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Seit 2006 läuft die Casting-Show Germany’s Next Topmodel moderiert von einstigem Model Heidi Klum. In den letzten 14 Jahren hat jene Show weniger Talente hervor gebracht als Komplexe.

Hand auf’s Herz: Wer fühlte sich nicht hässlich, als die erste Staffel los ging? Seit der dritten Staffel ist klar: die Show taugt nichts. Weder werden Frauen hervorgebracht, die den Durchbruch in der Modewelt erleben werden (“Heidi Klum war nie in Paris”, Zitat: Karl Lagerfeld), weder in Paris noch in einer anderen Modestadt, noch neue erstrebenswerte Frauenbilder.

Lena Gercke, die erste Gewinnerin, ist auch heute nur ein Exemplar von dem, was in Deutschland als “schön” gilt: groß, blau-äugig, blond, schlank.

Germany’s Next Topmodel hatte damals bereits die einstige “Miss Germany” Wahlen ersetzt. Mittendrin eine Heidi Klum, die es nie weit gebracht hat, außer in den USA als kurviges “Bauernmädchen” aus Deutschland bei Dessoushersteller Victoria’s Secret, das heute nicht mehr en vogue ist.

Wie lang will diese Show noch bestehen? Zahllose Kritiken sind entstanden. ProSieben und Heidi Klum scheinen aber weiterhin an dem Angebot fest zu halten. Sicher, viele Einschaltsquoten. Aber von Staffel zu Staffel werden die Verhaltsmuster peinlicher, zum Fremdschämen. Und zum Vormachen.

Denn das Rumgezicke, Anfauchen, und Augenauskratzen mag unterhaltsam sein, den ein oder anderen zum Lehrer werden lassen, aber Fakt ist, dass dieses Verhalten noch immer “durchgeht.” Heidi Klum selbst spielt wie die “gebildete Zuschauerin” (ja, GNTM wird nicht nur von 13-Jährigen konsumiert) eine Lehrerin, die mahnt und den “Mädchen” beibringt, wie sie zu laufen haben, Presse zu behandeln und auch sonst zu glänzen. Die Mädchen scheinen sich einer Art “Resozialisierungs-Camp” hingegeben zu haben. Ein Sprungbrett mag es für die ein oder andere sein (Sara Nuru, Marie Nasemann, Sarina Nowack, Hana Nitsche), aber ein Laufstegmodel sind die wenigsten unter ihnen geworden (Alisar Ailabouni, die kleine Ausnahme).

Was die 15 Staffeln aber tatsächlich unterstützten: Frauenfeindlichkeit, das Bloßstellen von Frauen in der Öffentlichkeit, Sexismus, Voyeurismus, Matriarchat. Zwar kürt die Show “Gewinnerinnen”, die sich durch Disziplin, Können und Gefragtsein auszeichnen, was die Frauen aber selbst aus ihrem Leben gemacht zu haben scheinen, ist wohl einzig ihrer Persönlichkeit zuzuschreiben, statt jener Castingshow, die den jungen Frauen verspricht, das Talent aus ihnen raus zu holen. Zum Modeln braucht es mehr als Gut aussehen – das steht außer Frage und das zeigt die Show – aber dennoch stellt sich die Frage, warum diese Show noch heute ausgestrahlt wird. Einschaltsquoten, klar. Aber Verantwortung, keineswegs.

Es gibt nahezu nur einen, einzigen Beruf, der Frauen in der Welt der Medien sichtbar macht: grob, das Modeln. Dass Models selbst dabei die Frauen sind, die in den Medien am sichtbarsten sind, Platz bekommen und präsent sein dürfen, hat uns die Geschichte gelehrt. Und die Geschichte zeigt noch heute, dass wir in einer übersexualisierten Gesellschaft leben, in der der Frau nur ein Platz zugewiesen wird.

Als sichtbarste Repräsentantinnen und Soldatinnen an der fordersten Front der Medien, haben sie in der Medienwelt die Frau zu repräsentieren gewusst, aber in ihrem Frauenbild auch zur Stagnation geführt.

Sie werden gebucht, und erhalten – im Idealfall – als Gegenleistung ein Honorar. Fürs Laufen, Gesichtherhalten und Posieren. Dass dabei das eine Model glaubwürdiger als das Andere ist, zeugt von harter Arbeitskraft. Aber, wie die ein oder andere Arbeitskraft auch, werden sie ausgenutzt. Und das auch zu Kosten anderer Frauen.

Die meist weiblichen Models haben wie alle anderen Frauen auch ihr Recht, sich zu zeigen, und mit ihrem Körper und ihrer Arbeit damit, Geld zu verdienen. Nicht selten sind sie in der Modewelt auch Businessfrau, die ihren Körper bewusst einzusetzen weiß.

Und dennoch, – das war das eigentliche Problem in den letzten Jahren, wenn nicht im letzten Jahrhundert – wird und wurde das Aussehen eines Models mit Produkten verkauft, und umgekehrt Produkte mit der Frau.

Dies führte zum Einen dazu, dass der Beruf eine Illusion von Schöheit erschaffen und genährt hat, gleichzeitig – und das war das Schwerwiegendere daran – hat der Beruf dazu geführt, dass Frauen in einem einzigen Beruf haben Anerkennung erhalten können, als Frauen. Denn nach wie vor bleiben Frauen in männerdominierten Welten und Berufsfeldern unsichtbar.

Es gibt wenige Berufsfelder, die Frauen zulassen und gleichwertig betrachten. Männer hingegen sind in den Medien weiterhin sichtbar als Manager, Medienmogul, CEO, Comedian, Künstler, Rapper, Journalist, Moderator, Polizist, etc. Frauen hingegen sind überdimensional häufig in Medien in der Rolle als Model dargestellt. Angela Merkel, das ist die Ausnahme.

Wenn Medien Spiegel der Gesellschaft sind, dann ist Grund für die Unsichtbarkeit der Frau in der Medienwelt, dass Frau auch in der Realität nicht überall präsentiert sind. Aber wenn es eine Instanz gibt, die Medien selbst lenkt- und die gibt es durchaus – dann ist sie mitverantwortlich dafür, dass Frauen in ihrer üblichen Rolle dargestellt sieht: mit Körper als Hausfrau und Gebährmaschine. Die meisten Models repräsentieren nichts Anderes als das. Keinen Beruf, sondern einem gewissen Frauenbild.

Kontrovers ist dies deshalb, weil Models als das gelten, was der Name bereits sagt, als Vorbild oder gar “Anschaubild”, in der Mode. In Mode ist, dass Frauen nach wie vor nicht viel wert sind. Das ist für die Modewelt von Vorteil. Für die Frauen selbst, die in dieser Welt arbeiten, finanziell vielleicht auch. Platz aber, und das ist ein gesamtgesellschaftliches Problem, wird Frauen sonst nicht gemacht. Und solange heißt es weiterhin vor der Linse “Lächel mehr, zeig mir mehr von dir. Hier, bitte, mach!”

Als ich vor einigen Monaten im Feed eines Models auf Instagram den Spruch “Girls compete with one another. Women support each other” las, war ich inspiriert, ergriffen und zugleich bestärkt, Selbiges zu tun. Andere Frauen ebenso zu unterstützen wie ich es selbst habe erfahren dürfen.

Der Zusammenhalt zwischen Frauen ist genauso sehr Ziel des Feminismus wie die Gleichstellung zwischen Mann und Frau. Letzteres wird vom Mann erwartet. Doch die Bedingung unter Frauen, einander zu respektieren und gleichwertig zu behandeln, ist genauso sehr eine Erwartung, die zu Tage treten soll.

Feminismus ist wieder wichtig. Es geht zwar in der westlich geprägten Welt nicht mehr um das Recht, arbeiten zu dürfen, sondern das Recht, auf der Arbeit und überall anders auch, gleichwertig behandelt zu werden.

Feminismus muss daher neu definiert werden, sich den gesellschaftlichen Veränderungen anpassen, und zuletzt auch Frauen herausfordern, sich selbst und ihre Anforderungen zu deklinieren.

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Es gibt viele Frauen, die sich gerne vergleichen. Hin und wieder gehöre ich auch zu diesen unsympathischen Frauen. Im Fitness-Studio, in den Öffentlichen, auf der Landstraße, aus dem Auto. Ein wenig ist es “normal”, aber ein wenig ist es verstörend, wenn es ältere Frauen tun, die sich mit Jüngeren vergleichen. Seit ich meine Haare kurz trage, passiert es immer und immer wieder, dass ältere Frauen sich mit meinem Haar vergleichen. Ich schwanke zwischen Rassismus – meine Haare sind auffällig dunkel – und dem einfachen Neidtrieb in einer Gesellschaft, in der ohnehin Jugendwahn und Neid besteht.

Im Türkischen sagt man über einen Mann, der “glotzt”: öküz, was auf Deutsch “Ochse” heißt, aber nicht sehr nett gemeint ist. Eine Frau sagt es, wenn sie begafft wird, auch in der Türkei kommt das Hin und Wieder vor, wenn nicht andauernd. Mittlerweile aber muss ich einsehen, dass Deutschland da nicht fortschrittlicher ist. Hier glotzt jeder Mann eine Frau an, die er gut findet. Hat man aber die Frau gefragt, ob sie das will? Frauen glotzen ja auch nicht den ganzen Tag minutenlang andere Männer an. Sexuelle Belästigung über Körperkontakt ist ja schon ein Tabu, wie dürfte man sich da je über “harassment” mit Blicken beschweren? Mit Gutaussehen oder die-Blicke-auf-sich-ziehen hat das nicht viel gemein. Es ist sexistisch, aber nicht etwa, weil es Männer tun, sondern der weitverbreitete Irrglaube besteht, Männer dürften Frauen anglotzen bis sie nachgibt. Ob schüchtern, oder aufreisserisch spielt dabei keine Rolle.

Es gibt natürlich auch Frauen, die sich gerne von Männern verführen lassen. Mir fällt da eine Frau ein, die auf sozialen Medien sich gerne mit anderen Männern zeigt. Sie ist Journalistin. Und wenn sie die Gelegenheit hat, gutaussehende, prominente, junge Männer zu treffen, macht sie die gern mal an, Zwinker hier, Zwinker da.

Aber das ist zum Glück nur die Ausnahme. In “reicheren” Gesellschaften, nennt man sie ja eigentlich “Sugarmama”. Zurück zu den Männern auf der Straße. Bei den Amerikanern nennt man das “Catcalling”, aber wie ein Video einer New Yorkerin zeigte, müssen sich die Frauen dort weitaus mehr Kommentare geben. Das aber dürfte hier auf “Deutschboden” nicht so gerne verbal geschehen, sondern mit Blicken. Und der nennt sich Sexismus.

Deutsch-türkische Gesellschaft treffen sich einmal: in der deutschen Gesellschaft ist es genauso wie in der deutsch-türkischen und zu guterletzt auch türkischen Gesellschaft verpöhnt, mit 30 Jahren unkoventionell zu leben. In der Türkei heißt es dann “evde kalmis” (zu Haus geblieben), wenn eine Frau nicht genügend Heiratsanträge bekommen hat, und noch immer bei den Eltern wohnt. In der deutschen Gesellschaft gibt es das zum Glück ja nicht, das Beleidigen und Lustigmachen über Frauen, die nicht im hohen Alter geheiratet haben, was es aber sehr wohl gibt: den Glauben, eine Frau, sei dann für jeden verfügbar. Wenn sie nicht in festen Händen ist. Für die deutsch-türkische Gesellschaft in Deutschland bedeutet das dann doppelte Last: Es wird gelästert, und verurteilt. #Geschlechterdebatteheute #wasdirdeinsoziologiestudiumnichterzählt

Die einen nennen sie Narzissten (Youtuberin Chloe), die Anderen nennen sie vielleicht verhaltensgestört (Therapeuten), die letzten, und das sind die Betroffenen, die diese Art tagtäglich zu spüren bekommen, wissen; das sind Clowns. Sie wollen unfassbar viel Aufmerksamkeit, sie kennen sich selbst nicht, weshalb sie sich überwiegend in den Gesichtern derer zu lesen versuchen, die sie hübsch finden. Youtuber haben Recht. Sie sind eine Art Kinder im Körper eines Erwachsenen, aber sie sind dabei auch ein Stück weit gruselig.

Vermutlich sind sie sogar verhaltensgestört, was nicht problematisch wäre, wenn ihnen der Gang zum Therapeuten gelingen könnte, sodass sie ein Urteil eines fachkundigen Therapeuten bekommen könnten statt an anderen ihr Können auszutesten, wenn nicht ihre Grenzen. Wenn man das Verhalten von denen abbekommt und zu spüren bekommt, muss man wissen, wen oder was man da überhaupt vor sich hat.

Für den alltäglichen Umgang versteht sich. Dieser Clown nämlich, gleich dem Gruselmann aus dem Film “Es” versteht, einen nervigst zu verfolgen, während er vorgibt, Interesse zu zeigen. Letztenendes will er sich natürlich nur etwas beweisen, und allen anderen da draußen zeigen, dass er “Die Eine” abbekommt. Was das aber mit einem machen kann, wird da gerne ignoriert.

Dieser Clown aber, und das ist das eigentlich Schwierige an ihm, trägt eine Maske und kann sich selbst nicht erkennen, weshalb er auch die Aufmerksamkeit bei Anderen statt sich selbst zu finden verhofft. Er verpasst nämlich dabei die Möglichkeit, mehr aus sich machen zu können. Überschätzung ist da das, was ihn zu einer Art Karikatur macht und dazu bewegt, später zu heulen. Der Clown hat auch Talente, gewiss. Doch weiß der, der seine Talente nicht kennt, diese nicht einzusetzen, sondern schlichtweg seine clownesque Art, das er als männliches Talent des Verarschens erkennt, auszuspielen und somit sein Können unter Beweis zu stellen. Seine Männlichkeit ist ihm im Grunde eine Last, weil er sich nicht kennt. Frauen macht das übrigens verrückt, weil sie nicht wissen können, dass sie es mit einem Clown zu tun haben, der tagsüber den Normalo abgibt.