nur auf Durchreise ist, sollte sich das Café nicht entgehen lassen. Das in der Elbestraße an der angrenzenden Münchnerstraße gelegene Café liegt in unmittelbarer Nähe zum Hauptbahnhof. Wenige Meter weiter folgt auch schon das Museumscafé des Tower MMK Elaines Delhi mit super Frühstück, schönem Ambiente und Frankfurter Heckmeck mit Stil. Starauflauf garantiert. In der Kirchnerstraße findet sich das italienisch angehauchte Bunca Café. Dort gibt es neben Oatly-Milch auch selbsterfundenen Chai Latte nach eriträischer Art, viel besser als bei Starbucks, weiß auch Gründer Samson Habtom glaubhaft zu sagen. Verifiziert und daher auch empfehlenswert! Gar nicht weit entfernt davon befindet sich das Mainufer. Über den Willy Brandt Platz und die Neue Mainzerstraße hin führt der Weg zur Untermainbrücke, ein wunderbarer Spaziergang mit Blick auf das Meer Frankfurts. Inspiration und Romantik garantiert. Entlang und um die Schweizerstraße herum sind dort die ansässigen Frankfurter anzutreffen. Zwischen Restaurants, kleinen Cafés und Läden ist das Viertel zu einem süßen Straßenleben fern des hektischen Frankfurter Alltags eine Alternative zum Verweilen und Erkunden. Eines der modischen Cafés, die sich dort befinden, ist das Moka Toaster, ein Mädchentraum und Plaudercafé für Männer, die das la dolce vita lieben. Zurück an der Alten Oper, einem der prägendsten Orte Frankfurts, wenn nicht der sehenswertesten Sehenswürdigkeit, gibt es ebenso einige, edle Cafés und Restaurants in der nahegelegenen Fressgasse, einer alten, noch immer sehr lebhaften Frankfurter Gourmetstraße. Wer den Blick auf die Oper beibehalten will, sollte es für einen Snack, guten Café oder auch Wein am Abend in der Tagesbar des Chinaskis r probieren. Das kleine, feine Boutique-Lokal gegründet von Lokalprominenz und DJ Julian Smith ist nicht nur ein schickes Delhi, sondern auch eines mit klassisch, köstlich, leichter Speisen. Sehr gut! Weitere Restaurants gibt es mitunter in der etwas heruntergekommenen, aber lebhaften und besonders historisch-schönen Kaiserstraße. Das EATdoori ist eines der guten Adressen, wenn es um etwas authentisch, indische Küche mit offenem, gemischten Publikum mit Hang zu Kosmopolismus und Streetfood geht. In der selben Straße ist auch der kleine, moderne Imbiss Chidoba, einem mexikanischen Burrito-Laden. Preiswert, vielfältig und schmackhaft gut. Sushi gibt es in der leicht gegenüberliegenden Straße im angrenzenden Rotlichtmilieu. Die stylische Bento Boutique hat freundliches Personal, tolle Gerichte, und rundum ein fabelhaftes Konzept mit kleiner, aber süßer Sitzmöglichkeit. Aber auch sonst befinden sich dort viele Lieblingsrestaurant der Frankfurter, die sich Essengehen zum unverzichtbaren Hobby und Erkunden der immer wandelnden Stadt gemacht haben. Wer mit großem Stil italienisch essen möchte, aber dabei auf große Salonidylle nicht verzichten mag, der ist im Herzen der Stadt, der Hochstraße im Pizza & Pasta Scalpi gut aufgehoben. Außerdem italienisch gut ist das Pizza Montana wieder zurück im Bahnhofsviertel. Dort gibt es speziell Neapler Pizza in coolem Ambiente, Instagramfreunde welcome! Wenn die Portionen auch etwas kleiner als herkömmlich ausfallen, so ist das Montana auch sonst ein beliebter Ort für die Kreativen, internationalen Geschäftsleute und Foodie-Touristen. Abends wird das Plank zur fancy Bar, aber in ruhigerer Ecke liegt das “The Parlour“. Die Bar ist zwar etwas gemütlich klein, aber hat eben Expertise in Getränken und eine Einrichtung, die an den adlig-modernen Stil Londons erinnert.

Highlights sind, wenn es um Frankfurt und die Sicht ihre Skyline geht, das Café Leonhards im Kaufhof, der Kaiserdom (Achtung, sehr viele Treppen) und das Mainufer. Dort findet an der Museumsmeile Schaumainkai auch stets zur Saison der Flohmarkt statt. Für echt typisches Sightseeing muss ein Besuch in eine der Ratskeller wie das Apfelwein Wagner für Ebbelwoi drinsein, eine Hop-On-Hop-Off Bustour oder Schiffsfahrt am Mainufer. Die am Mainkai startende Schifffahrt befindet sich in der Nähe des Römerbergs, dem sehenswerten Frankfurter Rathausplatz, der sogar schon Model und Instagramphänomen Bella Hadid überwältigt haben muss, als sie zu Besuch in der Bankenstadt war und sich hinter der Kulisse hat ablichten lassen. In naher Umgebung befinden sich außerdem noch die Galerien und Cafés der Brauchbachstraße, unmittelbar gelegen in der Nähe des Museums für Moderne Kunst und des romantischen, japanischen IMORI Cafés. Zur Übernachtung eignet sich das 25Hours Hotel The Trip. Das Hotel ist zwar der Adresse Niddastraße in einer schwierigen Lage, aber auch das ist eine Realität Frankfurts. Wer sich öffnen kann, sollte es ausprobieren. Denn das Konzept ist jugendlich und eben im echten, harten Leben angesiedelt, zwischen Fixerstuben, Obdachlosen und alten wie auch neuen Frankfurter Läden, das für viele Künstler auch ein Schatz gefüllt mit Inspiration ist. Ein weiteres Hotel ist Das Lindenberg. Es mag nicht sehr zentral gelegen sein, aber wer liebend gern mit U-Bahn oder noch lieber Taxi unterwegs ist, für den sollte sich der Aufenthalt im Konzepthotel lohnen. Wer es dann noch schafft, zu Fuß viele, weitere Orte zu erkunden, mit Frankfurter ins Gespräch zu kommen, und auf Entdeckungstour zu gehen, der wird sich sicher ein anderes Bild von Frankfurt machen können. Aber 48 Stunden Frankfurt, das kann Frankfurt in jedem Fall erfüllen.

Bilder: Schirn.de, Archiv, https://das-lindenberg.de/

Ich war noch nie in Amsterdam! Und wie das ja ist mit dem “Sag niemals nie”, bei einem Niemals wird es nicht bleiben. Und dann sollte es das The Exchange Hotel zur Bleibe werden. Denn das Hotel, das wohl mitten in Amsterdam gelegen ist, sieht einfach nach einem Fashion-Week-Erlebnis aus. Also, jeder, der Mode liebt, ist dort sicherlich am Besten untergebracht. Ein haus-eigenes Café gibt es im The Exchange auch noch, perfekt für die kühnsten Regenbogenträume. Hier bekommt ihr mehr Einblicke in das Hotel sowie die Buchungsoptionen. Continue reading ›

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Im Sommer des Jahres 2015 besuchte ich zum ersten Mal das wundersame Viertel Balat in Fatih Istanbul. Es ist eines der alternativen, aber bunten Bezirke, die viel Geschichte in sich tragen und weiterhin dabei sind, sich sehr facettenreich zu entwickeln. Gerade auch das Kreativpublikum liebt den Bezirk.
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Der Name der Stadt verrät, wofür es sich herzukommen lohnt. Doch allein das Baden wie es einst Goethe tat, ist es nicht, sondern auch einmaliger Kaffee und Kuchen lassen sich genießen, und durch die Straßen der Altstadt schlendern.

Das Badehaus im Radisson Blue war einst so begehrt, dass sich 1917 Damen über den Ehevertrag versichern ließen, das Wochenende in Wiesbaden verbringen zu können. Damals wurde also nicht nur Wünsche und Erlaubnisse versichert, nein, Wiesbaden war ein begehrter Kurort. Auch Goethe verschlug es in das Badehaus Schwarzer Bock. Dort schrieb er während seines Aufenthalts im Jahr 1818 folgende Worte nieder: ,,Beim Baden sei die erste Pflicht, dass man sich nicht den Kopf zerbricht.“ Das Thermalbad Schwarzer Bock im Radisson Blue ist nur eines von vielen Bädern in Wiesbaden, die auch ohne Hotelbesuch zugänglich sind.

Ein weiterer Ort, der Wiesbaden durch seine lange Geschichte bereichert, ist das Café Maldaner. Es ist mit der Bebauung im Jahr 1859 nicht nur uralt, sondern auch das erste Café seiner Art, um genauer zu sein der Wiener Art in Wiesbaden. Das in der Marktstraße gelegene Wiener Café-Haus bietet Kuchen aus der hauseigenen Konditorei in einem wundervollen nostalgischen Ambiente. Die nebenliegenden Straßen und kleinen Gassen der Innenstadt laden zu weiterer Nostalgik ein, vor allem zu Zeiten des Weihnachtsmarktes.
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Seit meiner Geburt besuche ich Istanbul im Sommer. Wenn man in einer Millionenstadt wie dieser tagtäglich nicht nur unzähligen Fremden begegnet, sondern geliebten Menschen aus der Familie, fühlt man sich auch immer ein wenig wie zu Hause. Ich habe dennoch angefangen die Menschen in der Stadt für ihre eigene Kultur fern von Erzincan oder Darmstadt zu lieben, die Lebendigkeiten auf den Straßen, Geschichten und all’ die anderen Süßigkeiten, die ich als Kind bekam. Mit der Zeit haben sich die Menschen und die Orte, die ich kennenlernen durfte, verändert. Dabei gibt es 10 geliebte Dinge, ohne die ich Istanbul nicht verlassen kann, und mit euch teilen möchte, für den Fall, dass es euch auch einmal in diese Stadt verschlägt.

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1. Die Fahrt mit dem Dolmuş
Dolmuş bedeutet “Gefüllt”, und genau so funktioniert der Minibus: er fährt erst los, wenn der Bus voll ist. Im Dolmuş zu sitzen, ist echt ein günstiger Spaß. Man hört oft witzige Gesprächsfetzen, oder sieht älteren Frauen dabei zu, wie sie High Five auf der Fahrt schlagen. Nicht nur also, weil es günstig ist, kann man gut auf das Taxi verzichten. Auch wenn man kein türkisch kann; es ist im Gegensatz zur -Ubahn und dem öffentlichen Bus sehr familiär, man erlebt die verschiedenen Menschen auf der Fahrt. Es hat in einer so protzigen Stadt etwas sehr angenehm Bodenständiges, und gleichzeitig sehr Alltägliches: unzählige Menschen nutzen den Dolmuş, um zur Arbeit, zur Familie oder zum Einkaufen zu fahren. Wie auf dem Bild zu sehen ist, bin ich gerade mit einem Blumenstrauss für ein wunderschönes Verlobungspaar auf dem Weg nach Tarabiya, eine der schönsten Fahrten entlang dem Meer, nachdem man das Businessviertel Levent hinter sich lässt.
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Während meines ersten Besuches in Prag, fuhr ich an den nur zwei Stunden entfernten Kurort Karlovy Vary. Auf die Idee kam ich per Zufall durch einen Film, dessen Ästhetik mich noch immer fasziniert. Als ich ursprünglich eine Reise nach Budapest plante, recherchierte ich nach der Vorlage des fiktiven Hotels aus dem Film “The Grand Budapest Hotel”, da ich davon ausging, es müsse in Budapest sein. Auf meiner Suche stieß ich jedoch zunächst auf eines in der Nähe Prags, das dem amerikanischen Regisseur Wes Anderson in seiner ästhetischen Gestaltung der Architektur diente: das Grandhotel Pupp im Kurort Karlovy Vary in der Tscheschichen Republik.

Nicht nur die Außenfassade, die vor den Wäldern ähnlich wie im Film hervorragt, ist seines Blickes wert: bereits im Café erhält man einen wunderbaren Einblick in den Stil der Räumlichkeiten und des Interieurs. Vor dem dreiteiligen Anwesen zu stehen, ist jedoch sättigend genug. Ich schließe noch immer in meinen Tagträumen die Augen, um vor mir das Grandhotel Pupp eingerahmt von der gewaltigen Natur zu sehen.

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zürich

In den Semesterferien verbrachte ich drei Tage über das Wochenende  in Zürich. Zürich ist sowohl in kultureller als auch wirtschaftlicher Hinsicht die wichtigste Stadt der Schweiz. Sie erinnert an Hamburg, und dennoch ist sie einzigartig. So spießig eine Stadt auf den ersten Blick wirken mag, so gegensätzlich ist die kleine Bewegung in ihr. Die Lebensqualität der Großverdiener gibt den Ton der Innenstadt an, doch genauso intensiv ist der verrückte Hauch des Dada präsent. Das erste, das ich in der Innenstadt bemerkte, war der Weg zur Zeitschrift “20 Minuten”; die in der ganzen Schweiz verteilt ist, um die Bürger über Mode zu informieren. Das Land hat anscheinend so viel Kapital, dass sie eine Lifestyle Zeitschrift herausbringt, die gar nicht mal so schlecht ist. In letzer Zeit habe sich aber die Werbung vermehrt wie mir meine Cousine aus Freiburg erklärte. Was die Mode betrifft, geben einige, wenn auch wenige Passanten dem deutschen Touristen das Gefühl, dass es sich um eine Weltstadt handelt. Ob der Hipster mit Bart oder all-in-black Triller – der Look ist definitiv gekonnter als in Berlin. Was die Mädchen betrifft, ist auch in Zürich der H&M-Look selbsverständlich sehr präsent, doch was die weiblicheren Mädchen anbgelangt: Extensions und lange Fingernägel wie ich sie in Deutschland nicht gesehn habe. Der Rest der Schweizer Bevölkerung in der Zürcher Innstadt ist gehoben konservativ gekleidet, doch die meist bunten Accessoires haben etwas hippiehaftes eben dadaisches. Und in der Bahnhofsstraße, der teuersten Einkaufsstraße Europas, kleidet man sich zwischen der wichtigsten Banken fein ohne so protzerisch zu sein wie man es von der Goethestraße kennt. Continue reading ›

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Die Competition zwischen den deutschen Städten Berlin und München habe ich bislang nur über Medien wie ZEITmagazin und Vice verfolgen können. Dazu reicht die Ähnlichkeit Rosenheims, die ich öfter wegen meiner Verwandten besuchte, nicht aus. Als ich vor knapp acht Wochen das erste Mal zum Oktoberfest in München war, konnte ich mir noch kein genaues Bild machen. Die letzten Tage, die ich in der süddeutschen Stadt verbrachte, haben mich aber nun über die Motive des Wettbewerbs aufgeklärt. Alternative vs. Spießigkeit. Durch die Armut Berlins verhielt sich die deutsche Hauptstadt tatsächlich in weiten Teilen bisher sehr statusfrei, gesellschaftsunabhängig und unbemüht. Dass das heute 2013 noch so ist, mag ich zu bezweifeln. Dass sie hässlich und dreckig ist, stimmt durch die Gentrifizierung auch nicht mehr ganz. Doch vergleicht man jenseits vom Prenzlauerberg die Spießigkeit Mittes, die sich gerade weil sie von der Berliner Subkultur hat inspirieren lassen, mit dem Rivalen, so steht fest: die Spießigkeit ist bei Weitem nicht so ausgesprägt. München, eine reiche Stadt, die Berlin finanziert, zeigt, was sie hat, was mich doch sehr an den Habitus Italiens erinnert. Läuft man die Maximilianstraße entlang bis zum Bayrischer Hof, wo dieses Bild im Spiegelsaal des Hotels entstanden ist, begegnet man unzähligen Designertüten, gespritzten Lippen und toten Tieren. Das Pendant hierzu ist selbstverständlich nicht Mitte, sondern Charlottenburg. Und dennoch zeigt letzterer Stadtteil mehr Stil und Klasse. Dafür ist München sehr viel herzlicher. Zwar ist es spießiger, aber wem ist aufrichtige Spießigkeit nicht lieber als gewollte Offenheit. Berlin ist spießiger als es das alte Image möchte, so sehr es dies auch bestreiten mag. Menschen jedoch, die von sich selbst mit Witz und Charme behaupten können, spießig zu sein, sind ja doch meist offener, als erwartet.  mehotel

München jedenfalls ist nicht zu Unrecht vielleicht die schönste Stadt Deutschlands. In jedem Fall bin ich von der Schönheit dieser Stadt begeistert, da ich nach Städten wie Köln, Hamburg, Frankfurt und Berlin niemals eine Schönheit dieser Art erwartet hätte. Dass Deutschland, dieses ach so triste Land so großen ästhetischen Geschmack in Architektur beweisen könnte, hätte ich niemals gedacht. Die Herzlichkeit ist nicht vergleichbar mit der Herzlichkeit der orientalischen Südländer, und dennoch hat diese Stadt im Vergleich zu Berlin Wärme zu bieten. Gerade auch das Dörfliche, das viele aus Bayern nach München bringen, hat etwas sehr angenehm Familiäres und Geborgenes. In dieser Stadt macht es jedoch keinen Spaß, arm zu sein. Den Preisen in Berlin kann auch im Jahre 2013 keiner etwas vormachen. Im Bayerischen Hof, das auf Wunsch von Ludwig I von Bayern 1839 erbaut wurde, jedenfalls ist jeder Cent für dieses wunderschöne barocke Ambiente wert. Der Pina Colada und Tee ist klasse, wie die Bedienung auch! Vom Barkeeper habe ich mir erzählen lassen, dass der Spiegelsaal mit genau einem Spiegel sogar den zweiten Weltkrieg überlebt hat. Es war die Nacht vom 24. auf den 25. April, als der bayerische Hof von einem Bombenangriff zerstört wurde. Hermann Volkhardt, dessen Vater das Hotel für 2,8 Mio Goldmarken erwarb, glaubte jedoch an den Wiederaufbau. Gekauft wurde vom Enkel Falk das Nebengebäude Palais Montgelas 1969, welches drei Jahre später zur Eröffnung der Olympischen Spiele eröffnet wurde. Heute wird das Hotel in vierter Generation von Innegrit Volkhardt geführt. Nach der Idee eines 10 Jahresplans der Komplementärin, gibt es seit 2005 auf dem Dach sogar ein Schwimmbad und einen Wellnessbereich, was ich selbst beim nächsten Besuch unbedingt noch erleben muss.

Als ich in der Türkei war, habe ich mich zugegebenermaßen sehr auf meine Rückkehr nach Deutschland gefreut. Weil mir ganz einfach vieles zu oberflächlich schien und mir kritische Unterhaltungen fehlten. Weil die Käsepackungen in Deutschland mit integriertem Aufschluss wie auch der alltägliche Verkehr dich nicht um dein Leben fürchten lassen. Ich habe meine Heimat aus Angst idealisiert. Jetzt, wo ich wieder in Deutschland bin, habe ich selbst herausfinden können, was meine eigenen Prioritäten sind: aufrichtiges, natürliches Gruppengefühl und Herzlichkeit beispielsweise. Dies kann die deutsche Gesellschaft nicht bieten. Daher bleibt nichts anderes übrig, als an einem Kreis mit jenem Charakter selbst zu arbeiten und zu finden. Dass ich dabei aber in Istanbul auf kritische Gedankenexkurse nicht verzichten muss, habe ich in den letzten Tagen in Gesprächen mit unzähligen Menschen gelernt. Schauspieler, Maler, Tänzer, Juristen, und und und.

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Wenn man zwischen zwei Kulturen aufwächst, kann man sich nirgends zur Ruhe setzen. Man ist ständig auf der Suche, die Gedanken kreisen sich Tag und Nacht. Wo gehöre ich hin? Wo kann ich mich niederlassen und beginnen, mein Leben zu leben? Für manch andere ist das kaum vorstellbar. Es ist wahrlich so, als würde ich ständig auf einen Lebensstatus hinarbeiten, der sich nicht um materialistische, äußerliche Merkmale bemüht, sondern schlicht eine innere Ruhe erwünscht. Gerade in Deutschland ist die Integrationsdebatte eine große Hürde im Leben vieler Menschen mit Migrationshintergrund. Statt zu leben, sind wir damit beschäftigt über das richtige Leben zu sprechen, nachzudenken und uns anzupassen.

In Istanbul ist das für mich persönlich anders. In den Augen meines Gegenübers bin ich eine Türkin, die aber in Deutschland, einem angesehenen Land geboren ist und deutsche Bildung genossen hat. Ja, ich muss zugeben, als Deutschtürkin genieße ich in der Türkei einen besonderen Umgang. Europa ist ein Label, das mich in ihren Augen wertvoller und interessanter erscheinen lässt. Anders als in Deutschland wird meine Vertrautheit mit einer anderen Kultur geschätzt, während Deutschland hingegen türkische Migranten noch immer als 2.klassige Menschen betrachtet.

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bild1Istanbul lehrt mich, das Leben mit all meinen Sinnen wahrzunehmen. So sehr ich das Internet auch schätze, so sehr ich auch die deutsche Mentalität schätze, in Deutschland mögen wir reich sein, und doch sind wir zu oft die ärmsten Menschen der Welt. Denn, ob wir es uns eingestehen wollen oder nicht: wir sind einsam. Wir arbeiten, weil wir nichts haben. Das Geld, das wir verdienen, geben wir aus, irrsinnig wie wir sind, um die leeren Plätze zur Rechten und Linken mit vollen Tüten zu belegen. Was auch immer über soziale Netzwerke geteilt wird, geschieht meist, weil uns im echten Leben die Menschen fehlen, die wir uns zum Erleben wünschen. Ob ein Frühstück oder die Beteiligung an einer politischen Diskussion. Wir haben uns von dem entfremdet, was wir selbst sind: dem Menschsein. Dabei haben wir lange verlernt zu lieben, noch länger aber haben wir verlernt, zu genießen. Die Nächte sind leere Versprechungen, all die Kleider seelenlose Hüllen, das Internet der einzige Notausgang, um uns abzulenken, das Gefühl zu geben, Menschen und Gefühle ersetzen zu können. Uns ist kalt, aber es liegt nicht bloß am Wetter, es liegt an unserer Lebensführung. Was wir aber wollen, sind Menschen. Menschen mit Haltung, mit Kraft und Lebensenergie. Wir wollen Menschen riechen, sie etwas aus dem Herzen sagen hören, wir möchten ihnen aber auch zuhören. Ihren Geschmack möchten wir schmecken, ihre Bewegungen fühlen. Ob wir leer sind oder nicht, wir sind Denker. Was es bedeutet, das Leben zu genießen, haben wir bei all den Gedanken um das richtige Leben verlernt.

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Unsere Zeit verfliegt vor dem Monitor, dabei verlieren wir mit jeder Sekunde, jeder Stunde die Möglichkeit, unsere Sinne einzusetzen. Mag das Internet noch so sehr Kreatitivität fördern, uns informieren, den Austausch verleichtern, mit einem stillen Herz spüren wir nicht, dass wir existieren.

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Es gibt nichts Besseres, als einen lockeren Umgang mit der Zeit, den Menschen und dem eigenen Selbst zu pflegen. Was ich an der türkischen Kultur zum Ausgleich von einem Extrem zum anderen schätze, ist der leichte Umgang mit der Zeit. Wer die Zeit nicht zu ernst nimmt, braucht sich nicht vor der Zukunft fürchten. Wer seine Zeit zu verwerten weiß, statt sie zu planen, wird ihr niemals hinterher trauern. Was ich noch viel mehr schätze, ist der lockere Umgang mit Menschen. Die deutsche Gesellschaft ist unfassbar unterkühlt, distanziert und zu oft reserviert. Selten begegnen mir Menschen, die selbstbewusst eine lockere, coole Art haben, die sympathisch interessante Gespräche erlauben. All der negativen Eigenschaften Deutschland, die mein Newsfeed Facebooks spiegeln, möchte ich hier nicht begegnen. Und so werde ich auch die nächsten Tage das Internet vermeiden. Wo auch immer man sein mag, wenn man in seinen freien Tagen auf das Internet verzichten kann, so kann ich jedem nur empfehlen, soziale Netwerke zu umgehen, das Leben anderer Menschen nicht zu beobachten, sondern im Leben kennenzulernen und selbt ein Teil davon zu werden.

Selbst ich bin als “Deutschtürkin” noch immer dabei, Gelassenheit und die Lust am Leben zu erlernen. Zu oft erwische ich mich selbst bei einem Spaziergang am Meer nachzudenken, statt zu genießen. Wir dürfen das neugierige, lebensfrohe Kind in uns nicht verhungern lassen. Keep curious, bitches!

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Es sind bereits sieben Monate seit meinem letzten Besuch in Istanbul vergangen. Um vor Semesterbeginn noch meine Schwester zu besuchen, habe ich spontan Sonntag meinen Flug gebucht. Als ich am Atatürk Flughafen ankam, fiel mir zunächst auf, wieviele Deutsche ebenfalls hergereist sind. Während früher viele nach Istanbul der Kultur wegen kam, sehe ich heute viele junge Touristen, die des “It-Faktors” wegen eine Stadt besuchen, die sie ohne zu begreifen, wieder verlassen. Istanbul gilt bereits lange als Geheimtipp, aber da viele Menschen in Deuschland starke Vorurteile haben, sind es die wenigsten, die darüber informiert sind, was diese Stadt wirklich zu bieten hat.

Son Istanbul ziyarettim yedi ay önceydi. Okul baslamadan önce, Pazar günü ablami ziyaret etmek icin, ucus rezervasyonu yaptim. Atatürk Havaalanına geldiğimde, ne kadar cok Alman geldigini farkettim. Önceden Istanbul gelen Tourist, kültür icin gelirdi, bugünki genc ziyaretciler bu sehire Avrupada moda oldugu icin geliyorlar. İstanbul zaten yilardir en konusulan yerlerden biridir,ama Almanya’da cok önyargıları oldugu icin, bu şehir gerçekten neler sunabileceği farkında çok az kisi vardir.

Der alte Herr, den ich in Sisli traf, lebt seit 60 Jahren in seiner Geburtstadt Istanbul. Istanbul ist eines der schönsten Orte, verrät er mir. "Hier bist du frei." Deutsch spricht er auch, da er Verwandte in Braunschweig hat.

Der alte Herr, den ich in Sisli traf, lebt seit 60 Jahren in seiner Geburtstadt Istanbul. Istanbul ist eines der schönsten Orte, verrät er mir. “Hier bist du frei.” Deutsch spricht er auch, da er Verwandte in Braunschweig hat. / Yasli begenfendi 60 yildir dogumsehirinde yasiyor. Istanbul dünyanin en güzel yerlerdenbiri. Neden sorunca “burada serbestsin” diyor.

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confiserie

Die türkische Spezialität Lokum verfeinert mit Rosen und Pistazien

Eine Ottomane platziert im Salon des türkischen Cafès Confiserie Orientale in Berlin Mitte. Betritt man den feinen Laden in der Linienstraße neben der bekannten Bar Schwarzwaldstuben, taucht man ein in die süße vergangene Geschichte des osmanischen Reiches. Hochwertige türkische Köstlichkeiten wie sie von den orientalischen Machern selbst Lokum genannt werden, bietet Confiserie Orientale an. Das gelblich weiße Lokum, die Süßigkeit, die aus gelierter Stärke und Zucker entsteht, wird mit Marzipan, Rosen,  Früchten und Pistazien verfeinert.
Abgeleitet wird Lokma vom türkischen Wort “lokma”, was auf Deutsch mit “Happen, Bissen” übersetzt werden kann. Wie ich selbst nachgelesen habe, heißt es vollständig “rahat-lokum” “bequeme Häppchen” und entstammt aus dem Arabischen von “rahat al-huqum” was so viel wie “Vergnügen, Ruhe für den Gaumen” bedeutet. In der türkischen Kultur wird Lokum oft zu Tee und verschiedenen Nüssen serviert.

Die Geschichte des Gründers Udi Cemil Bey 1883 in Istanbul

»WAS IST DER ZWECK DER SÜSSIGKEIT? Dass sie, nachdem man ihre Süsse genossen hat, nicht schwer im Magen liegt.«. Dies sind die Worte von Udi Cemil Bey, der im Jahre 1883 die Manufaktur Cemilzade in Istanbul gründete, welche noch heute Confiserie Orientale in Berlin mit seinen handgemachten Freuden beliefert. Bereits im Alter von 16 Jahren eröffnete Udi Cemil Bey im Statdteil Sehzadebasi im damaligen Osmanischen Reich einen Süßwarenladen, um die Familie nach dem Tod des Vaters zu versorgen. Für das handgemachte Marzipan, Lokum (türkischer Honig) und die Bonbons standen angereiste Kunden sogar Schlange. Es dauerte nicht lange, bis Udil Cemil Bey dafür selbst von den Franzosen dafür ausgezeichnet wurde. Doch Süßigkeiten waren nicht seine einzige Begabung. Bey war auch als Komponist und  Lautespieler(Udi) so bekannt, dass er mit 31 Jahren im Palastorchester angestellt die Tochter des damaligen Sultans Abdulmecit unterrichtete. Auch war er als Hafiz bekannt, der in der Lage ist, den Koran zu rezitieren.

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Summer nearly ended, but I want to share with you my favourite four places in Berlin and Istanbul, which I visited this summer. At all the princesses: don’t miss Princess Cheesecake in Berlin!

When I’m in Berlin, especially for Berlin Fashion Week, I love spending time and having a deilicious cheesecake at the Princess Cheesecake in Berlin-Mitte. The  cafe, that is in Tucholskystraße, offers guests the wonderful opportunity to enjoy the sweet treats out in a typical atmosphere of a lovely free side street in Berlin-Mitte observing people passing by and getting tickled by the ray of sunlight.

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When my mother was finished with my prom dress, yards of fabric remained. The beautiful violett silk fabric was too beautiful to lurk in any corner, so she made a long skirt out of it.

The weather and aesthetics of Istanbul is the perfect place to wear a skirt like this. Not to mention an unofficial dresscode. No woman likes wearing short pair of trousers or mini-skirts as long as everyone is watching very intrusive.

When I walked with my sister through different districts of Istanbul, she tried to catch the perfect picture of me in the skirt my mother made for me. It was hot, we were tired, so moderate pictures were captured at different places. But I want you to accompany me and my sister on the walk through the city on the third day of my vacation.

This is my one of my favourite streets of Istanbul. This street starts in Cihangir and leads you to Taksim meydani, called Taksim square, where Istikklal-Street starts.

There is no escape out of reality. A lot of tourists are walking and enjoying Istanbul, but surely lots of people have to work and make their effort. But even the shoeshine man has to dress up to catch attention and earn money.

At Taksimsquare we took the Metro to go to the district Besiktas to have breakfast in Ask Cafe, which I will introduce you tomorrow.

When we finished our breakfast, we walked along the ocean to see those beautiful so-called “yalis”, which are mostly made out of wooden and inspired by the architecture of ottoman empire and the airiness of summer. All Yalis are build at immediate waterside. It seems that these houses on the pictures were actually at the seaside but divorced by the street.

We ended at Lucca in Bebek to have some fresh home-made limonade juice, which I really can recommend.The interieur design of Lucca is also really great and makes you feel very comfortable. Bebek is chique but cool.

The next district we visited is Ortaköy. The slogan of Ortaköy is “sokakta hayat var” which means “life is on the street”. Here you can have the wonderful Boncuk-braceltts for your friends.Unfortunately the beautiful mosque of Ortaköy will be refurbished at the moment.

The last place I want to share with you is the Dolmabahce palace. I visited it once in January 2011, so we decided to admire it from the outside.Walking around Dolmabahce makes you feel you are in the ottoman empire and the much better years after Atatürk changed politics in 1924. Walking from Besiktas to the Dolmabahce is better than taking a taxi, because in Istanbul nearly every hour means rush hour. And dont miss the police officer. He might be the coolest you have ever seen. Most confident and knowing how to show, what he thinks of himself.

To see more pictures of Dolmabahce, have a look at my other blog: http://musengefluester.wordpress.com/2011/12/11/istanbul/

Summer has ended in Berlin and Istanbul for me. But I want to share with you four beautiful places that I really enjoyed this summer.

Garden Eden

5.Kat, which means 5th floor, is in the district of Cihangir and you won’t find a place like this twice. The interieur design of the terrace is made with love for detail. The light filigree wooden furniture refined with plants and not to mention the wonderful view on the Bosporus makes this place to a Garden of Eden.

5.Kat offers Italian, French and Asian cuisine, but at the terrace you should enjoy the view in the morning or in the evening by having a brunch or a cocktail.

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Seit meiner Kindheit begegne ich diesen Meisterwerken. Ich habe aufgehört, zu Verurteilen, den Glauben an das Höhere, das Mächtigere. Wir sind Menschen, und ich meine, wir glauben alle an das Metaphysische, an das Göttliche. Ob es über dem Himmel sein möge, in der Luft, auf Erden, im Menschen oder doch im Tier. Es sind äußere Einflüsse, die bestimmen, wie die Formen des Metaphysischen verlaufen, und wo sie letztlich lokalisiert werden können.

Doch als in Deutschland lebende Alevitin ist es nicht die Temperatur, die mich darauf aufmerksam macht, dass ich Deutschland verlassen habe, wenn ich aus dem Flugzeug steige. Weder der Umgang noch die unverzichtbare, türkische Sprache, ja erstaunlicherweise nicht einmal das Aussehen der Menschen erklärt mir, dass ich ins Fremde eingetaucht bin. Dazu ist mir alles viel zu sehr vertraut, seit meiner Geburt in Deutschland. In den Armen meiner Mutter liegend waren als Baby die ersten Worte, die ich hörte, sicherlich türkisch. Und doch sind die ersten Worte, die ich unmittelbar nach der Trennung der Nabelschnur hören sollte, die des deutschen Arztes, der meinen enttäuschten Vater auf eine ironische Art zu erheitern versuchte: “Es tut mir Leid, aber sie haben eine wunderschöne Tochter bekommen.”

Ich neige dazu, abzuschweifen. Doch was mich wirklich daran erinnert, dass ich in einem anderen Land bin, sind die melodischen Worte des Muezzin “Alluhu ekber”, die mich immer ein wenig in den Bann ziehen. Gefährlich ist es, die Verführung groß, doch humanistisch aufgewachsen, trifft dies nicht für mich zu. Es gibt mir nur das Gefühl, dass ich mich in der Türkei nirgends zu Hause fühlen kann außer im alevitischen Dorf in der Nähe von Erzincan und am Meer. Dazu säuselt Meltem, die leichte Sommerbrise am Meer, viel zu sinnlich.

Ästhetisch gesehen, finde ich diese Glaubensttäten für die Gemeinschaft, das sich mit sich selbst und der Auseinandersetzung der Sünden, der verbrochenen Taten, eine nicht zu bemängelnde. Doch es ist immer wieder interessant, wie sich dieses Weltbild im Umgang äußert. Vor allem im Umgang gegenüber eines Nichtmoslems.

Als ich mit meinem Vater beim Yufkaci Teig zur Vorbereitung von Börek kaufen möchte, und es zu Missverständnissen kommt, sagt der Herr: Mach das nicht an Ramazan. Bitte, tu mir das wenigstens nicht an Ramazan an. Er hört sich leicht verärgert an, da er glaubt, mein Vater werfe ihm vor, er hätte ihm für das, was er bezahlt hat, weniger eingepackt. Mein Vater jedoch glaubte, er habe für das wenige Geld zu viel bekommen. Obwohl mein Vater ihn nur fragt, wieviele Rollen genau eingepackt sind, kränkt ihn zuerst die Frage, die er als Misstrauen interpretiert, nimmt es aber auch gleich mit Humor. „An jedem anderen Tag kannst du mich fragen,“ fährt er lachend fort. „Aber nicht heute an Ramazan.“

Gerade der Ramazan-Monat ist für viele Moslems ein heiliger Monat, an dem die Grundsätze des Korans eingehalten werden müsse. Als habe man Angst vor Gott. Am Ende glaubt man ja doch nur aus Angst, so wie all die anderen Menschen.

Wenige Schritte weiter spüre ich erneut die Auswirkungen des Fastens auf die menschliche Psyche. Als wir in einen Bakkal laufen, um Wasser zu kaufen, begegne ich einer Nene, der Mutter des Bakkalci (Kioskverkäufer). Von alten Frauen in anatolischen Gewändern bin ich immer einen sehr warmen, witzigen und weisen Umgang gewohnt. Doch diese alte Frau erklärte in einem sehr unfreundlichen Ton, dass ihr Sohn gerade noch geschlafen habe. Die Unfreundlichkeit und der Mittagsschlaf des Verkäufers im hinteren Bereich des Kioks sind nur auf das unerträgliche Hungergefühl zurückzuführen.

Es mag makaber sein, aber da sich der Ramazan-Monat bereits zum Ende geneigt hat, und am vergangenen Wochenende Bayram gefeiert wurde, möchte ich türkisches Essen näher vorstellen. Die türkische Küche besteht aus viel Obst und Gemüse, doch die Türken können nicht auf Teig und Geschmacksverstärker verzichten. Besonders genießbar ist Kisir, das aus Bulgur, also Weizengrütze, Paprikamark, Petersilie und Zwiebeln zubereitet wird. Serviert wird es mit Zitronen und Salatblätter (vom Römersalat). Vorbereitet wurde dazu das Sulu Börek, ein Teiggericht mit Petersilie und Ziegenkäse versetzt.

Besonders angenehm ist die Tatsache, dass der Karpuzcu (der Wassermelonenverkäufer) bis vor die Tür kommt. Nennen wir es Urlaub oder Reise, zu sehen, dass diese Menschen unter praller Sonne den ganzen Sommer über arbeiten müssen, während Menschen aus dem Westen mehr oder weniger Luxusaufenthalte in diesen Gebieten verbringen, führt zu einer Bewusstseins und Empathieerweiterung, und so wird aus jedem Urlaub eine Reise, wenn man die Augen offen hält.

Da meine Türkischkenntnisse nicht mit meinen Deutschen zu vergleichen sind, ist für mich die Sprache fremder Türken sehr spannend. “Teyze, die Melone schmeckt wie Zucker”, sagt er, um zu verkaufen. Und da fahren Vater und Sohn, die gemeinsam arbeiten, auf dem Traktor weiter.

Als ich vergangene Woche von Didim nach Altinoluk reiste, begegnete ich einem Menschen, der mich durch die Metaphorik der türkischen Sprache und vorallem Namen erneut in Faszination setze. Während der vier-stündigen Fahrt beobachtete ich den Reiseleiter, der damit beschäftit ist, den Passagieren etwas zum Trinken und eine Kleinigkeit zu Essen anzubieten. Trotz seines typisch anatolischen Erscheinungsbildes mit braunem Haar und braunen Augen zu einem leicht gebräuntem Teint, bemerkte ich, dass er etwas Sonderbares ausstrahlte. Während er im Bus auf den Treppen stehend zur Servierung das Wasser aus der Gefriertruhe holte, haftete mein Blick auf seinem Gesicht, was ihm nicht entging. Ich fühlte mich ertappt, als sich unsere Blicke trafen. Und so geschah es, dass ich im nächsten Augenblick verschämt das Geheimnis lüftete. Askin Kirilmis. Deine Liebe ist zerbrochen. Das erzählt sein Name, eine Geschichte, eine dramatische, traurige, vor der sich jeder Liebende fürchtet und doch neigt man in der türkischen Kultur, vor allem in der anatolischen Kultur zu Tiefsinn und Melancholie. Dass sich die anatolische Kultur an der Ägäis bemerkbar macht, ist eben das sonderbare an der Vielfältigkeit dieses Landes.

In Altinoluk bei meinem Onkel angekommen, führte es uns nach wenigen Tagen in das Dorf Adatepe (zu Deutsch: Inselhügel), das schon in der Ilyas unter dem Namen Gargaros erwähnt wurde. Außerdem ist dort der Zeus Altar mit Blick auf das ganze Meer zu finden.

Im 19.Jahrhundert kamen aus der griechischen Insel Lesbos Griechen, die Rumis, wie sie die Türken und Araber aus dem Koran abgeleitet nannten. Die gemeinsame Kultur beeinflusste damit auch die Architektur der Behausungen. Doch kam es 1922, nach den heftigen Kriegen zwischen den Griechen und den Türken, zu der sogenannten Säuberung,

 die sowohl die Griechen dazu zwang, das türkische Territorium zu verlassen, als auch Türken Regionen, die unter Besitz der Griechen waren. Aus politischen Gründen begann 1950 das Dorf sich zu leeren, sodass nur die Hälfte der Bewohner da blieb. In der Zwischenzeit sind viele der verlassenen Häuser zusammengefallen. Daher werden nun seit einigen Jahren die Dorfhäuser restauriert. In einem der verlassenen Häusern waren noch einige Gegenstände hinterlassen. In der Küche lag beispielsweise der auf dem Bild abgebildete Schrank. Diese wurden früher zu Zeiten als es keinen Kühlschrank in vielen Haushälten benutzt, um Aufstriche wie Marmelade für das Frühstück zu bewahren und vor den Fliegen zu schützen.

Bekannt ist das Dorf nicht nur für den Stil der Häuser, sondern auch den Anbau von Olivenbäumen und dem daraus entstehenden Olivenöl.Hüseyin Moral verkauft in seinem Laden, die Olivenölprodukte seiner eigenen Firma unter seinem eigenen Namen. Die Olivenmilch wird ohne Druck-Anwendung, sondern durch natürliches Dekantieren gewonnen. Handgeschöpft mit der Hilfe einer Steinmühle werden die Oliven zerdrückt, sodass aus 100kg nur wenige Kilos Öl entstehen.

Das Gözleme-Teiggericht kann im kleinen Dörchen auch gekostet werden. Das anatolische Gericht wird aus Yufka Teig hergestellt und mit verschiedenen Zutaten gefüllt. Besonders empfehlenswert ist eine Auberginen-Füllung und Petersilie-Ziegenkäse-Füllung.

Zurück in Altinoluk habe ich weitere tolle Funde gemacht, zum Beispiel das wunderschöne Plakat der einmaligen (meiner türkischen Lieblingskünstlerin) Sängerin Göksel, die mit ihrem Song “Depresyondayim” (Ich bin in einer Depression, ich bin zerbrochen, wurde betrogen, habe mich von meinem Liebhaber getrennt, ich bin sehr einsam.) Geschichte in der türkischen Musikgeschichte. Auch sie scheint sich von der Ikone Marilyn Monroe für ihren neuen Look inspirieren gelassen zu haben.

Getroffen haben wir auf dem Bazar außerdem die mittlerweile 74-jährige Schauspielerin Ayla Algan, eine der wertvollsten Schauspielerinnen die Türkei zu bieten hat.

Das zweite Dorf, das ich diesen Sommer kennenlernen durfte, heißt Sirince, was so viel wie süss bedeutet. Es gibt das Gerücht, dass das Dorf von den im 19.Jahrhunderten lebenden verkslavtem Griechen Cirkince (hässlich) genannt wurde, um die Verfolgung zu umgehen. Nach der Zurückeroberung 1926 nannte die Stadt Izmir Cirkince in Sirince um. Hinterlassen haben die Griechen aber eine Kirche. Der Eingang zur Kirche wurde in ein anatolisch-inspiertes Cafe umgewandelt. Sirince ist bekannt für Oliven, Wein und die Rum-Häuser. Außerdem werden dort für Touristen viele typisch türkischen Kulturgüter verkauft.

An dem Leben an der Ägäis genieße ich die Leichtigkeit, die vom Meer angeeignete Offenheit des Menschen, die anatolischen und griechischen Einflüsse und das Gespräch zu den Menschen.