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Der Soziologie – und Kulturphilosoph Georg Simmel beantwortet in seinem Aufsatz „Die Frau und die Mode“, der 1908 von Herwarth Walden im Magazin „Das Magazin. Monatsschrift für Literatur, Musik, Kunst und Kultur“ herausgegeben wurde, die Frage, warum gerade Frauen dem Kanon der Mode so stark gehorchen.

Wenn „Mode den Egalisierungs- und den Individualisierungstrieb, den Reiz der Nachahmung und den der Auszeichnung zugleich zum Ausdruck bringt und betont, so erklärt dies vielleicht, weshalb die Frauen im Allgemeinen der Mode besonders stark anhängen.“ Simmel behauptet, Mode sei ein Mittel, um sich abzugrenzen, und doch gleichzeitig die eigene Zugehörigkeit sichtbar zu machen. Und gerade die Frau macht so sehr von diesem Mittel Gebrauch. Denn mit der Mode versucht sie, sowohl ihre Individualität, als auch Teilhabe zu unterstreichen.

Mode kann demnach als Praxis verstanden werden. Und sie wird ausgerechnet so sehr von der Frau angewandt, da Simmel der Überzeugung ist, Männer würden sich viel mehr in anderen Lebensbereichen ausleben. Der 1908 erschienene Text des Soziologen kann als die bestehende Ungleichheit zwischen Mann und Frau gelesen werden. Simmels Argumentation jedenfalls ist ein Hinweis darauf, dass zu Beginn des 19. Jahrhunderts ein deutlicher Unterschied zwischen dem sozialen Geschlecht “Mann” und “Frau” bestand.

Einen Aspekt macht Simmel deutlich klar. Frauen könnten sich nicht in anderen Lebensbereichen individualisieren und an ihnen teilhaben, da sie keine Zugänge zu Bildung haben. Im Allgemeinen sei das Leben der Frau so einheitlich und monoton, dass die Mode durch ihre bietende „Abwechslung“ das Leben reizend mache. Die Abwechslung wolle die Frau, die Simmel nach treuer ist als der Mann, eben in der Mode ausleben.

Warum manche Frauen jedoch bewusst die Mode ablehnen, darauf hat Simmel auch eine Antwort. Der Soziologe begründet die Ablehnung mit der Emanzipation der Gegenwart. Die Frau wolle sich demnach dem „männlichen Wesen, seiner Differenziertheit, Personalität” nähern. Wie der Titel des Aufsatzes schon: ziemlich sexistisch.

Dieser Text ist eine bearbeitete Version des Textes ” Die Frau und die Mode – eine Beziehungsanalyse vom 14. August 2012.

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