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Schönen Frauen gegenüber gibt es häufig schlimme Vorurteile. Mit den Worten “eingebildet”, “dumpf” oder “oberflächlich” wird gerne abgewertet. Schlimmer wird es, wenn jene Frauen unterschätzt werden.

Dass das brasilianische Supermodel Isabeli Fontana auch als Model was im Kopf hat, Ansprüche und Ziele, die sie selbst erreichen will, wird in der neuesten Folge der “Diary of a Model” – Serie der Vogue sichtbar. Während das Model auf dem Weg zu ihrer Arbeit als Model für Off-White begleitet wird, zeigt sich, dass sich hinter dem Engelgesicht ein kluges Köpfchen verbirgt.

Isabeli Fontana gehört zu jener Truppe brasilianischer Frauen, die besonders auch in der Türkei als Model gefragt ist. ‘Brazukey’ nennen sich Adriana Lima, Izabel Goulart, Ana Beatriz Barros, Alessandra Ambrosio und Isabeli Fontana gemeinsam in der Türkei. Dass die Schönheiten aus Brasilien gerade auch in der Türkei so gefragt sind, liegt daran, dass auf Aussehen in der türkischen Kultur viel wert gelegt wird.

Die brasilianischen Models sind atemberaubende Schönheiten, keine Frage, und sind genau deshalb auch so beliebt, weil die Türkei ähnliche Schönheitsideale hat. Grüne, blaue, braune Augen zu dunklem, hellem Teint und roter oder blonder Haare sind keine Seltenheit. Schauspielerin Nur Fettahoğlu gehört zu jenen prominenten Frauen in der Türkei, die einer Isabeli Fontana optisch ähnelt. Nicht nur ihre Features ähneln dem einstigen Victoria Secret Model, sondern ist es auch eine gewisse zurückhaltende Art, die an die Muhtesem Yüzyil-Schauspielerin Fettahoglu erinnert. Eine unglaublich zuversichtliche Energie hat dabei Fontana, während Fettahoglu wie viele Türkinnen beharrlich stark sein.

Denn die türkische Kultur macht es Frauen selten leicht. In keiner Branche, Religion, oder ökonomischen Schicht bleibt eine Frau von Benachteiligung verschont. Es herrscht kein offensichtlicher, verbaler Sexismus wie in Deutschland, aber ein gefährlich gewaltbereiter.

Türkische Frauen leiden daher oftmals gemeinsam. Und unabhängig davon, ob sie nun schön sind, wohlhabend, oder gar arm und unbekannt: sie alle leiden am Frausein.

In einer Kultur, in der die Frauen sowohl auf Händen getragen, geschützt und verehrt werden, als auch geschlagen, vergewaltigt und wie Objekte behandelt, fällt es Frauen nicht leicht, aus ihren Welten ausbrechen zu wollen oder auch nur auf die Idee zu kommen.

Isabeli Fontana wirkt aber wie viele brasilianische Topmodels hingegen so, als wäre sie allzeit bereit, jede Herausforderung im Nu anzunehmen, zu übertrumpfen, über sich selbst hinaus zu wachsen. Stehts mit dem Anrecht, stark sein zu dürfen und keineswegs von irgendwem aufgehalten zu werden. Als hätte sie schon ein großes Stück Freiheit in die Wiege gelegt bekommen, die es braucht, um sich vor sich und konsequenterweise auch vor anderen Respekt zu beschaffen.

Respekt, das müssen türkische Frauen hingegen oft vor anderen (Männern) haben. Anders als in der westlichen Welt nämlich, ist dieser Begriff sehr präsent, und wird von klein auf mal wie eine auferlegte Bürde, dann wieder wie ein Schutzschild vor sich hin getragen.

Die Energie aber, die einer Isabeli Fontana zu inne wohnen scheint, erlaubt es, folgerichtig, mutig, die Truhe aufzumachen, die jeder Frau innerlich obliegt, und der Lebensenergie freien (Leben-)Lauf zu lassen. Denn mit ihrer Schönheit, kommt die Selbstbestimmung. Frausein zu dürfen ohne Behinderung, stark und schön, das macht Isabeli Fontana zu einer erstrebenswert inspirierenden Frauenfigur.

Bild: Screenshot: Isabeli Fontana in “Diary of a Model” für die Vogue

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